Ich gehöre auch zu denen, die in den Einzeldosen vergleichsweise hoch dosiert sind. Allerdings macht sich bei mir eine Überdosierung nicht mit Euphorie oder guter Laune bemerkbar, sondern dadurch, dass ich dann ziemlich bematscht bin und alles sehr gedämpft wahrnehme, quasi wie Watte im Kopf. Ein Beispiel: Vor dem Einkaufen bin ich der Auffassung, ich hab noch nichts genommen, nehme meine Tablette (damals noch unretardiert), brauche Müllbeutel und Kaffee, gehe mit einer Freundin zu dm, stehe vor dem Müllbeutelregal, während sie ihre Einkäufe erledigt, nach ca. 10 Minuten holt sie mich da ab und ich habe noch nicht mal ein Paket Müllbeutel im Einkaufskorb...da hatte ich versehentlich während die erste Dosis noch wirkte, eine zweite Dosis dazugenommen.

Ich muss dazu aber sagen, ich merke grundsätzlich nicht selbst, ob ich mein Medikament genommen habe oder nicht, ich bin da - auch bei der Arbeit - auf Rückmeldung angewiesen, wenn meinem Umfeld etwas anders als normal vorkommt. Mittlerweile - 4 Jahre nach der Diagnose - merke ich immerhin, dass mich Arbeit ohne Medikation deutlich mehr schlaucht als mit Medikation. Und ich merke mittlerweile, wenn ich dann nichts mehr hinbekomme und will nicht auf biegen und brechen irgendwas zu Ende machen, was dann sowieso nichts mehr wird...

Was ich aber eigentlich schreiben wollte: bei Ritalin adult habe ich eine sehr gleichmäßige Wirkung. Eine zweite Freisetzung oder Unter-oder Überdosierung bemerke ich nicht. Das war bei Medikinet adult deutlich anders. Meine Ärztin hat dann ausprobiert, ob es funktioniert, wenn ich mittags zwischen den Freisetzungsphasen noch eine geringe Dosis unretardiertes MPH nehme. Das hat funktioniert, aber damit war der Vorteil des retardierten Medikaments, nämlich weniger Einnahmen über den Tag, nicht vorhanden. Aus diesem Grund (und auch weil ich auf einen Hilfsstoff reagiere) haben wir uns damals gegen Medikinet adult entschieden und sind bei dem unretardierten MPH geblieben.

Als dann Medikinet adult auf den Markt kam, habe ich das ausprobiert. Auf die Hilfsstoffe reagiere ich nicht. Ich habe auch weiterhin ein "Mittagstief". Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Wirkverlust, sondern um die ganz normale mittagliche "Pausenreife", die ich vorher nie gespürt habe. Ich bin der Auffassung, wenn ich nach 4h Arbeit ohne Pause (ich bin Nichtraucher) Erschöpfung und Hunger spüre, dann zeigt, dass das sich meine Selbstwahrnehmung unter der Medikation gebessert hat. Ohne Medikation habe ich nicht gemerkt, wenn ich eine Pause brauchte bzw. ich habe erst dann gemerkt, wenn sich schon Symptome wie Kopfschmerzen gezeigt haben. Das habe ich seit dem ich Ritalin adult habe, nicht mehr gehabt. Ich denke jetzt auch daran, dass ich zwischendurch mal was trinken muss. All diese DInge schiebe ich einer verbesserten Selbstwahrnehmung unter der Medikation zu.