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Diskutiere im Thema Kommunikation mit dem Arzt über Medikamente, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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  1. #1
    Nyx


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 231

    Kommunikation mit dem Arzt über Medikamente, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen

    Also ich schreibe hier vor allem über meinen persönlichen Eindruck und um meine Argumente verständlich darstellen zu können, muss ich hier und da ein wenig übertreiben und verallgemeinern oder etwas zuspitzen. Natürlich spielen hier auch meine eigenen Erfahrungen mit Ärzten eine große Rolle und womöglich übertrage ich hier und da unzulässig meine Erfahrungen in einen allgemeinen Kontext. Das darf und sollte man ruhig kritisieren. So kann ich meine eigene Wahrnehmung anpassen und überdenken.

    Ich frage mich oft, ob ihr euch gegenüber euren Ärzten auch so offen und direkt äußert, wie ihr das im Forum tut. Mir erscheint es oft so, dass viele Fragen die hier gestellt werden von einem durchschnittlichen Facharzt für Psychiatrie, der ADHS behandelt und Stimulanzien verordnet, doch zu beantworten wären.

    Da scheint es aber mehrere Probleme zu geben.

    a) Der Arzt hat irgendwie kaum Zeit. Das Wartezimmer ist voll. Ist man dann endlich dran, dann geht es ruck zuck. Der Arzt leitet das Gespräch und irgendwie schafft man es gar nicht einmal auszuholen und seine Fragen zu stellen. Man möchte ja auch nicht den Arzt verärgern und unhöflich sein. Man ist ja schon dankbar zu den glücklichen zu gehören, die nach endloser Wartezeit endlich die Diagnose erhalten haben und ein Stimulanz auf Rezept bekommen. Von irgendwelchen negativen Dingen möchte man ja auch nicht so offen erzählen. Vielleicht stellt er dann ja die Diagnose in Frage oder setzt das Stimulanz wieder ab.

    b) Dosiserhöhungen: man ist mit dem Medikament ganz zufrieden aber nach einigen Monaten spürt man, dass man mehr benötigt, traut sich aber nicht das so ganz direkt anzusprechen. Man ist vielleicht eh schon an der oberen Grenze und fürchtet nun, dass einem der Arzt Missbrauch unterstellt. Hier und da hat man selber schon höher dosiert und früher ein Rezept geholt als es normalerweise nötig gewesen wäre. Im Alltagsstress einer Praxis fällt das ja nicht auf aber man möchte das gerne offiziell klären, ist dann irgendwann in der Sprechstunde aber der Arzt vermittelt gleich den Eindruck, dass er keine Zeit hat und nur das was er sagt richtig ist, nur das was er sagt sein kann und die eigene Erfahrung ein Irrtum ist.

    c) Konsum von Drogen, insbesondere Alkohol und Cannabis: der Befund ist eindeutig: Menschen mit ADHS konsumieren und gebrauchen/missbrauchen viel häufiger Drogen als die Allgemeinbevölkerung. Natürlich wissen das auch die Ärzte aber man selber ist ja die Ausnahme, der vernünftige Patient, der sich brav an die Regeln hält und durch die Therapie ist ja alles so viel besser geworden. Man möchte ja auf keinen Fall riskieren, dass der Arzt nicht weiter verschreibt. Womöglich hat man sogar mehr Probleme als man zugeben möchte. Die ständig depressive Stimmung vertreibt man mit Cannabis aber der Arzt weiß nichts davon. Gerade als ADHSler ist der Schritt zu anderen Drogen nicht weit. Der Arzt könnte helfen aber dazu müsste er davon wissen.

    d) Der Arzt ist super aber Zeit hat er leider keine. Er verschreibt großzügig und ist fachlich Top aber er nimmt sich einfach keine Zeit und wenn dann doch die Gelgenheit da ist, dann traut man sich nicht sein Anliegen vollständig auszusprechen, schafft es nicht, die wahre Dimension des Problems zu vermitteln. Die Kommunikation klappt dann einfach nicht. Man möchte ja auch der erfolgreiche Patient sein und dem Arzt, für den man Sympathie empfinden zeigen, dass man sich entwickelt hat und ein Rückfall würde da jetzt blöd kommen.

    e) Der Arzt ist eigentlich okay aber irgendwie traut man dem Internet, Patienten mit der selben Erkrankung dann doch mehr. Anstatt seine Fragen dem Facharzt, der mindestens 6 1/2 Jahre Medizinstudium und weitere 5 Jahre Facharztausbildung hinter sich hat zu stellen diskutiert man sein Anliegen mit anderen Patienten. Selbst hat man schon längst ein Konzept von dem was man möchte und jetzt geht es nur noch darum den Arzt davon zu überzeugen.

    Ich könnte noch f) und g) und h) auflisten aber letztendlich ist mein Punkt folgender:

    Aufgrund irgendwelcher Umstände ist die Kommunikation Arzt-Patient dysfunktional. Oft mag das vielleicht gar keine Rolle spielen und wahrscheinlich ist der Hauptgrund dafür, dass der Arzt keine Zeit hat. Vor kurzem war ich beim Hautarzt. Nach 40 Sekunden bin ich mit einem Rezept aus der Sprechstunde. Fürchterlich. So was sollte es nicht geben und ich kann mich an viele Termine beim Psychiater erinnern, wo ich nach maximal 5 Minuten aus der Sprechstunde bin. So viel wollte ich abklären, hatte ich im Kopf und dann ist doch nichts geklärt.

    Vor allem: man sieht ja wie voll das Sprechzimmer ist, weiß, dass die anderen Patienten auch behandelt werden müssen und dafür Zeit aufgewendet wird.

    Bei mir war es dann irgendwann so, dass sich so viel aufgestaut hatte und alles so verfahren war, dass ich das mündlich gar nicht mehr ausdrücken konnte. Ich hab es dann aufgeschrieben, 14 Seiten in Schriftgröße 12, bin in die Sprechstunde und hab das dann hingelegt. Das hat dann alles verändert. Ich hab dann endlich die Behandlung bekommen die notwendig war wobei die darauf folgende Medikamentenumstellung und die Diagnose einer schwer ausgeprägten neurologischen Erkrankung mich 4 Jahre durch die Hölle gingen ließen. Aber besser spät als nie.

    Ich bin davon überzeugt, dass eine vertrauensvolle, offene Beziehung zum Arzt, gerade im Bereich Psychiatrie, essentiell für den Erfolg der Therapie ist. Und ich finde es ist auch legitim den Arzt zu kritisieren, wenn er sich zu wenig Zeit, ein Klima besteht, wo man sich nicht traut seine Anliegen wirklich offen auszusprechen. Wenn man nicht sprechen kann, dann kann man sein Anliegen auch aufschreiben. Ich hab dann zwei Jahre nur noch geschrieben. Es war auch eine Form der Therapie und so hat der Arzt endlich erfahren, was mit mir wirklich los ist, konnte hinter meine Fassade schauen. Das musste ich ihm aber auch erlauben.

    Viele Patienten mit psychischen Erkrankungen scheinen unzureichend behandelt zu werden und wenn die Kommunikation besser wäre, würde sich so vieles relativ einfach lösen lassen. Wir müssen uns aber auch trauen unsere Anliegen vorzutragen.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Kommunikation mit dem Arzt über Medikamente, ihre Wirkungen und Nebenwirkung

    Ein gewichtiger Grund könnte auch (wiedermal) die Zeit sein, in Hinblick darauf, das man gerade in Bezug auf Erfahrungen mit Medikamenten den Arzt nicht unbedingt täglich konsultieren kann. Manche Rückfragen kommen aber häppchenweise und fühlen sich unglaublich dringend an.

    Fragen, Diskussionen, Feedback etc. im Forum schliessen eine gute Arzt-Patient-Compliance nicht aus, für mich z.B. ist es einfach eine zusätzliche Möglichkeit des Austausches.

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