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Diskutiere im Thema Medikinet 10 mg - Erste Erfahrungen: Ordnung, Ruhe, Reflektion, Emotionalität im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 1

    Rotes Gesicht Medikinet 10 mg - Erste Erfahrungen: Ordnung, Ruhe, Reflektion, Emotionalität

    Hallo alle zusammen,

    Ich habe mich gerade dafür entschieden mich auf diesem Forum zu registrieren, da ich ein paar Erfahrungen teilen möchte die ich gemacht habe seitdem ich "Medikinet 10 mg" nehme.

    Davor möchte kurz was zu mir sagen:
    Ich bin 18 Jahre alt und männlich. Geboren und aufgewachsen in Istanbul, lebe seit 5 Jahren in Stuttgart.
    Diagnostiziert wurde bei mir mit 6-7 Jahren ADHS. Meine Behandlung umfasste Konzentrationsübungen mit einer Psychologin in der Türkei und eine intensive auseinandersetzung meiner Mutter mit meiner Erziehung. Sie begleitet mich mit aller Zeit und Kraft durch meine Schuljahre bis zur 9. Klasse (in der Zeit zogen wir um). Ich hatte nie Probleme mit meinem ADHS. Schule lief gut, ich hatte immer einen intakten Freundeskreis und ein sehr fröhliches Gemüt.
    So beendete ich die Schule 2015 mit einem 2,4 Abi, wofür ich mir absolut keine Mühe gegeben habe und ich war stets ein beliebtes Mitglied der Schulgemeinde. Bei Lehrern sowie auch bei meiner gesamten Stufe.

    Zumindest bis nachdem Abitur. In den 6 Monaten nach dem Abitur wurde ich von der Hochschule meines Wunsches erstmal abgelehnt und ich stand im leeren. Nichts zu tun.
    In der Zeit experimentierte ich mit diversen Substanzen (natürlich stets vorsichtig und nicht im Übermaß, deswegen werde ich das nicht weiter ausführen). Diese Zeit endete nur diesen März, als ich in die oben genannte Hochschule aufgenommen wurde.

    Parallel dazu lernte ich Anfang dieses Jahres meine jetzige Freundin kennen mit der ich sehr sehr glücklich bin. Erstmals habe ich das Gefühl, dass mich jemand wirklich versteht.

    Angesichts dieser großen Veränderungen kam ich in Verzug mit meinem Studium. Ich nahm es nicht ernst genug und hatte Schwierigkeiten, auch verbunden mit meiner Impulsivität (verlassen der Vorlesung um zu der Freundin zu gehen z.B) und meinen starken Konzentrationsschwierigkeiten. Motiviert von diesen Herausforderungen (Ich hatte nie welche, weswegen ich meinen Problemen nie nachgegangen bin), lies ich mich nochmal diagnostizieren und nehme seit dem 03.06.2016 Medikinet 10 mg. Jedoch nehme ich es nicht täglich. Meine Ärztin sagte ich soll es immer in der richtigen Dosierung nehmen und immer wenn ich es brauche: also vor Lernphasen, Lernsessions. Dementsprechend nehme ich an manchen Tagen keine, aber dafür an manchen Tagen eine Vormittags und eine Nachmittags. Und ich spreche sehr gut darauf an.

    Nun zum Eigentlichen:

    Anfänglich war meine Dosierung bei 5 mg.Ich hatte keine Nebenwirkungen, jedoch auch keine nennenswerte Wirkung des Medikaments. D.h es beruhigte mich nach außen hin, aber mein Kopf ratterte weiterhin und ich entschied mich eine höhere Dosierung auszuprobieren. Ich fing 5 Tage vor meinem Neurologentermin an 10 mg zu nehmen. Es hat funktioniert, ich habe fast das ganze Semester in zwei von vier vorlesungen nachgeholt innerhalb von 10 Tagen intensivem lernen (wenn ich mich konzentrieren kann bin ich extrem leistungsfähig: gilt außerhalb des Medikaments für Sachen die ich mag).

    Nun seit ein paar Tagen fiel der ganze Lernstress weg, die Prüfungen sind zwar Mitte Juli und ich lern immer noch, aber ich stehe mit einem starken Optimismus dar und bin zuversichtlich, dass ich sie schaffe. Dafür richtete sich meine Aufmerksamkeit auf persönliche Fragen. Hobbies die ich aufgehört habe (Zeichnen, Malen) und meine emotionale Lage in meinem Leben. Ich bemerkte, dass ich immer distanziert zu den Menschen war. Ich war der fröhliche Typ in der Stufe damals der nie Probleme hatte, immer gut gelaunt. Wenn meine Freunde Rat brauchten, kamen sie zu mir. Es kam NIE, absolut kein einziges Mal vor, dass ich weinend, niedergeschmettert oder depressiv zu meinen Freunden gegangen bin um Trost zu suchen (ich ging auch nie zu meiner Familie). Manchmal kam es früher vor, dass ich traurig in meinem Zimmer saß und einer Liebe nachtrauerte, die mich nicht wollte, aber alles impulsive Momente, die nicht lange anhielten und worüber ich mir nie wieder Gedanken gemacht habe.

    Nun seit paar Tagen hinterfrage ich all das. Habe ich mich nicht emotional geschliffen? Hab ich immer alles unterdrückt?
    Mit Medikinet habe ich das Gefühl, dass ich meine Probleme angehe, dass ich darüber konstruktiv nachdenke und ich versuche eine Lösung zu finden. Im Vergleich dazu hatte ich früher nie die Zeit oder den Kopf dazu. Ich sprang von Moment zu Moment und lebte von Tag zu Tag.

    Die Motivation mich zu registrieren und das zu schreiben war ein Vorfall von gerade eben: Ich habe zu Mittag meine Medikament genommen. Davor war ich gut drauf und war trainieren. Danach war ich gut drauf und habe angefangen zu lernen. Die erste 1-2 Stunden vertieft und leistungsstark. Danach fing es an abzunehmen. Denn meine Aufmerksamkeit verlagerte sich langsam aber stetig auf meine Gefühlslage.

    Mir kamen Tränen wegen der Musik die ich entspannend im Hintergrund hörte. Mir kamen die Tränen als ich an die Enttäuschung dachte, die ich erleidet hatte, als meine erste Freundesgruppe hier in Deutschland mir den Rücken zugekehrt hatte. Mir kamen die Tränen als ich an meine jetzige Freundin dachte. Mir kamen die Tränen als ich daran dachte wie gut und oft ich mal gezeichnet habe.
    Ich fühlte mich aber nicht schlecht. Ich war immer noch "gut gelaunt". Nur fühlte und fühlt sich immer noch alles so intensiv an, so real.

    Um die Wirkung des Medikinets zusammenzufassen:
    1. Phase beinhaltete das akuteste Problem: Leistung im 1. Semester
    2. Phase beinhaltete und beinhaltet fortlaufend ein emotionales Umdenken, eine Ordnung meiner Emotionen. Wie stehe ich zu Sachen in meinem Leben jetzt und früher?

    Ich schätze das alles als gut ein persönlich. Es sind für mich Erkenntnisse zu denen jeden Tag neue dazukommen.
    Das Medikinet beeinflusst mich generell positiv. Mein Umfeld sagt ich wirke mehr in Frieden mit mir selbst, ruhiger aber im Kern genauso wie davor: fröhlich, unberechenbar/überraschend. Ich bin gespannt wie das Medikament in der Zeit in der ich es jetzt noch nehme (bis zum 11. Juli) wirken wird.
    Ich wollte dies schreiben, weil ich ein Bedürfnis hatte meine Erfahrungen zu teilen. Desweiteren konnte ich fast nichts zum Thema "Metyhlphenidat und Emotionalität" finden und ich wollte Menschen die eventuell ähnliches erfahren Mut machen solche Emotionale Phasen nicht abzulehnen und davon etwas mitzunehmen, da ich vor paar Stunden noch Angst hatte was mit mir passiert. Ich kann nur dazu raten bei so einer Phase es voll und ganz aufzunehmen. Folgt euren Gefühlen und Gedanken, versucht darüber zu sprechen.

    Außerdem bin ich gespannt auf was für Reaktionen mein Text stoßen wird. Falls alles ein bisschen verwirrend sein soll tut das mir aufrichtig leid. Texte schreiben war nie so meine Stärke (mein Deutschlehrer meinte ich spring immer von Punkt zu Punkt ohne Sachen auszuführen ). Ich freu mich auf Antworten. Ich erwarte nichts spezifisches einfach nur Resonanz.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Wis

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 294

    AW: Medikinet 10 mg - Erste Erfahrungen: Ordnung, Ruhe, Reflektion, Emotionalitä

    Hallo erstmal

    Ich finde deinen Text sehr gut geschrieben und ausserdem muss ich dir ein grosses Kompliment machen, denn deine Ausdrucksweise und Rechtschreibung sind sehr gut.
    Und ich bin pingelig, was das betrifft. (Auf fehlende Beistriche gehe ich nun nicht ein )

    Ich habe leider keine Erfahrungen mit Medikinet, diesbezüglich kann ich dir leider kein Feedback geben.

    Ich hoffe, du bekommst noch ein paar hilfreichere Antworten als meine

  3. #3
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 202

    AW: Medikinet 10 mg - Erste Erfahrungen: Ordnung, Ruhe, Reflektion, Emotionalitä

    moin und willkommen

    ich habe erfahrungen mit ritalin adult, medikinet adult und methylphenidat unretardiert und ebenso probleme mit dem melancholischen, aber nach der wirkung ganz normal. ist leider der rebound. zumindest wenn es am ende der wirkung auftritt.

    gruß neji

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