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Diskutiere im Thema Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Ich war schon immer ein recht impulsiver Mensch. Von Januar 2010 bis Mai 2015 habe ich regelmäßig MPH genommen (anfangs Ritalin, später Medikinet Adult) und fand es lange wirklich super, weil es mir sehr dabei geholfen hat, meine Aggressionen in den Griff zu bekommen. Leider hatte es die Nebenwirkung, dass ich im Laufe der Zeit depressiv wurde. Die letzten ca. 2 Jahre war ich ein psychisches Wrack. Ich konnte mich nur noch selten zu irgendwas aufraffen, vergeigte mein Fernstudium, pflegte meine Hobbys kaum noch und saß meistens traurig zu Hause. Deshalb traf ich Anfang Mai letzten Jahres die Entscheidung, die Medis sofort abzusetzen.

    Seitdem hat sich einiges bei mir verändert. Die depressiven Verstimmungen sind weg. Ich bin wieder aktiver und lebendiger geworden. Auf der Arbeit läuft es prima, ich pflege meine Hobbys mit großer Freude und sitze in meiner Freizeit nicht mehr zu Tode betrübt in meiner Wohnung.

    Leider gibt es auch eine negative Veränderung. Meine durch die Medis zustande gekommene, relativ ausgeglichene Art ist einer impulsiven Persönlichkeit gewichen. Um ehrlich zu sein, bin ich aggressiver als jemals zuvor und habe große Probleme mit anderen Menschen. Familie, Freunde, usw. sind geschockt über meine cholerischen Ausbrüche und halten mich teilweise ziemlich auf Abstand. Darunter leide ich sehr. Manchmal erschrecke ich vor mir selbst.

    Was ist los mit mir? Ist mein Verhalten eine Folge davon, dass ich die Medis abgesetzt habe? Was kann ich tun, damit ich nicht mehr so aggressiv bin? MPH nehme ich auf keinen Fall mehr, weil ich die Depri-Phase endgültig hinter mir gelassen habe und das auch so bleiben soll.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Wenn du es unabhängig von Medis (geht auch mit) probieren möchtest, kann ich Neurofeedback empfehlen, das SCP Training. Es hilft nicht sofort, und man braucht wirklich Übung darin, aber ich bin wirklich erstaunt wie gut das bei mir bei der Kontrolle auf wütende und aufbrausende Verhaltensweisen wirkt. Insgesamt bin ich viel ruhiger. Mir hat das mehr als Therapie oder Medis in genau diesem Bereich gebracht.

    Ansonsten wäre natürlich auch eine Psychotherapie vielleicht hilfreich. Ist ja bei jedem unterschiedlich.

  3. #3
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.985

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Es ist möglich,dass Dir diese Verhaltensweisen jetzt stärker auffallen,da Du nun einen direkten Vergleich zum Zustand mit Medikamenten hast.

    Mir hilft zusätzlich zum MPH Achtsamkeitstraining,bzw.bewus stes Üben einiger "Skills",die u.a.im "Großen Handbuch für Erwachsene mit ADHS" von R.A. Barkley zu finden sind.

    Zwar vertrage ich das Medi gut,aber ganz hat es meine emotionale Impulsivität auch nicht im Griff.

    Der Vorteil von Achtsamkeit ist,dass man sie schön in den Alltag integrieren kann und spontan üben-man braucht keine festen Zeiten.
    Geändert von luftkopf33 (10.02.2016 um 12:38 Uhr) Grund: den Anfang vergessen:oops:

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Ich danke euch für eure Tipps . Bin seit einiger Zeit auf der Suche nach einem neuen Therapieplatz. Über ein Anti-Aggressionstraining habe ich auch schon nachgedacht, aber meine Krankenkasse will und ich kann es leider nicht bezahlen.

    Mir geht es nicht gut, ich mache mir Vorwürfe. Während der Medikation habe ich nämlich öfters mal Alkohol getrunken. Ich bin Metallerin, Konzerte und Festivals gehören seit Jahren zu meinem Leben. Zwar bin ich nur selten richtig betrunken und trinke zu Hause gar keinen Alk, aber vor 3 Jahren habe ich hier gelesen, dass man eigentlich prinzipiell keinen Alkohol trinken sollte, wenn man auf MPH ist. Irrtümlicherweise dachte ich, man dürfe nur nach der Einnahme einer Kapsel einige Stunden nichts trinken und dann würde das schon gehen. Die letzten beiden Jahre vor der Absetzung habe ich noch weniger getrunken und noch größere Pausen zwischen Alk und Medis gemacht, aber komplett auf Alk zu verzichten kam für mich nicht in Frage. Ich trinke echt nicht oft und viel. Wenn mal 6-8 Wochen kein interessantes Konzert stattfindet, dann gibt es 6-8 Wochen keinen Tropfen Alk und ich vermisse nichts.

    Ist es möglich, dass mein extrem aggressives Verhalten eine Nachwirkung aus der Medikationsphase ist und es einen Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum gibt?

  5. #5
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.985

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Hmm,also,dass der nicht bestimmungsgemäße Gebrauch während der Behandlung negative Auswirkungen gehabt hat-eventuell nicht ganz unschuldig an der entstandenen Depression war;wobei das auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch passieren kann-könnte ich mir schon vorstellen,aber bleibende Nachwirkungen?

    Da bin ich echt überfragt,auch wenn ich spontan "Nein" sagen würde.
    Eventuell kann das jemand anderes besser einordnen.

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 120

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Was mir als erste Frage aufkam als ich deinen Post gelesen habe: Wieso hast du Depressionen bekommen durch ein Medikament das positiv auf den Neurotransmitterhaushalt wirkt. Gerade Dopamin und Noradrenalin, welche die zwei Hauptrollen spielen, steigern unser Wohlbefinden.

    Ich kenne auch den Erfahrungswert von vielen hier im Forum, dass man depressiver wird durch das MPH. Das liegt aber nicht an der eigentlichen bio-chemischen Verstoffwechselung und Wirkung sondern vielmehr an dem Bewusstsein über die Probleme die ich habe.

    Meine eigene These ist diese: Ich habe manchmal auch weniger Antrieb etwas zu machen unter der Wirkung von MPH. Ich muss mich nicht mehr ständig den neuen ungefilterten Reizen folgen und bin dadurch ruhiger und brauche weniger zu tun damit ich ausgeglichen bin.

    Ich denke die Kunst ist es mit MPH und Psychotherapie an den aufkommenden Depressionen zu arbeiten, denn aus rein neurobiologischer Sicht wird man nicht durch Ritalin oder Medikinet depressiv.

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.731

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    luftkopf33 schreibt:
    Hmm,also,dass der nicht bestimmungsgemäße Gebrauch während der Behandlung negative Auswirkungen gehabt hat-eventuell nicht ganz unschuldig an der entstandenen Depression war;wobei das auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch passieren kann-könnte ich mir schon vorstellen,aber bleibende Nachwirkungen?

    Da bin ich echt überfragt,auch wenn ich spontan "Nein" sagen würde.
    Glaube ich auch nicht- ohne Fachmann zu sein. Ich würde mir da keine Vorwürfe machen. Die aggressive Impulsivität war sicher vorher auch schon da, aber wenn man mal erlebt hat wie es ohne ist, wird man sich dessen bewusster.

    Spannend wäre sicher, ob die Erfahrung mit MPH auch ohne Alkohol so negativ gewesen wäre. Und ob die MPH-Dosis überhaupt stimmte oder vielleicht zu hoch war. Und ob das Depressionsgefühl während der Hauptwirkung auftrat oder beim Rebound- den man dämpfen kann durch eine kleine Menge MPH am Ende des Tages.

    Jedenfalls sagt man, bei depressiven Gefühlen durch oder trotz MPH entweder Amfetamin versuchen (was für Erwachsene aber leider nicht bezahlt wird) oder MPH kombiniert mit einem SSRI. Muss der Arzt entscheiden. Aber egal was, Alkohol bitte dabei weglassen. Versuch doch mal, ein Musikfestival auch ohne Alkohol zu genießen- vielleicht fallen dir schöne Sachen auf die du vorher gar nicht mitbekamst?
    Geändert von 4.Kl.konzert (11.02.2016 um 16:10 Uhr)

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 198

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Depression kann eine Nebenwirkung des Medikaments sein (siehe Beipackzettel). Sich selber Vorwürfe machen ist sinnlos Du kannst ja nix dafür so zu sein wie Du bist :-). Die mangelnde Impulskontrolle ist nach meiner Erfahrung am besten durch Medis in den Griff zu kriegen. Da gibt es ausser denen die Du schon genommen hast aber auch noch andere. (Straterra, ? Bin da nicht so wiasensfest) die kein MPH enthalten.
    Gruss Rob

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    Ich war in den ganzen Jahren vor MPH niemals depressiv. Probleme mit der Impulskontrolle hatte ich schon, aber so heftig wie jetzt war das früher nicht der Fall. Ich habe große Schwierigkeiten damit, wenn andere Menschen ihr Verhalten mir gegenüber plötzlich ändern (zu meinem Ungunsten). Ich war schon immer ein sehr berechenbarer Mensch und erwarte das auch von meinen Mitmenschen. Unberechenbare Leute lasse ich schon länger nicht mehr in mein Umfeld, aber in letzter Zeit haben sich eben auch die zuverlässigsten, berechenbaren Menschen ins Gegenteil verwandelt. Das macht mich wütend. Ich bin in zwischenmenschlichen Kontakten sehr verbindlich und "funktioniere", d. h. auf mich können sich alle jederzeit verlassen und keiner muss bei mir mit einer unangenehmen Überraschung rechnen. Wenn aber jemand ca. 10 Jahre lang immer verbindlich und zuverlässig ist und dann auf einmal nicht mehr, muss er sich auf einen Tobsuchtsanfall meinerseits einstellen.

    Weil ich im Alltag keinen Tropfen trinke und außerhalb von Konzerten/Festivals nur sehr selten Alkohol konsumiere, sehe ich es nicht ein, auf solchen Anlässen komplett darauf zu verzichten. Metal und Alk gehören nun mal irgendwie zusammen. Wer jemand keine Lust hat was zu trinken, werde ich ihm sicher keine Vorwürfe machen. Soll doch jeder machen, was er will. Aber für mich kommt ein vollständiger Verzicht absolut nicht in Frage.
    Geändert von WeißeRose (12.02.2016 um 10:17 Uhr)

  10. #10
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 106

    AW: Sehr aggressiv nach der Absetzung von MPH

    WeißeRose schreibt:
    Ich danke euch für eure Tipps . Bin seit einiger Zeit auf der Suche nach einem neuen Therapieplatz. Über ein Anti-Aggressionstraining habe ich auch schon nachgedacht,
    Ich glaube nicht, dass das für dich geeignet ist.

    WeißeRose schreibt:
    aber meine Krankenkasse will und ich kann es leider nicht bezahlen.
    Was ich in deinem Fall als gut einstufe.

    WeißeRose schreibt:
    Ist es möglich, dass mein extrem aggressives Verhalten eine Nachwirkung aus der Medikationsphase ist und es einen Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum gibt?
    Das glaube ich nicht. Ohne das fokusierende Medikament hast du jetzt wieder einen "Rundumblick" und es geraten Dinge in dein Sichtfeld, die die vorher nicht mehr beachtet hast. Vielleicht weißt du nicht, wie du damit umzugehen hast.

    Aggressionen können aus Depressionen herauskommen, weil man "dank" Depression nicht mehr weiterkommt und sich die eigene Unzufriedenheit dann gegen andere richtet.

    Aggressionen haben oft etwas mit inneren Konflikten zu tun. Sie sind das Ende der Kette Scham, Schuldgefühle, Angst, Ärger, Wut, Aggressionen.

    Für all diese Fälle wäre eine Psychotherapie, die von Krankenkassen gezahlt wird, geeignet. Gerade dafür (Scham, Schuldgefühle, Angst, Ärger, Wut, Aggressionen) kann ich dir https://de.wikipedia.org/wiki/Intens..._nach_Davanloo empfehlen. Da wird nicht monatelang kognitiv rumgeredet, sondern da geht es von der ersten Sitzung an direkt zur Sache, nämlich um Gefühle. Probier das mal! Du wirst erstaunt sein!

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