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Diskutiere im Thema Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 40

    Frage Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge

    Abgesehen von der Depression leiden Alltag und Beruf bei mir (seit vielen Jahren zunehmend) vor allem unter zwanghafter Getriebenheit, innerem Druck und der Unfähigkeit, mich auf das zu konzentrieren, was ich eigentlich will.

    Daß ich meistens nicht einmal herausfand, was ich eigentlich will, sondern nur in einem dauernden inneren Abwehrkampf steckte, gegen ein Trommelfeuer aus nicht abschaltbaren „inneren Bedrohungen“, das hat die Schwierigkeiten zusätzlich befeuert. Auch in wiederholten Psychotherapien wurde diese Symptomatik nicht nachhaltig gebessert.

    Meine innere Freiheit ist in den letzten Jahren immer mehr verlorengegangen, und die Psychotherapie, mit immer wieder konfrontativer Auseinandersetzung, half natürlich dabei, zu verstehen. Aber durch das Verstehen der Ursachen trat das Problem nicht weniger häufig auf, und es tat auch nicht weniger weh. Und jede zeitweilige Befreiung von innerem Druck war wie ein Strohfeuer, das bald wieder verging.

    Es erschien mir irgendwann unumgänglich, nicht nur die Depression, sondern auch die alltägliche innere Gedankenunruhe und Unfähigkeit, mich zu konzentrieren, medikamentös anzugehen - aus eigener Überzeugung. Erst durch Wechsel des Arztes und nach einer Diagnose der Aufmerksamkeitsstörungen bin ich dann darauf gekommen, es einmal mit dem empfohlenen Methylphenidat (zunächst in Form von Medikinet adult, jetzt mit Ritalin adult) zu versuchen.

    Das brachte die entscheidende Wende.

    Auch jahrelang Liegengebliebenes kann ich endlich ohne Druck aufräumen. Ordnung wird zum ersten Mal seit, ich weiß nicht wie lange schon, wieder für mich zu einem überhaupt „anfassbaren“ Thema. Die Getriebenheit ist verschwunden, und ich entscheide frei. Ich kann sozusagen das bisherige Vakuum der fehlenden Entscheidungen endlich anfangen, überhaupt aufzufüllen.

    Der dauernde Terror einer gefühlten Unfreiheit und Bedrohung war immer das Schlimmste - schlimmer noch als die Depression. Denn die Depression war im Gegensatz dazu etwas, was zeitweise verging.

    Für mich konnte das kognitive und praktische Training im Alltag, dank der wiedergewonnenen Ruhe im Kopf nun erst wirklich beginnen. Methylphenidat sperrt mir dafür eine Tür auf. Ich muss durch diese Tür aber wirklich hindurchgehen, und auch etwas Neues aufbauen. Das alte, das schädliche Denken und Verhalten, werde ich ersetzen müssen. Mir hilft Methylphenidat dabei, denn es befreit ja auch mein Denken, das sonst immer von zwanghaften alten Echos und Mustern durchzogen war.

    Ich würde Ritalin adult in diesem Zusammenhang nicht als eine Krücke für mich bezeichnen, und schon gar nicht als eine, mit der ich mich für immer abfinden muß. Ich betrachte Ritalin adult eher als eine Art Wundverband. Kein Mensch käme auf die Idee, auf einen Wundverband zu verzichten, nur weil dieses Hilfsmittel vom verwundeten Körper nicht selbst produziert wurde.

    Nach den inzwischen gewonnenen Erfahrungen kann ich sagen: Dank diesem „Verband“ kann ich überhaupt das Leben wieder trainieren und endlich frei durchatmen. Ich habe während der schlimmer werdenden Symptome der letzten Jahre lange auf so einen Befreiungsmoment gehofft. Davon wird sicher auch die Therapie meiner Depression profitieren.

    Daß eine unbedachte Verabreichung von Methylphenidat bei Depressionen schwerwiegende negative Folgen nach sich ziehen kann, möchte ich nicht abstreiten. Doch auch zu der Zeit, als ich noch kein Antidepressivum erhielt und allein auf Medikinet adult setzte, erlebte ich die mittelschweren depressiven Phasen als weit weniger „anhänglich“ und das typische Bedrohungsgefühl als eliminiert.

    Dennoch nehme ich inzwischen - ergänzend zu Ritalin adult - das Antidepressivum Citralopram und kann bis jetzt nichts Negatives berichten.

    Die normalen Schankungen und Nebenwirkungen der Einschleichphase will ich hier gar nicht thematisieren. Derartige Effekte werden meiner Meinung nach schon zu oft zu einem Riesenproblem aufgebauscht, obwohl jeder weiß, daß man während der Einstellung auf neue Medikamente stets mit vorübergehenden negativen Effekten rechnen muß. Wie sich die Kombination von Ritalin adult und Citalopram mittel- und langfristig auswirkt, ist das Entscheidende.

    Aber zurück zum Thema:
    Kann jemand bestätigen, daß die durch Methylphenidat gewonnene innere Ruhe und Befreiung, nicht nur den Alltag bewältigen hilft, sondern auch für eine weiterführende Therapie von ganz entscheidender Bedeutung ist? Welche Therapien haben bei Euch davon profitieren können?

    Oder gab es Fälle, in denen die Einnahme von Methylphenidat (bei positiver Wirkung) weitergehende, nichtmedikamentöse Therapieerfolge gewissermaßen unmöglich machte, weil „auch so“ der Leidensdruck schon großteils genommen war?
    Geändert von Talis (15.05.2017 um 12:42 Uhr)

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 8.111

    AW: Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge

    Hallo Talis,

    danke für deinen Beitrag.
    Ich würde gerne was dazu schreiben, wenn ich
    a) nicht zu müde wäre und
    b) es ein nicht-öffentlicher Thread wäre.

    Wenn du länger im Forum bleiben möchtest, kannst du z. B. ein Tagebuch eröffnen.

    Alles Gute
    Gretchen

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge

    Hallo Gretchen,

    danke für den Hinweis, hier ein Tagebuch anzulegen.

    Mit einem persönlichen Tagebuch bin ich immer gut gefahren. Es half (und hilft mir immer noch) - vor allem beim Finden und Erhalten eines
    Roten Fadens im Alltag. Das hilft sehr dabei, nicht nur alles zu wiederholen, sondern mehr Neues in sich zu finden - also sich weiterzuentwickeln, statt ewig auf der Stelle zu treten.

    Seit einiger Zeit bin ich zu kürzeren Notizen übergegangen, und daraus ist eher ein kognitives Konzept- und Trainingsbuch geworden. Ich vergesse aber immer noch, regelmässig wieder hineinzuschauen. Dabei ist es die inzwischen wertvollste Gedankensammlung für mich. Sie ist auf mich zugeschnitten und holt mich immer dort ab, wo ich gerade stehe.

    Also sollte ich eine gewisse Routine entwickeln, mich damit immer wieder auseinanderzusetzen. Zur Zeit ist die durch das Tagebuch angeregte
    Bewusstmachung (neben den Medikamenten) nicht meine einzige Therapieform, aber es ist die wichtigste und wertvollste Therapie, die ich habe.

    Ein Tagebuch hier online zu schreiben,
    wäre nochmal etwas ganz anderes und ist sicher für manche eine nützliche Sache. Ich kenne mich damit aus, da ich über längere Zeit so ein Tagebuch mit meinem Therapeuten zusammen führte. Ich hatte also einen Mitleser. Das war für die Therapie hilfreich, weil dadurch die Therapiestunden schneller auf den Punkt kamen. Und ich bin sehr dankbar dafür, daß ich diese Möglichkeit erhielt.

    Heute halte ich meine Tagebucheinträge bewußt privat und geheim, weil mir die Aussprache mit mir selbst mehr gibt als die mit anderen Menschen. Bis andere verstanden haben, worum es im Kern eigentlich geht, wenn ich mich mit meinen Schwierigkeiten auseinandersetze, habe ich zwischenzeitlich zehn neue Ideen für meine Selbsttherapie zu Papier gebracht. Und die funktionierenden Ideen sind mein heutiges (noch ein wenig wackeliges)
    Lebensgerüst.

    Daß ich hier überhaupt bei den ADHS-Chaoten mitlese und -schreibe, hat also weniger seinen Grund in einer gewissen "Verlorenheit" (die ich noch vor einiger Zeit nur zu gut kannte), sondern eher in dem Wunsch, noch die eine oder andere Erkenntnis mitzunehmen und vielleicht auch selbst etwas Nützliches beizutragen. Speziell das Thema
    "Komorbidität", etwa wenn ADS/ADHS und Depression zusammentreffen, findet neben dem aktuellen Thread-Thema "Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge" mein besonderes Interesse, da ich davon selbst betroffen bin.

    Nun wünsche ich Dir und allen Mitlesern noch einen sonnigen Tag!

    Talis



  4. #4
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 8.111

    AW: Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge

    Hallo Talis,

    danke für deinen Beitrag!
    Hier bist du immer noch im "öffentlichen" Bereich.
    Falls noch nicht gemacht, kannst du dir im Kontrollzentrum die weiß-rote Umrandung anmachen.

    Ich meine nur, wenn du das gerne möchtest.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend.
    Ich sitze gerade auf meinem Balkon und höre dem Abendkonzert der Vögel zu und freue
    mich - glücklicherweise des Lebens.

    Übrigens, ich hab's hier im Forum schon oft geschrieben, ich bin zwar ein melancholischer Mensch, der immer mit dem schlimmsten rechnet, aber ein großer Teil meiner depressiven Art wurde ich los, seit dem ich meinen VitaminD3-Wert habe untersuchen lassen.

    Also, jetzt ist Schluss!
    Gute Nacht!
    Gretchen

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: Innere Getriebenheit, Gedankensteuerung, Therapieerfolge

    Hallo allerseits!

    Die in meinem obigen Beitrag angesprochene Frage habe ich nochmal (etwas anders formuliert) unter dem folgenden nichtöffentlichen Thema aufgegriffen:
    https://adhs-chaoten.net/treffpunkt-fa-r-erwachsene-ads-adhs-a/50298-methylphenidat-psychotherapie.html
    Nun kannst auch Du, Gretchen, "nichtöffentlich" Deinen Senf dazu geben, wenn Du möchtest.

    Ich würde mich freuen.

    Sonnige Grüße!


    Talis

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