Umfrageergebnis anzeigen: Methylphenidat als Bedarfsmedikament?

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Multiple-Choice-Umfrage (Mehrere Antworten sind möglich).
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Diskutiere im Thema MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    lunar-x7

    Gast

    Frage MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Mich würde eure Meinung dazu interessieren. Habt ihr selbst damit Erfahrung? Oder sollte MPH gar nicht als Bedarfsmedikation eingesetzt werden.

    Der Grund meiner Frage ist, dass ich es bis heute auch nach mehrfachen Anläufen nicht geschafft habe MPH bei mir richtig eingestellt zu bekommen. Wenn es wirkt dann hilft es mir gut.


    • ich bin klarer im Kopf, kann mich auf einen Gedanken konzentrieren, eben auf das wesentliche
    • Entscheidungen treffen ist leicht und effektiver
    • ich werde ruhiger und bin weniger angespannt
    • ich prokrastiniere wesentlich weniger
    • meine Sprache soll wohl klarer und differenzierter sein (Aussage von Freunden und Bekannten)
    • Wortfindungsstörungen habe ich nur noch ganz selten.


    Leider ist die Wirkung bei mir fast jeden Tag anders. Mal fühle ich mich überdosiert und ich bin so hippelig, zittrig und habe so ein starkes Angstgefühl, dass ich es kaum aushalte. Dann gibt es wieder Tage ohne Wirkung, gefolgt von Tagen mit guter Wirkung. Ich hatte Einnahmezeiträume von einem halben bis zu einem dreiviertel Jahr.

    Dazu leide ich dann, je länger ich es einnehme unter immer stärker werdendem Appetitverlust und zunehmenden Magenschmerzen.

    Von mehreren Ärzten wurde mir MPH als Bedarfsmedikation vorgeschlagen. Ein Arzt meinte, wenn es bei mir nicht wirkt solle ich es eben nicht nehmen. Wobei ich niemals davon sprach, das MPH bei mir nicht wirkt. Ganz im Gegenteil. Diesen Arzt habe ich nicht wirklich verstanden. Vielleicht das klassische Kommunikationsproblem bei ADHS.



    Edit:
    oder der Versuch davon. Ich wollte bei der Umfrage-Auswahl "Arzt wechseln" entfernen. Ergibt im Zusammenhang keinen Sinn, den Arzt zu wechseln. Vielleicht kann mir jemand dabei helfen, wie das geht.

    Edit Alex: Auswahlmöglichkeit entfernt.

    Geändert von Alex (10.08.2015 um 20:15 Uhr) Grund: Siehe Edit

  2. #2
    Zappelphillipp!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 459

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    ....Mal eine Frage
    Hast du vielleicht mit Angst oder Panik Störungen zu tun? Mph kann diese verstärken, das starke Angstgefühl lässt mich grade daran denken. Ich habe auch mit Angststörungen zu tun, da ich seit meinem schweren Entzug von Schlafmitteln und Benzo eine habe, ich weis nicht ob es eine Angststörung im eigentlichen Sinne ist, ode r nur noch mein Hirn, das immer noch fortbestehende Entzugerscheinungen sendet (ist erst ein paar Monate her; der fast immer 2 wöchige Rhythmus erinnert mich daran, weil alle 2 Wochen reduziert wurde). Meine Angst ist entweder komplett verschwunden für Tage ode r meist 2 Wochen, oder sie ist auf einmal da; anfangs noch mehrer Tage, jetzt eher nur noch stundenweise....Aber es wird besser mit der Zeit. Auf jeden Fall nehme ich aktuell 40mg Mph am Tag und meistens ist die Wirkung wirklich sehr sehr gut, bis auf die Angsttage ab und an mal noch. Na ja, wenn man ängstlich ist, dann wird man leicht nervös wieder, was dann aber eher Angstsymptomatik als Überdosierung ist.... (Gab es bei dir vielleicht eine Ähnliche Geschichte (Bsp. ein Entzug der Art ode r so?)

    Ansonsten finde ich persönlich warum sollte mph nicht als Bedarfsmedikament benutzt werden, je weniger Medis, desto besser, eigentlich, wenn ich mal fest im Leben stehen sollte und mph absetzen muss/will oder was auch immer (ich nehme es sehr gerne) , dann möchte ic h es fürs Auto fahren eigentlich gelegentlich gerne Bedarfsweise weiternehmen, weil ich denke, dasdas bei mir besser so wäre
    Geändert von Canary (10.08.2015 um 15:00 Uhr)

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Hallo Lunar,

    ich handhabe das so, dass ich im Berufsalltag mit all den Anforderungen das Medikament immer nehme (selber Zeitpunkt, selbe Dosis) und an Tagen mit wenig Anforderungen (sofern ich das beeinflussen kann, z.B Feiertage und Urlaub) es komplett weglasse. Das mache ich seit vielen Jahren so. Ich finde es allerdings wichtig, dass eine Systematik dahinter steht; die totale Beliebigkeit (nehmen oder nicht nehmen immer wieder neu entscheiden) würde mich stressen. Mein Arzt steht voll dahinter.

    Das andere was du ansprichst, wechselnde Wirksamkeit hängt mit vielen Faktoren zusammen; Hormone, Wetter, Ernährung, körperliche Befindlichkeiten, besonderer Stress, Schlafmangel- das kenne ich dann auch, dass es nicht so wirkt wie es soll. Trotzdem nehme ich es; diese Schwankungen kriegt man nie ganz weg, ich versuche dann die o.g. Themen zu beeinflussen (versuche z.B.den Schlaf in den Griff zu kriegen, gesünder essen etc.)

    Nebenwirkungen kann man evtl.durch Dosisreduktion wegbekommen,wäre ein Versuch wert, musst halt gucken ob die Wirkung dann noch ausreicht. Die scheint ja bei dir sehr gut zu sein wie d u oben beschreibst. Mit dem Appetitverlust das klingt eigentlich nach Überdosierung, das verflüchtigt sich bei den meisten nach dem Anfang, aber wie gesagt, das müsstest du gemeinsam mit deinem Arzt mal durch Dosisreduktion testen.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.933

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Ohne das ich dir zu nahe treten möchte, aber was hast du von einem Medikament, wenn es bei echtem (!) Bedarf so - Entschuldigung - unzuverlässig bei dir wirkt?


    Interessant finde ich es - ohne jetzt weitere Threads von dir durchstöbert zu haben -, dass dir nicht vorgeschlagen wurde, evtl. mal ein anderes Medikament auszuprobieren. MPH ist ja in 2 Formen für Erwachsene zugelassen (bei einer ist es zwingend erforderlich vorher etwas zu essen) und daneben gibt es noch andere Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.

    Die äusseren Umstände wirken u. U. auch auf die Medikamentation - so z. B. ausreichender und möglichst erholsamer Schlaf, besondere Anstrengungen und auch Stress.

    Gleichzeitig sollte das mit deinen Ängsten abgeklärt werden.

  5. #5
    lunar-x7

    Gast

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Danke schon mal für eure schnellen Antworten.
    Canary schreibt:
    ....Mal eine Frage
    Hast du vielleicht mit Angst oder Panik Störungen zu tun? Mph kann diese verstärken, das starke Angstgefühl lässt mich grade daran denken. Ich habe auch mit Angststörungen zu tun, ...
    Ja, ich habe tatsächlich eine Angst- und Panikstörung, jedoch ohne Suchtproblematik. Ich habe auch die ADHS-Ärzte immer wieder auf die verstärkten Ängste durch MPH hingewiesen. Aber da kam nur Ratlosig zurück, keine wirkliche HIlfe.

    Seit Februar dieses Jahres habe ich zusätzlich die Diagnose Hashimoto bekommen. Ich vermute, dass meine Ängste damit auch irgendwie zusammenhängen. Ich habe bis vor elf Tagen L-Thyroxin genommen (seit Februar) und bemerkt, dass meine Angst/Panik-Problematik sich deutlich verbessert hat. Unter Depressionen habe ich auch die meiste Zeit meines Lebens gelitten. Seit der Hormon-Einahme war ich meine Depressionen los. Auch eine ganz schräge Sache. Mein TSH verschwand immer mehr im Keller und mein Hausarzt drängte mich darauf L-Thyroxin zu senken und, was ich (leider) gemacht habe, es komplett abzusetzen. Die Ängste und Panik sind wieder mit voller Wucht zurück.

    Der Angst/Panik/Depression-Komplex hat seine Entstehung in einer langanhaltenden Traumatisierung von Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter.

    Ich muss auch sagen, ich bin kein wirklich einfach Fall. Viele offene Baustellen. Auch reagiere ich Paradox auf viele Medikamente, was das ganze nicht einfacher macht.

    Mein Hausarzt hat mich zum Endokrinologen überwiesen, weil er den Verdacht hat, dass meine Hypophyse eventuell nicht so funktioniert, wie sie soll. Termin habe ich in sechs Wochen.

    ChaosQueeny schreibt:
    Ohne das ich dir zu nahe treten möchte, aber was hast du von einem Medikament, wenn es bei echtem (!) Bedarf so - Entschuldigung - unzuverlässig bei dir wirkt?

    Interessant finde ich es - ohne jetzt weitere Threads von dir durchstöbert zu haben -, dass dir nicht vorgeschlagen wurde, evtl. mal ein anderes Medikament auszuprobieren. MPH ist ja in 2 Formen für Erwachsene zugelassen (bei einer ist es zwingend erforderlich vorher etwas zu essen) und daneben gibt es noch andere Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.

    Die äusseren Umstände wirken u. U. auch auf die Medikamentation - so z. B. ausreichender und möglichst erholsamer Schlaf, besondere Anstrengungen und auch Stress.

    Gleichzeitig sollte das mit deinen Ängsten abgeklärt werden.
    Ja, da hast du recht. Vielleicht ist es auch nicht das richtige Medikament für mich. Das versuche ich gerade herauszufinden. Welche Formen meinst du gerade? Retardiert/Unretardiert oder Medikinet adult/Ritalin adult?

    Unretardiertes MPH habe ich nur ganz zu Anfang zur Dosisfindung bekommen. Danach ging es schon mit Medikinet adult weiter (20mg Tagesdosis. 30mg waren bereits zuviel). Vor einem halben Jahr habe ich meine Ärztin darum gebeten mir Ritalin adult zu verordnen, da ich hier schon gelesen hatte, da es verträglicher für den Magen sein soll und das Anfluten etwas weicher sei. Ich habe es auch nur über kurze Zeit genommen, da ich wieder mit dem Magen Probleme bekam, zwar nicht so heftig wie bei Medikinet adult aber trotzdem nicht tolerabel. Das Anfluten habe ich tatsächlich als weicher empfunden.

    Strattera wurde mir vorgeschlagen. Bisher hatte ich einfach zu viel Angst davor es zu nehmen. Dazu hatte ich schon vorgehabt ein extra Thema zu eröffnen.

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Ich glaube als Bedarfsmedikation bringt es ja auch nur etwas, wenn die Nebenwirkungen tolerabel sind. Es bringt doch nichts, wenn die Nebenwirkungen die Wirkung überschatten.

    Ich musste Anfang des Jahres auch Medikmente absetzen/umstellen, die eine für mich wirklich gute Wirkung hatten, aber bei bestimmten Nebenwirkungen, die sich auch nicht mit der Zeit geben, ist das dann leider so. Das ist total ärgerlich und schade, aber es bringt ja wirklich nichts eine Baustelle zu verbessern und eine andere neu aufzureißen.

    Manchmal ist das kleinere Übel der Verzicht auf ein Medikament oder eines mit nicht ganz so optimaler Wirkung zu nehmen. Das würde ich zusammen mit deinen Fachärzten besprechen.

  7. #7
    lunar-x7

    Gast

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Ich merke gerade, als ich alle Antworten noch einmal gelesen habe, dass meine Eingangsfrage vielleicht doch nicht so ganz klar war

    creatrice schreibt:
    Ich glaube als Bedarfsmedikation bringt es ja auch nur etwas, wenn die Nebenwirkungen tolerabel sind. Es bringt doch nichts, wenn die Nebenwirkungen die Wirkung überschatten.
    Stimme ich dir zu, wenn ich bei der Bedarfsmedikation zu starke Nebenwirkungen hätte, würde ich auch von der Einnahme absehen.

    Als Dauermedikation kann ich MPH ja leider nicht nehmen, da nehmen dann die Nebenwirkungen immer mehr zu (Magenschmerzen, kompletter Verlust des Hungergefühls und auch die schwankende Wirkung). Aber, als Bedarfsmedikation sieht das bei mir ganz anders aus, 1 bis 3 mal die Woche kann ich es problemlos nehmen, da zickt mein Magen auch nicht und es gibt auch kein Problem mit dem Hunger. Und die Wirkung ist auch ganz gut absehbar.

    Mich interessiert, ob MPH als Bedarfsmedikation nicht am Konzept des Medikaments vorbei geht. Wie sinnvoll es ist MPH so einzunehmen. Wie sind eure Erfahrungen damit. Wie ist euere Meinung dazu. Daher Pro und Contra.
    Geändert von lunar-x7 (10.08.2015 um 19:14 Uhr) Grund: Satz ergänzt

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.933

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Äh, das wird jetzt länger. Sorry!



    Ja, Medikinet und Ritalin jeweils in der adulten Form meinte ich. Die unretadierten sind leider nicht zugelassen und werden daher ggf. und unter gewissen Voraussetzungen zumeist nur an Selbstzahler verschrieben.

    Strattera ist immer so ein Thema, aber es sollte dir nicht mehr Angst machen als MPH. Im Prinzip können die Nebenwirkungen ähnlich wie bei MPH sein, aber man muss ja nicht überall jede Nebenwirkung mitnehmen. Ich war persönlich über die Wahl auch nicht wirklich glücklich, aber momentan stelle ich fest, dass Strattera auch Vorteile hat. So wirkt es halt rund um die Uhr und das Anfluten und Auslaufen (Rebound) fällt einfach weg. Was jedoch nicht der einzige Vorteil ist.


    Die Frage ist, was kann dir noch passieren?

    Okay, es könnte gar nicht wirken, das wäre natürlich schlecht, aber dann gäbe es ggf. noch weitere Alternativen, die aber u. U. in den Selbstzahlerbereich oder in die Einzelfallentscheidung der Kasse gehen. Aber zumindest wäre da noch Hoffnung.

    Dann könntest du Nebenwirkungen haben, das ist natürlich immer möglich, wobei da deutlich die nachlassenden Nebenwirkungen und die bleibenden Nebenwirkungen zu unterscheiden wären. Magenprobleme können dort z. B. mit vorheriger oder gleichzeitiger Essensaufnahme verringert werden. (Ich habe da allerdings weder Magenprobleme noch Übelkeit, wenn ich das mal so berichten darf.) - Was allerdings genau bei dir passiert kannst du nur mit einem Versuch rausfinden, da jeder Jeck bekanntlich anders ist. Allerdings kann ich verstehen, dass dich manche Berichte im Vorfeld ängstigen, ging mir auch so und ich vertrag sie jetzt doch recht gut - also die Kapseln und nicht die Berichte.

    Und letztlich könnten sie auch einfach gut wirken, was natürlich der Idealfall wäre. Da es allerdings ein Spiegelmedi ist, dauert es etwas, bis man das merkt und es ist auch wesentlich schleichender als bei MPH. Aber das ist ja zu verkraften, wenn man bedenkt, wie lange man jetzt dann doch ohne Hilfe war.

    Letztlich kannst du eigentlich nur gewinnen - an Erfahrung und / oder ein wirksames Medikament für dich! Sicherlich kann es sein, dass der Weg dahin nicht ganz so leicht ist, aber es ist halt auch ein Medikament und keine Bonbons, das sollte man sich immer vor Augen halten. Jedes Medikament kann einfach auch Nebenwirkungen haben und man muss schauen, was für einen tragbar ist und was nicht und was dann letztlich vielleicht doch in die Gesundheitsgefährdung geht.

    Solltest du einen Versuch wagen, dann würde ich aus meiner eigenen Erfahrung dazu raten mit einer wirklich kleinen Dosis anzufangen, da du ja offenbar - ebenso wie ich eigentlich - gerne Nebenwirkungen "mitnimmst". Meine Überlegung war zumindest dabei, dass ich mir dann nicht gleich eine höhere Dosis geben muss und mit der kleinsten erst einmal ausprobieren kann, ob und welche Nebenwirkungen auftreten, die sind dann vielleicht nicht ganz so schlimm. Gut, meine Nebenwirkungen kann ich an einer Hand abzählen und ich bin noch immer in der Einstellung, also kannst du daraus schon ersehen, dass es nicht wirklich schlimm ist.



    Ob MPH für dich als Bedarfsmedikamentation in Frage kommt, musst letztlich auch du beantworten können, denn die Frage dazu wäre: Reicht dir das aus und kommst du so damit klar? Also hat das ganze dann wirklich noch einen gut überschaubaren Nutzen für dich? (Stichwort hierbei auch: eigene Wahrnehmung und Fremdwahrnehmung)


    Ob es so genommen werden kann oder nicht, daran scheiden sich die Geister, wenn ich es einmal so vorsichtig formulieren darf. Ein Teil sagt ja, ein Teil sagt nein und ein weiterer Teil sagt, wenn es zusammenhängend für ein paar Tage genommen wird, dann kann man auch immer wieder ein paar Tage Pause machen ... Ein Grund dafür ist vermutlich auch, dass, auch wenn wir alle AD(H)Sler sind und damit irgendwie im gleichen Boot sitzen, jeder für sich sein persönliches AD(H)S doch unterschiedlich empfindet und den Nutzen von MPH unterschiedlich einstuft.


    Das Konzept von MPH ist ja u.a. damit in der Lage zu sein, sich eine Grundlage zu schaffen um dann mit oder vielleicht auch ohne MPH im Leben (besser) zurecht zu kommen. In den meisten Fällen wird das mit einer zusätzlichen Psychotherapie versucht, aber es gibt u. a. auch die Möglichkeit des Coachings oder der Ergo-Therapie.

    Fast immer wird davon ausgegangen, dann man bei Verschreibung von MPH im Anfangsbereich auch eine Psychotherapie benötigt - sei es z. B. um Vergangenes aufzuarbeiten, um neue Strategien zu erlernen oder Begleiterkrankungen in den Griff zu bekommen.

    Daher wären dann wohl die Fragen ausschlaggebend: Bist du therapiewillig und brauchst du eine? Kannst du das ggf. auch ohne MPH leisten oder benötigst du dazu medikamentöse Unterstützung?


    Dazu kommt, dass die medikamentöse Unterstützung einen möglichst auch in die Lage versetzen sollte Sachen nicht nur zu Planen sondern auch bis zum Ende auszuführen. Das ist wohl eins der grössten Handicaps, was u.a. AD(H)S ausmacht (siehe auch exekutive Funktionen). Dies ist ohne Medikamente eher nicht zu erreichen - so zumindest mein Wissensstand und leider auch meine Erfahrung.

    Das wirft also noch die Frage auf, wie sehr bist du da eingeschränkt? Und wie gut ist deine Wahrnehmung dazu und in wie weit ist das überhaupt in deinem Bewusstsein verankert?
    Geändert von ChaosQueeny (10.08.2015 um 22:35 Uhr) Grund: und gegen von ausgetauscht

  9. #9
    lunar-x7

    Gast

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Hallo ChaosQueeny,

    danke für soviel Antwort. Ich bin wirklich beeindruckt was du thematisch alles berücksichtigt hast.

    Dazu kommt, dass die medikamentöse Unterstützung einen möglichst auch in die Lage versetzen sollte Sachen nicht nur zu Planen sondern auch bis zum Ende auszuführen. Das ist wohl eins der grössten Handicaps, was u.a. AD(H)S ausmacht (siehe auch exekutive Funktionen). Dies ist ohne Medikamente eher nicht zu erreichen - so zumindest mein Wissensstand und leider auch meine Erfahrung.

    Das wirft also noch die Frage auf, wie sehr bist du da eingeschränkt? Und wie gut ist deine Wahrnehmung dazu und in wie weit ist das überhaupt in deinem Bewusstsein verankert?

    Ich bin sehr eingeschränkt. Ich sehe das Problem. Seit Jahrzehnten geht in vielen Bereichen meines Lebens nichts mehr voran, nicht wirklich. Mir war nur nicht bewusst, dass das meiste davon Probleme im exekutiven Bereich sind, die ich ohne Medikation, wohl definitiv nicht bewältigen kann. Das ist heftig. (Und weil es auch nie anders war.)

    Da wundert es mich nicht, wenn meine Helfer mit mir überfordert sind und nicht so recht wissen was sie wirklich für mich tun können.

    Seit einer halben Ewigkeit bin ich auf Wohnungssuche. Ich plane, ich weiß was ich will und was ich nicht will - ich bin aber nicht in der Lage die nächsten Schritte zu tun. Mich beschleicht schon die Angst, ich werde für mein restliches Leben hier in dieser (viel zu lauten) Wohnung vor mich hinrotten. Sicher ist der Wohnungsmarkt gerade problematisch, besonders wenn man nicht viel Geld zur Verfügung hat.

    Ich bekomme auch Hilfe von einer Sozialpädagogin. Die mich gerne zu Besichtigungen begleiten möchte, die mir beim Umzug hilft, wenn es soweit ist. Wenn es soweit ist? Ich habe keine Ahnung, wann es soweit ist, weil es mir nicht möglich ist weiter zu kommen.

    Das Problem der Wohnungssuche habe ich als aktuellstes Beispiel herausgegriffen. Ja und ich vermute, wenn ich so, ohne passende Medikation, weitermache, sitze ich mit Sicherheit irgendwann wieder in einer dicken dunklen depressiven Wolke (sprich: Episode). Und das will ich auf keinen Fall (wenn ich es vermeiden kann).

    In fünf Wochen habe ich meinen nächsten Termin bei meiner Ärztin. Du hast mich neugierig auf Strattera gemacht. Ich werde mit ihr darüber sprechen und es mir verordnen lassen. Auch wenn mich beim Gedanken an Strattera noch ein flaues Gefühl beschleicht. Ich will herausfinden ob es mir hilft. Vielleicht habe ich Glück. Ich muss mal sehen, wie weit mir Ritalin adult als Bedarf noch helfen kann. Aber ausreichen wird es mir bei dieser sporatischen Einnahme wohl eher nicht. Hat es bisher auch nicht. Es war nur eine kleine Krücke. Und weiter geht es so auch nicht (sogar im doppelten Sinne).

    Zumindest freut sich meine Ärztin immer unbändig, wenn sie etwas für mich tun kann. Sie bedauert es, dass sie mich nicht in eine Klinik, zur medikamentösen Einstellung schicken darf. Dazu bin zur Zeit einfach nicht bereit, und dann bringt das auch nichts. Früher bin ich in Kliniken gegegangen obwohl ich nicht wirklich wollte. Rückblickend: katastrophal.

    Ich werde deinen Rat beherzigen, mit einer sehr kleinen Dosis zu beginnen. Ich nehme tatsächlich „gerne“ Nebenwirkungen mit. Bei Beipackzetteln lese ich (meistens) nur noch die Dosierungshinweise und hoffe auf eine gute Wirkung. Später, wenn ich dann aussortiere, was jetzt erwünschte Wirkung (falls vorhanden) und was Nebenwirkung ist, gucke ich doch noch einmal über den Beipackzettel und kann wenigstens noch ein bisschen Nebenwirkungen-Bingo spielen. Ein Hoch auf den Galgenhumor.

    Es ist wirklich hilfreich für mich, dass du für mich beschrieben hast, wie es dir mit deiner Einstellung auf Strattera geht.

    Meine Vergangenheit versuche ich in Etappen aufzuarbeiten (soweit es möglich ist). Und dazwischen habe ich mir die Aufgabe gestellt, einfach nur zu leben. Davor war es die Aufgabe, zu überleben. Es sind kleine Schritte die ich gehe und das ist gut so. Weil ich das heute selbst bestimmen darf. Und so sind es die kleinen Dinge, die mich heute glücklich machen.

    Ich brauche auch immer ganz lange bis ich eine Antwort fertig geschrieben habe. Ich vermute mal, dass ich damit nicht die einzige hier bei den Chaoten bin?

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.933

    AW: MPH als Bedarfsmedikament? Pro und Contra

    Ich versichere dir, du bist nicht die Einzige, die länger braucht für Antworten. Manches braucht seine Zeit und für bestimmte Dinge sollte man sie sich nehmen, wenn man nur irgendwie kann. Das ist nicht schlimm und gehört halt zu dir. Vieles ist einfach ein Prozess und da etwas überstürzen zu wollen ist oft nicht besonders gut. Ich gehe mal davon aus, dass da auch Emotionen und Gedanken mit reinspielen und da manchmal auch erst etwas sortiert werden muss. Übrigens kann auch das schon eine Form von Fortschritt sein, auch wenn das noch nicht sichtbar ist.

    Zu deinem Wohnungsproblem vermute ich mal, dass du jemanden bräuchtest, der mit dir einfach Objekte raussucht, Besichtigungstermine ausmacht und diese mit dir wahrnimmt. Das Umsetzen der Pläne ist oft ein Punkt, wo es stockt und an dem man nicht weiterkommt, auch wenn man sehr wohl weiss, wie es funktioniert, kann man es einfach nicht umsetzen. Das ist ein eher typisches Problem, bei dem man sich oft fragt, warum man so blöd ist und das nicht auf die Reihe bekommt, wo das doch alle um einen herum locker schaffen. Dummerweise ist genau das auch AD(H)S. Man ist also nicht dumm, faul oder sonst was sondern hat dort einfach ein Handicap, was einen immer wieder in solche Situationen kommen und verharren lässt.

    Therapeuten meinen dann gerne dazu, dass der Leidensdruck dann wohl noch nicht hoch genug ist und man deshalb noch nicht handeln könnte. Das bedeutet dann aber oft, dass sie AD(H)S leider nicht verstanden haben. Nach meiner Erfahrung hat der Leidensdruck nicht wirklich einen Einfluss darauf. Eher rutscht man so z. B. in eine Depression oder in einen BurnOut. Hilfreich wäre es, dort eine Hand gereicht zu bekommen, die einen sanft anleitet und unterstützt. Und das möglichst vorwurfsfrei, denn dafür sorgen wir meist selbst schon ausreichend.


    Strattera eigent sich nicht als Bedarfsmedikament, da das Medikament jedes Mal ein- und ausgeschlichen werden müsste. Das schon mal zur Info. Das wäre den Aufwand wirklich nicht wert. Allerdings könntest du, wenn du später meinst dein Leben so weit (besser) im Griff zu haben, einen Auslassversuch mit Rücksprache und Einverständnis des Arztes versuchen und sehen, ob du vielleicht dann auch ohne Medikament auskommst - vorausgesetzt natürlich es wirkt und du hast keine oder nur wenige Nebenwirkungen, die tolerabel sind.

    Meine Nebenwirkungen und Wirkungen, die wirklich erkannt bisher auf Strattera zurückzuführen sind, sind: Anfangs hatte ich eine Zeit ziemlich gleich nach der Einnahme, in der ich mich für eine Weile (vielleicht 3-4 Stunden) nicht konzentrieren konnte, dafür hatte ich die Einnahme auf den Abend verlegt, damit dieser Zeitraum möglichst in den Schlaf fällt. Jetzt habe ich noch Mundtrockenheit und einen schlechten Geschmack im Mund und manche Sachen schmecken jetzt anders. Sollte die Wirkung noch besser werden, sollte das tolerabel sein - auch wenn es (manchmal auch sehr) lästig ist. Inzwischen nehme ich das Medikament wieder am Morgen und von Müdigkeit und Übelkeit spüre ich nichts. Und ... ich esse noch immer recht impulsiv, also auch von einer wirklichen Gewichtsreduktion kann ich (In meinem Fall leider!) nicht reden. - Tatsächlich bin ich jetzt auch augenscheinlicher etwas hibbeliger, was aber gut ist, so paradox es sich anhört, weil ich durch die fehlende Unterdrückung Energie gewonnen habe und ich denke nicht mehr über die Grösse meines Schweinehundes nach und ich habe mich tatsächlich mal gelangweilt, was sonst eigentlich nie vorkommt und mir bewusst eine Beschäftigung gesucht.

    Noch bin ich sehr vorsichtig damit, was es bei mir bewirkt, da das Wetter mit seinen Umschwüngen und auch einige Sachen in meinem Leben sowie andere Medikamente eben auch Einflüsse haben könnten und da muss noch einiges für mich sortiert und katalogisiert werden, was eben auch seine Zeit braucht. Aber wirklich Schlimmes - entgegen anderer Berichte hier - kann ich nicht berichten ... Ich glaube, wenn Strattera wirklich wirkt und keine oder eben wenige, akzeptable Nebenwirkungen hat, dann ist es durchaus ein Medikament, was deutlich besser ist als sein Ruf. Vermutlich ist es etwas im Hintertreffen, weil einfach normalerweise öfter MPH verschrieben wird. Aber Nebenwirkungen sind eben überall möglich und frag nicht, was bei mir abgeht, wenn ich ein bestimmtes Schmerzmittel nehme.


    Das du nicht unbedingt in eine Klinik möchtest, kann ich gut nachvollziehen. Ich bin da auch nicht der Typ für. Manchmal ist es eben unumgänglich und man muss es tun, aber wenn ambulante Möglichkeiten offen stehen, dann ist es - zumindest für mich - immer die erste Wahl.

    Und ich glaube, du hast etwas - so meine ich jedenfalls - Wichtiges erkannt: Das Glück liegt tatsächlich zumeist in den kleinen Dingen des Lebens und ist nur ganz selten das ganz grosse überschäumende Glück. Wenn dazwischen dann noch möglichst viel Zufriedenheit liegt, dann ist man m. E. auf einem guten Weg.

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