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Diskutiere im Thema Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 9

    Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Wunderschönen guten Abend ersteinmal, ich melde mich hier nun wieder nach einer sehr langen Zeit, weil ich (mal wieder) nicht weiter weiß.
    (Vorneweg: Ich lebe nun seit knapp 5 Jahren ohne Medikation.)



    Und zwar beende ich dieses Jahr meine Ausbildung erfolgreich mit einem für mich utopischen Schnitt von 2.0.
    Diese "Leistung" hab ich nun komplett ohne Medis geschafft. (die 2 Jahre davor waren die Hölle)

    Das Ganze brauchte ich jedoch nur unter schier unmenschlichen Anstrengungen, und einem Tagesablauf der an Raubbau grenzt fertig.
    Soll heißen, das mein Tagesablauf eigentlich nur aus Lernen und Arbeiten besteht. Den Tag beginne ich regelmäßig um 03:00, und ende diesen gegen 21:00 um meine 6h Schlaf zu kassieren. Als Ausgleich mache ich (wahrscheinlich zu viel) Sport.
    Mit diesem Lebensstil hab ich jedoch keine Kraft mehr für andere Dinge, Beziehungen und Freundschaften zerbrechen langsam aber sicher, und durch die Verlagerung meines Lebens auf "Nacht und Büro" ist mein Vitamin D-Gehalt jetzt auf unter 5 gesunken gewesen. (wird derzeit behandelt)

    Mir wurde jetzt bereits mehrmals von Ärzten und Theapeuten empfohlen meine Medikation wieder aufzunehmen, jedoch habe ich ehrlich gesagt Angst davor.
    Genauer gesagt vor der Wirkung auf meine Persönlichkeit. Ich schätze meine Impulsivität und Direktheit sehr, weiterhin hab ich mein Verhalten sehr gut unter Kontrolle, und gelte inzwischen sogar eher zum Typus "ruhiger Schüler". Menschen schätzen mich auch für meine Emphatie und meine Sicht für Details.
    Leider geht mir nun jedoch die Energie aus langsam. Die Arbeit "hinter dem Vorhang" um mein Theater am laufen zu halten, erdrückt mich so langsam.

    Da meine Medikationszeit so lange her ist, und meine Erfahrungen in dieser Zeit grauenhaft waren, wollte ich nun einmal eure rationale Meinung hören.
    Sind meine Bedenken wegen der Persönlichkeitsveränderung ungerechtfertigt?

    (Ich habe natürlich bereits zusätzlich einen Termin bei einem (hoffentlich guten) ADHS-Therapeuten angefragt.)


    Viele liebe Grüße
    Artsuhtaraz

  2. #2
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.859

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Warum hast Du moralische Bedenken?

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 68

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Was war bei Dir anders und schlechter mit Medikation?

    Ich bin erst durch die Medikation wirklich ich. Selbst in unangenehmen Situationen kann ich jetzt für mich einstehen und meine Meinung offen und direkt äussern, ohne vorher sämtliche (un-)möglichen Szenarien und Konsequenzen mental durchzuspielen.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.953

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Artsuhtaraz schreibt:
    Ich schätze meine Impulsivität und Direktheit sehr, weiterhin hab ich mein Verhalten sehr gut unter Kontrolle, und gelte inzwischen sogar eher zum Typus "ruhiger Schüler". Menschen schätzen mich auch für meine Emphatie und meine Sicht für Details.
    Leider geht mir nun jedoch die Energie aus langsam. Die Arbeit "hinter dem Vorhang" um mein Theater am laufen zu halten, erdrückt mich so langsam.
    Nur zum besseren Verständnis:
    Du schätzt etwas, was du aber gleichzeitig offenbar ständig "unter Kontrolle halten" musst?
    Wenn du weniger mit der "Arbeit an dir" beschäftigt wärst, was dir die Medis etwas abnehmen könnten ("unter Kontrolle zu halten"), könntest du mit deiner Empathie und der gewonnen Zeit doch mehr erreichen, oder seh ich das jetzt falsch?
    Was arbeitest du "hinter dem Vorhang"? Was nimmt dir davon die Medikamentation ab und was bleibt?
    Was empfandest du als so grauenhaft? Und gab es keine Spur von Erleichterung?

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    ChaosQueeny schreibt:
    Nur zum besseren Verständnis:
    Du schätzt etwas, was du aber gleichzeitig offenbar ständig "unter Kontrolle halten" musst??
    In etwa ... nur kann ich es unter Kontrolle halten, muss das aber nicht. Ich meinte eigentlich damit meine innere Unruhe.

    ChaosQueeny schreibt:
    Nur zum besseren Verständnis:
    Wenn du weniger mit der "Arbeit an dir" beschäftigt wärst, was dir die Medis etwas abnehmen könnten ("unter Kontrolle zu halten"), könntest du mit deiner Empathie und der gewonnen Zeit doch mehr erreichen, oder seh ich das jetzt falsch?
    Ich habe sozusagen Angst davor, das mich die Medis abstumpfen lassen. Jedoch weiß ich nicht, ob das auch wirklich von diesen kam.

    ChaosQueeny schreibt:
    Was arbeitest du "hinter dem Vorhang"? Was nimmt dir davon die Medikamentation ab und was bleibt?
    Mit "hinter dem Vorhang" meine ich meine massiven Lern- und Vorbereitungszeiten und den damit verbundenen Stress.
    Leute sollen nicht merken das ich mich für einen derartig kleinen Erfolg so anstrengen muss.

    ChaosQueeny schreibt:
    Was empfandest du als so grauenhaft? Und gab es keine Spur von Erleichterung?
    Ein Erleichterungsgefühl hatte ich durch Medis bisher nicht auf dem emotionalen Level ... ich kam mir eigentlich eher taub vor. Nur weiß ich jetzt nicht, ob das damals an meinem geistigen/psychischen Zustand lag, oder an der Medikation.
    Als grauenhaft empfunden hab ich selbst eigentlich nichts. Meinem Umfeld war meine "plötzlich so kalte, distanzierte Art" sehr negativ aufgefallen. Auch kam mir oft der Gedankengang "Ohne Medikamente, hätte ich jetzt anders reagiert"

    Ich hoffe das hilft ein wenig mehr, ich schreibe Beiträge oft aus Launen heraus, und die sind Meistens nicht so vollständig-informativ wie ich gerne möchte.

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 231

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    das musst du mit dir ausmachen.

    ich dachte 43 jahre lang "normal" zu sein.
    hielt mich immer weiter zurück, je älter ich geworden bin.
    wurde (ka wie es in der zukunft sein wird) für mein analytisches technisches denken sehr geschätzt.
    allerdings hat es mich letztendlich fertig gemacht.

    im moment weiß ICH nicht, ob ich in zukunft wieder den "überblick" haben möchte.
    zum jetzigen zeitpunkt geniesse ich die ruhe.
    43 jahre haben mir erstmal gereicht.

    thorsten

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.953

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Okay, ich schreibe dir mal was aus meiner Erfahrung ...

    Ich sabbel ja sehr viel und oft auch dazwischen. Im Allgemeinen wird das als (sehr) unhöflich empfunden und da ich mich besser in die Gesellschaft integrieren wollte, wollte ich mir das abtrainieren. (Man hat ja auch immer wieder mit neuen Bekanntschaften zu tun und nicht nur mit Menschen, die man bereits kennt.) Und ich litt darunter, dass mir das mit den neuen Bekanntschaften schwer fiel, eben weil ich so impulsiv war. Also legte ich mir Zettel und Stift bereit und notierte mir Gedankengänge im Gespräch, damit ich sie später zur Hand hatte und nicht gleich das Gespräch entsprechend unterbrechen musste. Dies zuerst am Telefon, denn es sollte ja "nicht so auffallen".

    Die Reaktion der Menschen die mich kannten:
    Geht es dir nicht gut? Du bist so still? Bist du sauer? Hast du was? ...

    Einfach, weil sie mich so nicht kannten und ich damit nicht mehr in ihr Bild, was sie von mir hatten, passte. Neue Bekanntschaften reagierten allerdings eher positiv, wenn ich sie auch mal ausreden liess (also im Gegensatz gesehen zu den Erfahrungen, die ich früher machte). Ich selbst fühlte mich doch zeitweise entspannter, weil ich dem Gegenüber mehr Raum geben konnte, sich selbst auch auszudrücken.

    Letztlich kam mein privates Umfeld damit aber sehr schwer klar und ich gab den Versuch wieder auf. Seitdem kreisen jedoch immer wieder meine Gedanken darum, denn ich verschrecke dadurch durchaus Menschen, die mich nicht so gut kennen.

    Könnte man vielleicht mal drüber nachdenken ... Was erwarte ich von mir und den anderen, was erwarten die anderen von mir, was möchte ich eigentlich erreichen / können, können die Medikamente dazu beitragen oder gibt es noch Alternativen, die ich noch nicht versucht habe?

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Hallo,

    mir geht es ähnlich wie Chaosmum.
    Ich versuche mir das dazwischen quatschen und Distanzlosigkeit abzugewöhnen, weil die meisten Mitmenschen damit nicht so klar kommen.
    Im Gespräch mit einer Person kann ich das gut, außer es ist eine, die selbst ständig dazwischen quatscht, dnn muss ich mir ja iwie Gehör verschaffen
    Ich war die letzten Jahre für meine Verhältnisse ziemlich ruhig, was an den Sedativas , der extremen Reizüberflutung und der Depression lag.

    Durch das MPH bin ich wieder mehr ich selbst.
    Ich quatsch immer noch dazwischen, hab aber auch wieder die Stärke und teilweise Lust, angriffslustig zu sein.
    Sobald die Wirkung nach lässt, verkriech ich mich wieder....

    Wenn ich mich verstelle, mich zum ruhig sein zwinge, bin ich nicht ich selbst.
    Dann reagieren die Menschen auch nicht so positiv auf mich, wie wenn ich lebhaft bin.

    Viele ruhigere Gesellen mögen ja auch das lebhafte. So wie ich die ruhigeren gern mag, weil sie Ruhe ausstrahlen und mich somit beruhigen.

  9. #9
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 60

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Ich kann den anderen Beiträgen hier nur beipflichten in der Beschreibung der Wirkung auf die "Persönlichkeit" - ich empfinde es eher so, dass das ADS auf meine Persönlichkeit wirkt, und die Medis (in meinem Fall MPh) mich davon befreien. Welchen Wirkstoff hattest du denn, und wie alt warst/bist du?

    Ich kann auch deine Beschreibung der Erschöpfung, vom "Energie alle" komplett nachvollziehen... darunter leide ich immer noch, auch nach knapp 1.5 Jahren Medikation ist da immer noch eine tiefe Schicht Müdigkeit unter allem.

    Mal ganz abgesehen von all dem: Wirklich allergrößte Hochachtung vor dem, was du erreicht hast und wie du das durchgestanden hast!

    Gruß, R

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 246

    AW: Wiedereinstieg in Medikation und damit verbundene moralische Bedenken

    Hallo, ich möchte auch mal meinen Senf dazugeben.

    Fakt ist, die Entscheidung kann dir keiner abnehmen, ABER - hier kommt jetzt mein Senf:

    - in den letzten Jahren hat sich im Bereich ADHS bei Erwachsenen viel getan, vor allem sind neue/andere Medikamente zugelassen (die du vielleicht noch nicht kennst)
    -die richtige Dosis, Kombi, Uhrzeit davon zu finden ist manchmal langwierig u schwer, es kann (temporäre) schräge Nebenwirkungen, Veränderungen hervorrufen - kann und meistens wird sich aber WIRKLICH lohnen
    -begleitend solltest du eine Therapie machen, da können Veränderungen u Verbesserungen besprochen u geübt werden
    -deine Beschreibung der letzten Jahre tut mir beim lesen (für dich) weh, denn: ich hab's genauso gemacht, war aber nicht mehr beim Sport, da ich halt viel arbeiten musste um die Rechnungen zu bezahlen- den Preis zahle ich jetzt und er ist HOCH, die komplette Summe ist mir noch nicht bekannt UND ich wundere mich sehr, dass ich überhaupt noch Freunde u Bekannte habe
    -ich bin nachträglich extrem traurig, da ich nun um die Wirkung/Hilfe weiß, dass ich damals keine Medis hatte, es hieß, ich habe das nicht und musste mich deshalb unmenschlich quälen - aber was wäre wenn - Überlegungen sind ja nun müßig
    -Es ist es nicht wert. Du wirst wahrscheinlich nicht mehr viele Prüfungssituationen erleben, aber das Leben ist anstrengend genug. Wenn du Pech hast, dann kommen neue Komorbiditäten dazu oder alte intensivieren sich - das möchtest du nicht. Bei einer leichten/mittleren Sehschwäche muss man nicht zwangsweise eine Brille tragen, man kann sich anstrengen beim glotzen, man kann aber auch einfach eine tragen und ein 'Aaah-Gefühl' haben, denn es ist stressfreier u bestimmte Nuancen sieht man erst jetzt. (Ich spreche da natürlich NICHT aus Erfahrung...)
    -Du könntest dir 1,2 Vertraute suchen, die dir sporadisch ein Feedback geben, was dann eben bei Bedarf in einer Therapie besprochen werden könnte.
    -Du hast wahnsinnig viel geschafft u erreicht, darauf kannst bzw. musst du stolz sein, denn du hast x mal mehr geleistet als andere und das Wissen/Gefühl darum, kann dir niemand mehr nehmen. Dann wäre jetzt doch eine Möglichkeit, mal einen Gang runter zu schalten um dich regenerieren zu können, denn irgendwann rächt es sich. :-( und last but not least
    - aufhören kannst du immer!

    Sorry, jetzt habe ich wieder endlos rumgeschwafelt.

    Berichte mal bitte weiter und toi toi toi!

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