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  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    meine persönlichen Erfahrungen mit Medikinet

    Hallo,

    ich wollte hier einfach mal meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Medikinet schildern. Vielleicht ist das ja für den einen oder anderen interessant hier.

    Ich habe vor 4 Monaten mit 10mg Medikinet adult angefangen und bin nun bei 30mg angekommen. Ich nehme das Medikinet nur einmal am Tag, direkt nach dem Mittagessen. Warum das? Ich gehe eher spät zur Arbeit, esse dort beim Mails checken erst mein Frühstück, dann bleiben oft gerade mal 2..2,5 Stunden bis zum Mittagessen. Ich habe daher von Anfang an die Einnahme zum Frühstück weg gelassen und nehme nun die 30mg ca 12..13 Uhr. Vormittags komme ich ohne Medis aber dafür mit Kaffe und allgemeiner morgendlicher Fitheit gut durch und kann hinreichend gut konzentriert arbeiten.

    Eine Wirkung wie "Vorhang weg" oder dergleichen glaubte ich anfangs zu verspüren, doch das ist sehr schnell weg gegangen. Jetzt bemerke ich die Wirkung nur noch indirekt: ich kann besser konzentrieren, meist so 30..40 Minuten nach Einnahme. Das Abklingen der Wirkung ist bei mir extrem schleichend, ich kann selbst gar nicht genau sagen wann die Wirkung konkret nachlässt.

    Bei meiner Arbeit bemerke ich die Wirkung vor allem an zwei Dingen: bessere Konzentrations- und besser Organisationsfähigkeit. In meinem Job als Ingenieur brauche ich beides unbedingt um meine Arbeit tun zu können. Seit ich Medikinet nehme sind meine "mal im Internet rum klicken"-Zeiten deutlich weniger geworden, vor allem aber kann ich meine Arbeit viel besser planen, den Überblick behalten. Das ist für mich eine ziemlich große Erleichterung, denn eigentlich mache ich meinen Job sehr gerne, und es ist ein gutes Gefühl wenn ich nun einfach effektiver bin. Mit effektiver meine ich dabei nicht etwas super-leistungsfähig sondern einfach "normal"..

    Was mir mit Medikinet deutlich häufiger passiert als früher: ein Flow-Erlebnis beim Arbeiten. Ich fummle mich in eine bestimmte abgegrenzte Aufgabe hinein und kann völlig darin versinken. Oft muss ich mich am späten Abend regelrecht von der Arbeit losreißen. Ohne Medis ist mir das schon häufiger mal passiert, mit Medis aber nun sehr viel häufiger. So häufig dass ich da ein wenig auf mich aufpassen muss um rechtzeitig Feierabend zu machen und es nicht bis zu Erschöpfung zu übertreiben..


    Neben diesen Wirkungen hatte und habe ich aber auch einige Nebenwirkungen - die ich aber mit etwas Forschungsarbeit und Beochbachtung mittlerweile ganz gut im Griff habe:

    Kaffee:
    Ich hab ziemlich schnell herausgefunden: Medikinet und Kaffee zusammen geht nicht. Ich werde dann immer flattrig, innerlich unruhig, mein Herz fängt an zu rasen. Also lass ich den Kaffee am Nachmittag weg. Wenn ich doch Lust drauf habe dann trinke ich entkoffeeiniert - schmeckt nicht ganz so gut aber dafür keine Nebenwirkungen.

    Trinken (Flüssigkeit):
    Zunächst: Ich bin nicht so der große Trinker, vergesse oft zu trinken und komme so manchen Tag auf gerade eben einen halben Liter. Wenn ich zu wenig trinke und Medikinet nehme dann stellt sich quasi mit Ansage Nebenwirkungen ein: Kopfschmerzen und Herzrasen. Kopfschmerzen von zu wenig trinken kennt wohl jeder, ich hatte das früher auch, aber nur wenn ich extrem wenig getrunken habe. Mit Medikinet ist das deutlich empfindlicher geworden. Also versuche ich nun jeden Tag an Trinken zu denken. Wenn ich ausreichend (vermutlich einfach "normal") trinke dann gibt's auch keine Nebenwirkungen.

    Alkohol:
    Ich trinke eher selten Alkohol, obwohl ich Bier oder auch leckeren Single Malt durchaus sehr mag. Fange ich aber zu früh am Abend damit an wenn das Medikinet noch nicht wirkt dann fangen auch hier innere Unruhe bis zu Herzrasen, Kopfschmerzen und vor allem Schlaflosigkeit an. Ich trinke nun noch weniger Alkohol und versuche nicht vor 21:00 einen Drink zu gönnen. Damit bin ich bisher ganz gut gefahren.

    Essen:
    Ich konnte schon immer trotz schlanker Linie sehr viel Essen. Grundsätzlich ist mein Appetit mit Medikinet gleich geblieben. Aber Nachmittags bekomme ich nun so 16..18 Uhr immer einen regelrechten Hungeranfall. Gehe ich dem nicht nach dann gehen meine Kraft und Konzentration schnell in den Keller. Daher nehme ich mir jetzt immer einen Nachmittags-Snack mit auf Arbeit bzw. versuche früh (spätestens 18 Uhr) Abendbrot zu essen. Dann merke ich das Nachlassen der Wirkung vom Medikinet kaum.

    Wenn ich all das beachte was ich gerade geschrieben habe bin ich mehr oder weniger Nebenwirkungs-Frei.


    Ging es Euch ähnlich als ihr angefangen habt Medikint zu nehmen?

    Lg.

  2. #2
    Nyx


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 231

    AW: meine persönlichen Erfahrungen mit Medikinet

    Hört sich doch toll an!


    Gerade dieser Flow-Erlebnisse bei der Arbeit sind doch super. Ich glaube normale Menschen, denen fällt es viel leichter auch für Dinge, die sie nicht so interessieren die Konzentration aufzubringen, dass sie in einem Flow auch unangenehme Arbeiten zügig erledigen und abarbeiten können.

    Wir dagegen, wir schieben diese unangenehme Arbeit erstmal auf und suchen nach etwas, wodurch wir schnellst möglich eine Belohnung bekommen. Die reicht dann aber natürlich nicht und wir schieben weiter auf und weiter auf. Hier greifen im Optimalfall dann die Stimulanzien ein. Wir sind durch deren Wirkung, wenn sie ideal wirken, schon so grundbelohnt, dass es uns viel einfacher fällt, sich auch unangenehmen, langweiligen Aufgaben zu stellen.

    Durch die Wirkung können wir dann Außenreize und Faktoren, die uns emotional ablenken würden (Stress mit der Freundin, wichtige unerledigte Aufgaben zu Hause, etc.) besser ausblenden und uns auf die eigentliche Arbeit konzentrieren. Das Resultat sind die von dir beschriebenen Flow-Erlebnisse.

    Die Medikamentenwirkung ist aber immer nur ein Faktor. Es gibt unzählige weitere Faktoren die unsere Motivation und Konzentrationsfähigkeit beeinflussen. Bei mir z.B. hat regelmäßiger Sport eine bombastische Wirkung auf meinen Antrieb und meine Motivation. Ich habe dann einfach so viel Energie, dass ich dann kein Problem habe, auch mega ätzende Aufgaben wie Wäsche waschen, Putzen, aufräumen, sortieren etc. schnell erledigen kann. Zwar neige ich dann dazu flippig und hyperaktiv zu sein aber ich bin ja alleine und bekomme ordentlich was geschafft.

    Und es gibt ja auch viele gesunde Menschen, die auch nicht immer die bomben Konzentration haben und ihren Launen und Stimmungen unterliegen. Nur eine kleine Gruppe von Menschen, die Bürohengste und Arbeitstiere, scheinen ganz unabhängig von der Drehung der Erde immer bomben konzentriert zu sein. Man sollte nicht die Erwartung haben durch Stimulanzien zu einem Top-Manager zu werden. Dazu gehört so viel mehr. So einfach ist es wohl eben nicht, im Vorstand eines multinationalen börsennortierten Konzern zu arbeiten.

    Relativ zügig durchs Studium zu kommen ist doch auch schon eine ganz ordentliche Leistung.

    Dieses rumgeklicke im Internet, das ist das schlimmste bei mir. Würde es das Internet nicht geben, ich glaube mir würde es besser gehen. Spiegel Online, Die Zeit, FAZ, das kostet mich so viel Zeit und ich stopfe endlos mein Hirn mit Müll zu, den ich mir sowieso nicht merken kann. Am Ende bleibt für das, was ich eigentlich lernen soll kaum noch Zeit und Energie übrig. Ich würde sagen, dass ich regelrecht abhängig von Nachrichtenseiten bin. Und da helfen keine Stimulanzien.

    Mit dem Rauchen von Zigaretten aufzuhören, das war ein Kinderspiel dagegen.

    Danke für den eindrücklichen Bericht.

  3. #3
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: meine persönlichen Erfahrungen mit Medikinet

    Hallo,


    nach einer kleinen weile ein Update.


    Ich dachte dass ich mit 30mg Medikinet adult gut eingestellt bin, aber letzten Endes war dem nicht so. Ich hatte immer mehr das Gefühl auf einem schmalen nebenwirkungsrmen Grat unterwegs zu sein. Alles hat rein gespielt: Schlafmenge, Menge und Zeit der Mahlzeiten, Kaffee, Alkohol, und was weiß ich alles. Das "espresso-Gefühl" (innere Aufgedrehtheit, Unruhe, Herzrasen) war oft da und hat mich über die wochen/Monate wich gekocht. Und leider auch oft abendliche Kopfschmerzen nach Wirkstoff-Abflutung. Bis ich beim Arzt-Termin mal gefragt habe ob wir ein anderes Medikament ausprobieren können.


    Ich habe dann mit Ritalin adult 10mg gestartet und bin recht schnell auf 20mg hoch. Um es kurz zu machen: viiiel besser! Deutlich weniger Nebenwirkungen, vor allem das extrem nervige Herzrasen und Kopfschmerzen sind quasi weg. selbst Kaffe geht am nachmittag ganz gut und hat scheinbar kaum eine Wechselwirkung. Die unterschiedliche Wirk-Entfaltung (Medikinet aduld mit langsam anflutend mit langer Plateau-Phase; Ritalin adult mit schneller Anflutung un zwei Wirkspitzen) bemerke ich quasi nicht, fühlt sich ähnlich an. Überhaupt meine ich keinen Unterschied in der wirkung ünerhaupt feststellen zu können.


    Nun ist also mein medikamentöser Weg vorerst auf Ritalin gepolt, bin gespannt wie es weiter geht. Zumindest bin ich erst mal froh dass ich einen besseren Weg finden konnte. Aber ich habe auch gelernt dass ich länge warten und einstellen muss, um wirklich zu merken wie ich mit einem Medikament bzw. der Dosierung klar komme.


    Neulich war ich übrigens auf einem Festival. Fünf tage laute Musik, viele Menschen. Und kein Ritalin oder Medikinet. Es war großartig! Ich konnte mich aber auch jederzeit zurückziehen und war in meiner Tagesplanung völlig frei und ungebunden - keine Anforderungen. Hat mich nachdenklich gemacht. wenn ich mein Leben nur so ändern könnte dass es sich mit meinem ADHS besser verträgt müsste ich nicht mehr mein Leben lang Chemie schlucken..




    Lg an alle Verpeilten

  4. #4
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: meine persönlichen Erfahrungen mit Medikinet

    ADHasi schreibt:
    Neulich war ich übrigens auf einem Festival. Fünf tage laute Musik, viele Menschen. Und kein Ritalin oder Medikinet. Es war großartig! Ich konnte mich aber auch jederzeit zurückziehen und war in meiner Tagesplanung völlig frei und ungebunden - keine Anforderungen. Hat mich nachdenklich gemacht. wenn ich mein Leben nur so ändern könnte dass es sich mit meinem ADHS besser verträgt müsste ich nicht mehr mein Leben lang Chemie schlucken..
    Das ist ja genau das Ding. ADHS hat es vermutlich immer schon gegeben, aber früher fiel es nicht so auf. Das Buch von Walter Beerwerth fand ich dahingehend sehr aufschlussreich und plastisch beschrieben. Heute fallen ADHSler einfach (mehr) aus dem Rahmen, anders als damals. Und die Diagnose kommt dann halt zu spät. Ich denke mal einige Menschen hätten sich vielleicht einen anderen Beruf gewählt, wenn sie von ihrem ADHS schon früher erfahren hätten?

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