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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 214

    Wirkung von Medikamenten auf den Neurotransmitterstoffwechsel

    Die Wirkung von Medikamenten auf den Neurotransmitterstoffwechsel:

    Hallo meine Freunde!

    Was mich mal interessieren würde ist die Wirkung von coffein, Nikotin, Tilidin und Lyrica in Verbindung auf den Neurotransmitterstoffwechsel bzw. das Bewusstsein und die Psyche eines Menschen.

    Mir ist natürlich auch gewiss das die Wirkung Dosis, Stoffwechsel abhängig ist und aufgrund der unterschiedlichen Hormonproduktion bei jeden Menschen unterschiedlich sein kann.

    Da ich leider nich sehr viel geschlafen wäre ich ebenfalls für Verbesserungsvorschläge in Form der Interpretation meiner Fragestellung dankbar.

    Gibt es hier irgendjemanden der sich vielleicht ein wenig näher mit dem Thema Neurologie, ..., innere Medicine, ... auskennt bzw. Jmd. Der eine ähnliche Kombination der o.g. Medis/Wirkstoffe nimmt?

    Mfg
    BoxwoT

  2. #2
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.858

    AW: Wirkung von Medikamenten auf den Neurotransmitterstoffwechsel

    Nikotin zählt zu den dopaminergen Substanzen. Nikotin meines Wissens auch.

    Im Gehirn bindet Nikotin an die sogenannten Acetylcholin-Rezeptoren, das sind für bestimmte biochemische Signalprozesse spezialisierte Zellen. Es regt beispielsweise eine Steigerung der Dopamin-Produktion an, was mit einem unmittelbaren Wohlgefühl bzw. dem Gefühl von Beruhigung einher geht. Neben der Anregung dieses Prozesses im sogenannten "Belohnungszentrum" des Gehirns wirkt das Nikotin außerdem anregend auf Hirnareale, die für Wachheit und die Steigerung der Aufmerksamkeitsleistung zuständig sind.
    Quelle: https://www.dkfz.de/de/rauchertelefo...n_Wirkung.html

    Die anderen Substanzen kenne ich nicht.

  3. #3
    Nyx


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 231

    AW: Wirkung von Medikamenten auf den Neurotransmitterstoffwechsel

    Du musst das aufteilen. Wonach du fragst ist, welche Signalkaskaden durch die jeweiligen Substanzen ausgelöst werden.

    Coffein ist ein Stimulanz. Der Wirkmechanismus wird ganz gut auf Wikipedia beschrieben:

    Die Wirkung des Coffeins begründet sich auf zellulärer Ebene wie folgt: Im Wachzustand tauschen NervenzellenBotenstoffe aus und verbrauchen Energie. Dabei entsteht Adenosin als Nebenprodukt. Eine der Aufgaben des Adenosins besteht darin, das Gehirn vor „Überanstrengung“ zu schützen. Es setzt sich an bestimmte Rezeptoren auf den Nervenbahnen (die Adenosinrezeptoren vom Subtyp A2a). Ist Adenosin gebunden, ist das ein Signal für die Zelle, etwas weniger zu arbeiten. So entsteht ein negativer Rückkopplungseffekt: je aktiver die Nervenzellen, desto mehr Adenosin wird gebildet und desto mehr Rezeptoren werden besetzt. Die Nervenzellen arbeiten langsamer. Das Coffein ist dem Adenosin in seiner chemischen Struktur ähnlich und besetzt dieselben Rezeptoren, aktiviert sie jedoch nicht (inverse Agonisten). Adenosin kann nicht mehr andocken, und die Nervenbahnen bekommen kein Signal – deshalb arbeiten sie auch bei steigender Adenosinkonzentration weiter. Die Adenosinrezeptoren werden kompetitiv durch Koffein gehemmt.

    In höheren Dosen verhindert Coffein den enzymatischen Abbau von cAMP (cyclischem Adenosin-3’,5’-monophosphat). Dieses spielt im menschlichen Organismus als second Messenger eine wichtige Rolle in der Regulation zellulärer Vorgänge. Coffein hemmt jene Enzyme, spezifische Phosphodiesterasen, die für den Abbau von cyclischem zu acyclischem AMP verantwortlich sind. So kommt es durch den gehemmten Abbau zu einem Anstieg der cAMP-Konzentration in den Zellen.
    Um das nun aber wirklich zu verstehen und die Informationen in Kontext zu setzen, müsstest du anfangen dich mit Biochemie zu beschäftigen. Geignet sind alle Lehrbücher, wie sie fürs Studium der Medizin, Biologie, Biochemie, Molekularbiologie verwendet werden. In Deutschland sehr beliebt sind Löffler/Petrides Biochemie und Stryer Biochemie.

    Tilidin ist ein Opioid und wirkt als Agonist an Opioid-Rezeptoren der mu-Klasse. Die Opioid-Rezeptoren sind G-Protein gekoppelte Rezeptoren, die über eine Aktivierung der Adenylatzyklase cAMP/cGMP als 2nd Messenger produzieren und eine komplexe Signalkaskade in den Zellen anstoßen.

    Siehe hierzu: Adenylatzyklase - DocCheck Flexikon und G-Protein-gekoppelter Rezeptor - Wikipedia und Lehrbücher der Biochemie

    Nikotin wirkt als Agonist an den nicotinergischen Acetylcholinrezeptoren. Acethylcholin ist ein zentraler Neurotransmitter in Menschen und Tieren. Er vermittelt z.b. die Kommunikation zwischen Muskel und Nerv an der neuromuskulären Endplatte. Die Acethylcholinrezeptoren sind auch wieder eine eigene Klasse von Rezeptoren, Neben den nicotinergen gibt es auch noch die muskarignergen Acethylcholinrezeptoren. Diese sind auch wieder G-Protein gekoppelt, die nicotinergen dagegen sind ionotrop, d.h. die Aktivierung des Rezeptors durch einen Agonisten führt direkt zur dessen öffnung und zu einer Veränderung des Membranspotentials, durch das ggf. ein Aktionspotential ausgelöst wird.

    Siehe: Nikotinischer Acetylcholinrezeptor - Wikipedia Signaltransduktion - Wikipedia und Aktionspotential - Wikipedia

    Lyrica, Wirkstoff Pregabalin ist ein Antiepileptikum. Pregabalin ist ein Derivat der γ-Aminobuttersäure (GABA), bindet aber selbst nicht am GABA-Rezeptor. GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem. Ein Ungleichgewicht in diesem System führt z.B. zu epileptischen Anfällen oder Angst- und Panikattacken. Benzodiazepine (z.B. Valium/Diazepam). Lyrica wirkt aber wie schon geschrieben nicht am GABA-Rezeptor sondern:

    Pregabalin bindet im zentralen Nervensystem (ZNS) an eine Untereinheit von spannungsabhängigen Calcium-Kanälen vom P/Q Typ, das bedeutet in den „Purkinje-Zellen" des Cerebellum und als R-Typ „r“emaining VGCCs vorkommende spannungsgesteuerte Calciumkanälen (Abkürzung VGCCs für voltage-gated Ca2+ channels). Das Einströmen von Calcium in die Nervenendigung wird gedrosselt, so dass eine gesteigerte Freisetzung der Neurotransmitter Glutaminsäure, Noradrenalin und Substanz P normalisiert wird. Dieser Wirkansatz verbindet die so unterschiedlichen Anwendungsgebiete, neuropathischen Schmerz, generalisierte Angststörung und Epilepsie.


    Ergänzend zu den empfohlenen Lehrbüchern der Biochemie schaust du im Kapitel zur Signaltransduktion im Buch Physiologie / Stefan Silbernagel

    Die Wirkungen auf die Psyche und das Bewusstsein ergeben sich aus den erwähnten biochemischen und physiologischen Prozesse, die durch diese Wirkstoffe angestoßen werden. Die Menschen sind aber untereinander sehr unterschiedlich. Wie ein bestimmter Stoff in einer bestimmten Dosierung wirkt hängt auch immer ganz konkrekt vom jeweiligen, in der Situation konkret bestehendem Bewusstseinszustand und der Fähigkeit des Organismus, den Wirkstoff aufzunehmen und zu metabolisieren. Die konkrete Wirkung eines Wirkstoffes auf das Bewusstsein und den Körper beschreibt die Pharmakodynamik (was macht der Wirkstoff mit dem Körper) und die Pharmakokinetik die Wirkung des Körpers auf den Wirkstoff (Biotransformation), siehe hier zu Lehrbücher der Pharmakologie.

    Natürlich kann man jetzt noch formulieren, wie eine wie auch immer definierte Gruppe von Menschen mit wahrscheinlich auf einen bestimmten Wirkstoff reagiert. In der Realität ist das aber schwer zu prognostizieren. So kann die Wirkung von Tilidin als euhprosierend und belbend erlebt andere, genau so kann es in der selben Dosierung bei einem anderen Menschen Dysphorie und Sedierung auslösen aber beiden gleichzeitig auch Übelkeit.

    Es gibt von jedem der dir genannten Substanzen mehr als genug Beschreibungen, wie deren Wirkung konkret erlebt und erfahren wird. Ich wollte dir vor allem aufzeigen, womit man sich beschäftigen müsste um die Grundlagen des ganzen zu verstehen. Wenn es dich wirklich nachhaltig interessiert und du es ganz genau wissen möchtest, dann studierst du entweder Medizin oder Pharmazie.

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