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Diskutiere im Thema Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig? im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 107

    Cool Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?



    Diese Frage les ich im Internet immer wieder und oft genug springen dann sofort die Ritalin-Gegner ohne Ahnung und Hintergrundwissen dofort drauf an und erzählen, dass es natürlich süchtig macht und auch jeden und natürlich auch auf jeden fall.
    Ritalin macht süchtig, den Hammer Unsinn hört man immer wieder. Das kann es, wenn man davon lange Zeit die 10 oder 20-fache Menge nimmt, um sich damit aufzuputschen. Jemand der ADHS hat will aber erstens alles andere haben als innerlich noch mehr aufgeputscht zu sein und zweitens haben Medis mit MPH drin eben bei ADHS eine ganz andere Wirkung als bei Gesunden. Ich versteh es nicht wieso das manche, sogar Ärzte, nicht kapieren wollen und dann ständig davon reden dass ADHSler davon süchtig werden würden. Was auch viele Studien belegen ist, dass das Gegenteil der Fall ist. Nämlich dass ohne nicht süchtig machendes MPH, das ein normales Leben wie bei jedem anderen Menschen ermöglicht, verhindert, dass man mit ADHS in Alkohol und Drogen versumpft, die dann wirklich süchtig machen und einem ganz und gar kein normales Leben mehr ermöglichen. Ein ganz großer Teil der Betroffenen versumpft darin und wenn man da nicht von der Kindheit an was dagegen unternimmt werden immer auch in Zukunft viele ADHSler unnötig in den Alkohol- und Drogenkliniken und irgendwann lang vor der biologisch vorgesehen Zeit auf dem Friedhof landen.

    Ich vergesse ständig, mein MPH zu nehmen und brauche dafür sogar einen Pillenwecker und wenn das süchtig sein soll, dann hab ich da wohl was nicht verstanden mit dem Begriff "Sucht".







    Kann hier irgend jemand von irgendwelchen Suchterscheinungen berichten?
    Oder eher davon, durch MPH von einer richtigen sucht los gekommen zu sein oder das zumindest stark reduzieren zu können.?


  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 37

    AW: Macht Ritalin süchtig?

    Ich habe mal gelesen, das Ritalin wie Kokain ist und das macht doch süchtig oder?

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 107

    AW: Macht Ritalin süchtig?



    Kokain und MPH haben eines gemeinsam, es sind beides starke Stimlanzien.
    Also stark aufputschende Mittel.
    Der wichtigste Unterschied zwischen Koks und MPH ist der, dass das Koks eine euphorisierende Wirkung hat, und das schon bei kleinsten Mengen. Das ist das, was einen vom Koks so abhängig macht weil man sich dann wie der King Käs fühlt und sowas macht ganz schnell und ganz stark psychisch abhängig weil man da drauf natürlich ab dann nicht mehr verzichten will.

    Wenn man dann eine Zeit lang Koks genommen hat, dann hat man dazu auch noch eine starke körperliche Abhängigkeit weil der ganze Stoffwechsel und die Nerventätigkeit sich auf das Koks anpasst und komplett durcheinander gerät, wenn das dann plötzlich fehlt. Die Folge vom Absetzen sind dann schwere Depressionen weil die Psyche sich an die ständige Euphorie gewöhnt hat und wenn das dann plötzlich fehlt stürzt der Kollege erst mal heftig ab. Dazu dann noch der körperliche Entzug, der das noch zusätzlich verstärkt.

    Wie bei den anderen echten Suchtmitteln auch lässt zudem die Wirkung des Koks schon nach kurzer Zeit nach weil die Rezeptoren im Gehirn, die das Kokain reizt, immer unempfindlicher werden. Das führt dann dazu, dass man für das gleiche High davon immer mehr braucht und auch immer mehr nimmt.

    So eine euphorisierende Wirkung hat das MPH erst, wenn man davon eine sehr hohe Dosis nimmt, etwa ab 20 Tabletten zu je 10 mg auf einmal.
    Wenn man sich aber so eine hohe Dosis MPH gibt, dann ist man, falls man das ohne Besuch in der Notaufnahme übersteht, schon so aufgekratzt und hat derartige Angstzustände, dass man dann von der euphorisierenden Wirkung nicht mehr viel hat.

    In der Drogenszene ist MPH als primäres Suchtmittel deshalb absolut kein Thema weil es für irgend einen Rausch vollständig ungeeignet ist. Wenn es dort ganz selten mal verwendet wird dann um Entzugserscheinungen von Koks oder Amphetamin zu lindern und dann auch seltener als Tabletten sondern die werden dann aufgelöst und i.v. gespritzt, damit da wenigstens noch ein bißchen ein kick dabei raus kommt und nicht so eine Riesenmenge von teuren Tabletten gebraucht wird.

    Auf jeden Fall ist das aber immer eine reine Notlösung damit man nicht an den Entzugserscheinungen vom Koks oder Amphetamin, das man sich sonst rein haut drauf geht. Ein angenehmen Rauschzustand, der süchtig machen kann, sieht aber mal wirklich anders aus als das was dabei raus kommt.

    Das wär mal das Wichtigste zum Unterschied zwischen Koks und MPH.

    Jetzt aber mal noch zum Unterschied zwischen einem ADHSler und einem, der davon nicht betroffen ist:

    Wenn ein ADHSler eines als allerletztes haben will, dann ist das irgenwas, das seine eh schon kaum erträgliche innere Unruhe noch weiter steigert, und genau das würde passieren, wenn der mehr nimmt, als das was für die Behandlung vorgesehen ist!

    Bei gering zu hoher Dosis macht es einen ADHSler erst einmal sehr müde, kombiniert mit einem ziemlich unangenehmen Gefühl und einem matschigen Kopf und Gedankenchaos, wenn es dann noch mehr wird, dann wird es wegen der eh ständig vorhandenen Unruhe wirklich so unangenehm, dass sich das kein ADHSler ein zweites Mal antun wird. Geschweigedenn dass der das so oft und mit so einer hohen Dosis macht, dass er davon süchtig werden könnte.

    Schon allein deswegen wird kein ADHSler jemals auf die Idee kommen, das MPH zu missbrauchen. Das ist im Grunde ein selbstregulierendes System, das eine Abhängigkeit bei einem von ADS oder ADHS Betroffenen absolut unmöglich macht, weil die Dosis, die man dazu ständig nehmen müsste, um ein vielfaches höher wäre als das was ein ADHSler überhaupt irgendwie ertragen kann. Und ganz bestimmt nicht was das der so haben will.

    Ein Sonderfall ist noch der MPH-Missbrauch, der so von nicht von ADHS Betroffenen Menschen betrieben wird um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Hier sind die Mengen in der Regel nicht so hoch, dass man da schon von einer richtigen Sucht reden kann, eine gewisse psychische Abhängigkeit entsteht aber trotzdem weil der Chef und die Leute selbst auf die Leistung die sie mit MPH bringen nicht mehr verzichten wollen.

    Diese Menschen sind aber eben keine ADHSler mit 24 Stunden am Tag innerer Unruhe, die eh kaum zu ertragen ist, sondern eben Gesunde bei denen die verstärkte innere Unruhe nicht das Problem ist und für die Leistungssteigerung in Kauf genommen wird.
    Aber eine richtige Sucht entwickelt sich auch aus diesem Missbrauch heraus kaum und wenn das Projekt erledigt ist, die Prüfung vorbei ist oder der Job weg dann ist auch der MPH-Konsum in der Regel schlagartig wieder auf Null.

    Aber das funktioniert eben bei ADHS oder ADS nicht weil dann die innere Unruhe alles so stark überlagern würde dass da an konzentrierte Leistung oder an Konzentration bei einer Prüfung nicht mehr zu denken wäre.

    Als Zusammenfassung kann man also sagen:

    Macht Kokain abhängig?

    Ja, auf jeden Fall, sehr schnell und sehr stark. Das gilt für ADHS-Betroffene und nicht Betroffene.

    Macht MPH nicht-ADHSler abhängig?

    Bei nicht von ADHS Betroffenen besteht eine Missbrauchsgefahr, entweder zur Unterdrückung von Entzugserscheinungen aufgrund Drogenkonsums oder zur Leistungssteigerung.

    --> Das ist der Grund, weshalb MPH auch im Betäubungsmittelgesetz steht.
    Eine wirkliche Sucht ist bei nicht Betroffenen aber trotzdem kaum möglich

    Macht MPH ADHSler oder ADSler abhängig?

    Ein ganz klares und dickes Nein. Es besteht aufgrund der oben genannten Gründe absolut keine Missbrauchsgefahr und erst Recht nicht die Gefahr, dass sich aus diesem nicht möglichen Missbrauch auf Dauer eine Abhängigkeit entwickelt.





  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 37

    AW: Macht Ritalin süchtig?

    Oh vielen Dank. Das wußte ich nicht. Bist du Arzt oder sowas oder woher weißt du denn das alles? Ich habe auch schon viel gelesen darüber, aber so ausführlich hat das noch keiner beschrieben. :-)

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?

    Also ich selbst als ADHSler muss sagen, dass MPH insofern abhängig macht, dass es nach einiger Zeit der Einnahme schon extrem auffällt, wenn man es nicht mehr hat-
    Es wird alles sehr anstrengend und man ist die erste Zeit müde usw. Körperliche Entzugserscheinungen gibts nicht, aber es ist anstrengender als vor dem ersten Mal MPH.

  6. #6


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 19.534
    Blog-Einträge: 38

    AW: Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?

    DerVolkswirt schreibt:
    Also ich selbst als ADHSler muss sagen, dass MPH insofern abhängig macht, dass es nach einiger Zeit der Einnahme schon extrem auffällt, wenn man es nicht mehr hat-
    Es wird alles sehr anstrengend und man ist die erste Zeit müde usw. Körperliche Entzugserscheinungen gibts nicht, aber es ist anstrengender als vor dem ersten Mal MPH.
    Fragt sich, ob das nun objektv oder subjektives Empfinden ist, da man sich zwischenzeitlich an die Wirkung gewöhnt hat.

    Zweifelsohne liegt da aber seitens der Forschung noch vieles im Argen und ob es nun "echte" Reboundeffekte im Sinne veränderter/verminderter oder sonstwie beeinflusster Rezeptoren oder deren Eigenschaften gib, oder nicht, oder ob sich ansonsten irgendwelche biochemischen, neurophysiologischen oder vergleichbare Gegebenheiten durch MPH dauerhaft oder zumindest persistent ändern, kann keiner mit Sicherheit sagen, bzw. brauchbarer ausgedrückt ist hier die Anzahl der Meinungen der Fachleute - wie allerdings nicht nur in diesem Zusammenhang häufig - größer/gleich der Anzahl der Fachleute an sich.

    Was immer wieder nach Absetzen von MPH auftritt, sind z.B. Depressionen, bei denen man ebenfalls selten sagen kann, durch was diese letztendlich begründet sind.

    Sucht würde ich also mal mit großem Fragezeichen versehen, Gewöhnung auf jeden Fall ohne und bei Abhängigkeit kommt es wohl haarspalterisch darauf an, wie man die letztendlich definiert.



    Liebe Grüße,
    Alex

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?

    Da könntest Du Recht haben. Man hat ja keine Entzugserscheinungen in dem Sinn, das man denkt, man muss unbedingt wieder was haben. Zudem kann ich nicht mehr einschätzen, wie sich das iN Relation zu der Zeit verhält, als ich noch kein MPH genommen habe.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 38

    AW: Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?

    Macht Glück, Zufriedenheit und Hoffnung abhängig?

    Wenn ja, dann wohl auch Ritalin und Co - bilden sie doch für manche die Grundlage um überhaupt wieder Hoffnung zu schöpfen, auf eine gleichberechtigte Teilnahme am Leben ... und damit auf Glück und Zufriedenheit.



    Mit Abhängigkeiten und Drogen bin ich immer sehr vorsichtig, zumal Menge und Dauer der Einnahme (ob nun Kaffee, Alkohol oder Rauchen .... ) bei ADHSlern möglicherweise trotz großer Mengen und langer Zeiträume keine wirkliche Suchtwirkung entfalten.


    Mit 14 begann ich Alkohol zu trinken, mit 15 ... 16 waren 10 große Bier Sonnabends zur Disko "ideal!", um "salonfähig zu sein ... In der Lehre wurde es dann immer mehr ....
    Als Facharbeiter bzw. im Studium trank ich kaum. Die neben der Kompensationswirkung auftretenden negativen Nebenwirkungen des Alkohols passten nicht mehr in meine Tagesläufe ... also war er nach Jahren sehr reichlichen und regelmäßigen "Genusses" fast von heute auf morgen out ... ohne jegliche Entzugserscheinungen ... der Schalter im Kopf war einfach umgelegt ...

    Rauchen begann bei mir in der Lehre. ein oder zwei Zigaretten während der Hofpausen (sonst tagsüber keine) und zwei Schachteln abends in der Disko oder in der Kneipe ... irgendwann stach etwas in der Brust ... und schlagartig hab ich mit Rauchen aufgehört.
    Später, vor ca 8 Jahren fing ich mit Pfeife an.... es gibt Tage, da geht sie scheinbar nicht aus ... und Tage, da rauche ich ein...zwei oder keine (je nach Stress ... ähnlich wie mancher wohl den Ritalinbedarf spürt)

    Kaffee war in der Zeit der Bürogründung mein Hauptgetränk .. egal zu welcher Tages- und Nachtzeit ... im Schnitt 3 Kannen a 8 Tassen war so die Regel ... ..... wenn ich heute eine Kanne pro Tag trinke, ist dies viel ....



    Lange Rede kurzer Sinn .... ich möchte nicht ausschließen dass Ritalin bei Nicht-AD(H)Slern suchtentwickelnde Wirkungen entfalten könnte, bei AD(H)Slern gehe ich nicht davon aus. Hier besteht die "Abhängigkeit" m.E. gar nicht oder weniger in der Droge, sondern in der Kompensation von ADHS bedingten Komorbitäten oder auch Wirkungen direkt aus dem ADHS.


    Lieber Gruß
    andreas
    Geändert von derzirkel64 (26.12.2009 um 13:39 Uhr)

  9. #9
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 60

    AW: Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?

    da ich weder alkohol trinke noch rauche noch sonst drogen nehme(dank ritalin)....tja falls eine sucht entstehen sollte nach einem mittel was mich davor schützt süchtig zu sein...sehr gern!

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 70
    Forum-Beiträge: 51

    AW: Macht Methylphenidat/Ritalin abhängig bzw. süchtig?

    Ich habe aus Interesse die Einnahme von 60mg MPH täglich für 5 Tage unterbrochen gehabt.
    Keinerlei Entzugserscheinungen!
    LG
    alvaro

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