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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 14

    Depressive Verstimmung nach Wirkungsabfall

    Hallo liebe Chaoten,

    Ich möchte mein Anliegen ohne große Ausschweifungen gleich vortragen:

    zuerst bekam ich unretardiertes MPH (TAD), welches sich in den ersten Tagen relativ gut anfühlte. Zu Beginn der Medikation sollte ich fünf Tage lang morgens einmalig 5 mg, nach weiteren fünf Tagen 10 mg morgens und dann wieder nach weiteren 5 Tagen 10 mg morgens und 5 mg mittags einnehmen.


    In meinen Ausführungen werde ich mich nur auf die wichtigsten Symptome und Auswirkungen beschränken.

    5 mg unret. MPH -->

    Positive Effekte:

    • Klarheit/Struktur
    • leicht erhöhte Konzentrationsfähigkeit
    • innere Ruhe
    • Motivation
    • leicht gehobene Stimmung

    Negative Effekte:

    • kurze Wirkdauer, ca. höchstens 1,5 bis 2 Stunden
    • beim Anfluten leichtes Herzklopfen
    • Rebound deutlich und relativ negativ spürbar, jedoch nach recht kurzer Zeit "überwunden"

    10 mg unret. MPH -->

    Positive Effekte:

    • Klarheit/Struktur s.o.
    • Konzetration s.o.
    • innere Ruhe s.o.
    • Motivation s.o.
    • Stimmung s.o.

    Negative Effekte:

    • Wirkungsdauer s.o.
    • beim Anfluten leichtes Herzklopfen und Schwindel
    • Rebound s.o., jedoch dauert länger an

    So lässt sich das Ganze auch mit höheren Dosen fort führen, ohne dass sich die positiven Effekte besserten, die negativen sich dafür verschlimmerten.

    Während des Rebounds verspürte Symptome:

    • tiefe Traurigkeit
    • schlagartiger Stimmungswechsel von "ok" zu "scheiße"--> weinerlich, Drang nach Isolation
    • größere Verpeiltheit als zuvor (ohne MPH)
    • so gut wie keine Konzentrationsfähigkeit vorhanden
    • Kurzzeitgedächtnis stark beeinträchtigt
    • agressives Verhalten gegenüber Mitmenschen
    • Geduldlosigkeit

    Zusammenfassend möchte ich zum oberen Abschnitt hinzufügen (in Bezug auf das unretardierte MPH), dass sich die depressive "Verstimmung" nicht nach kurzer Zeit besserten, sondern erst nachdem ich die nächste Dosis eingenommen hatte. Es kristallierte sich heraus, dass ich mich in einem Teufelskreislauf befand und etwas ändern musste.

    -----------------


    Nachdem ich meinem Psychiater von diesen Erreignissen berichtete, entschlossen wir uns, dass ich ein retardiertes Präparat versuchen sollte, in dem festen Glauben, dass sich diese schlagartigen Tiefs verlaufen würden.
    Also begann ich mit 20 mg retardiertem MPH (Medikinet).

    Eine Auflistung der positiven Effekte macht hier keinen Sinn mehr, da es keine gab!

    • trotz retardierten Präparats erfolgte Wirkungseintritt nach ca. 20 bis 30 Minuten --> erhöhtes Herzklopfen
    • automatisiertes Ausführen von Handlungen
    • Emotionslosigkeit ("Scheißegaleinstellung")
    • verlangsamter Denkprozess, annähernde Impulslosigkeit
    • bösartiger, schleichender Rebound

    Während der Wirkungsdauer verspürte ich immer wieder kleine Wellen des Anflutens und Abflutens. Ich vermute, dass der Wirkstoff zwar retardiert, aber unregelmäßig von mir aufgenommen worden ist.
    Die oben erwähnten "automatisierten Handlungen" lassen sich womöglich mit diesem Vergleich besser beschreiben:
    Ich empfand mein "Ich" nicht mehr; ich hatte das Gefühl, dass etwas nun getan werden muss, z.B. Arbeit, Verpflichtungen usw.. Es handelte sich hier nicht um Willenshandlungen, sondern eben um automatisierte, funktionalisierte und programmatische Handlungen, die wiederum nicht mit einer geschärfteren Klarheit oder Konzentration einhergingen.
    Das führt mich zum nächsten Problem: Emotionslosigkeit.
    Während dieser emotionslosen Phasen verspürte ich keine Liebe für meinen Freund, meine Freunde oder gar mich. Ich verspürte keine Freude, Liebe, Wut, Hass, einfach Nichts! Mir war alles egal!!

    Das wiederum führt mich zum nächsten Punkt auf meiner Liste:Verlangsamter Denkprozess und Impulslosigkeit.Das lässt sich am Besten mit folgendem Beispiel erläutern:
    Ich fuhr auf der Autobahn und musste immer wieder feststellen, dass mich LKW`s versuchten zu überholen. Ich gebe zu, dass ich sonst eine flotte Autofahrerin bin, gerne auch das Gaspedal bis zum Anschlag trete. Mit dem MPH unret. hatte ich nicht mehr den Impuls und das Verlangen auf den Verkehr reagieren zu wollen, mich in den Fluss der eigenene Gesetzmäßigkeit der motorisierten Welt einklinken zu wollen. Ich war zwar nicht müde, aber ich musste mir verkneifen, die Augen zu schließen. Ich hatte auch nicht vor einen Suizid auszuüben. Mir war in diesen Momenten einfach der Impuls des Überleben-Wollens abhanden gekommen, das Bedürfnis die Augen zu schließen und momentan nicht an etwas "teilnehmen" zu wollen, war vordergründiger.
    Das erkläre ich mir auch mit den anderen Symptomen wie Emotionslosigkeit und Automatisierung.
    Nochmal ganz deutlich und "frei nach Schnautze":
    Ich (oder "Es"- hier im nicht Freudschem Sinne gemeint) hatte nicht vor mich (oder "Es") umzubringen, mir war einfach danach, die Augen zu schließen, obwohl ich nicht müde war; richtig wach fühlte ich mich jedoch auch nicht.

    Nur die logische Konsequenz, und nicht die emotionale, hielt mich davor ab, einen Schaden anzurichten.
    Ich möchte auch ganz ausdrücklich darauf hinweisen, das ich keine multiple Persönlichkeitsstörung habe oder hatte, denn sonst wäre mir diese "Ichlosigkeit" nicht aufgefallen.
    Der "bösartige, schleichende" Rebound äußerte sich so, dass ich das Gefühl hatte, innerhalb von 20-30 Sekunden, von einer "höheren" Ebene in eine niedere Ebene hinab geworfen worden zu sein. Mit diesem "Fall" spürte ich wieder ganz deutlich mein Ich, welches sich nun plötzlich in einer tiefen Traurigkeit befand. Diese wiederum verlangte nach sozialer Isolation, d.h. ich ertrug die Nähe anderer Menschen nicht. Ich fühlte mich überfordert, sobald andere Menschen von mir etwas forderten, sei es nur ein Gespräch.
    Dieses desolate Beispiel lässt sich mannigfaltig weiterführen, was aber hier den Rahmen sprengen würde.

    Meine Konzentrationsfähigkeit war so gut wie nicht mehr vorhanden, beim Lesen musste ich Sätze oder Abschnitte immer wieder lesen, da ich sofort vergaß, was ich gelesen hatte, bzw. ich konnte einfach keinen Sinn im Gelesenem erkennen.

    Ich habe MPH unretardiert nur sieben Tage lang genommen und erstmal nach Absprache mit meinem Psychiater abgesetzt. Am nächsten Dienstag habe ich einen Termin bei ihm und hoffe auf alternative Möglichkeiten wie z.B. SSRI oder SNRI.

    Ich habe hier in diesem Forum und auf anderen Seiten viel recherchiert und auch Parallen zu meinem eigenen Erleben feststellen können, jedoch nicht in dieser Ausführlichkeit wie ich sie hier schildere.

    Meine Frage an euch: Habt Ihr ähnliche Erfahrungen am Anfang der Medikamenteneinstellung oder später gemacht? Wenn ja, was habt Ihr dagegen gemacht?


    In hoffentlich baldiger Frische

    Glockenspiel
    Geändert von Glockenspiel (27.05.2010 um 17:56 Uhr)

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Depressive Verstimmung nach Wirkungsabfall

    Hallo

    Mir ergings es so ÄHNLICH!
    Ich hatte MPH TAD 20mg bekommen, Anfangsdosies genau so wie bei dir von der menge her.
    Bin jetzt auf 80 mg/tgl.! Hatte immer deprissie Rebound usw, so wie du es auch beschreibst. Denn nach max. 3 Std ist bei mir das MPH nicht mehr spürbar gewesen. Somit war ich mit den 60mg, die wir glaubten das es reicht, recht hin und her geschleudert. Somit auch mit meinem Neurologen gesprochen und wir sind jetzt auf 80mg, so dass ich einfach alle 3-4 std eine nehme und alles ist super. Die Einstellung hab ich jetzt so 2 Woche und es ist perfekt, mein ganzer Tag ist gut organisiert, keine Depriss, keine Hyperaktivität (war bei mir ein großes Thema) einfach alles super
    Nehm zwar noch zusätzlich 20mg Flouxet am Abend, aber das allein war nicht ausschlag gebend
    Hoff das ist ne Antwort die du auch hören wolltest
    Ganz Liebe Grüße Erika

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Depressive Verstimmung nach Wirkungsabfall

    Danke für deine Antwort, Erika.
    Das hört sich definitiv interessant an. Es macht mir Hoffnung, dass man doch noch was machen kann.
    Ich denke, dass die Dosis ein ganz wichtiger Faktor ist.
    Ich stelle eben in meinem Fall die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Faktor und momentan scheint es so, dass die "Kosten" den Nutzen einfach übersteigen.
    Mal sehen, ob mein Psychiater einen Präparatwechsel, eine andere Dosierung oder gar einen Wirkstoffwechsel empfiehlt.
    Wie in meinem Eingangstext schon geschildert, hege ich Hoffnung in SSRI oder SNRI, wobei sich auch die Frage nach Amphetaminsulfat stellt.

    Hugs and all,

    Glockenspiel

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Depressive Verstimmung nach Wirkungsabfall

    Bitte
    Ja, der Kostenfaktor spielt auch ne wichtige Rolle, da geb ich dir recht! Aber ich muss sagen, UNGLAUBLICH was der unterschied von 60mg auf 80mg. Im Monat hab ich jetzt ca. 86€ kosten, geht auf alle Fälle noch!
    Ich wollt auch schon den vorschlag machen, das Präparat wechseln zu lassen, aber er meinte das wir es doch mal probieren sollten mit 80 mg. Mich persönlich störte es nicht und siehe da: PERFEKT

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Depressive Verstimmung nach Wirkungsabfall

    Hey Erika,

    wenn ich hier von "Kosten" spreche, dann meine ich das im metaphorischem Sinne; der Kosten-Nutzen-Faktor im übertragenem Sinne soll das Wirkunsgsspektrum des MPH in meinem persönlichem Falle ausdücken, also: welche negativen und positiven Auswirkungen habe ich und in welcher Relation stehen sie zueinander.
    Wobei der Aspekt, den du da angesprochen hast, auch nicht ignoriert werden darf, vor Allem da ich Studentin bin und ganz auf mich allein eingestellt bin, was meine Lebensfinazierung betrifft.
    Lieben Dank für deine Antwort

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 34

    AW: Depressive Verstimmung nach Wirkungsabfall

    Mir geht es wie Dir mit allem was du schreibst, ich habe die Dosis runter gesetzt und es ging mir besser, ich habe die Tabletten geteilt.1/4 dann wieder und wieder abstezen wird ich das auch langsam dann ist der rebound nicht so heftig.
    Aber wenn du das richtige gefunden hast laß es mich wissen.
    habe vieles ausprobiert aber so richtig zufrieden bin ich auch nicht.auch mph retard und kurzwirkendes bin gerade dabei die verschiedenen produkte auszuprobieren

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