Seit ich kein Elontril mehr nehme, wirkt Mph bei mir prinzipiell erstmalig richtig gut und wie es wohl sein sollte.
Musste allerdings von Unretardiertem auf Concerta umsteigen, da ich nur noch ca 2 Stunden eine gute Wirkung hatte und von einem Rebound in den nächsten gestolpert bin. DAS kannte ich vorher nicht. Stand von einer Sekunde auf die andere in der Hölle! So dass ich mir teilweise die Ohren zuhalten musste, um etwas lesen zu können...

Positiv war, dass mir schlagartig und erstmalig seit der Behandlung wieder in den Sinn kam, wie mein Leben früher war. Ich war erstaunt, wieviele Bereiche betroffen waren. Z.B. Musste ich beim Autofahren oft stark bremsen, weil ich die Notwendigkeit dafür stets viel später realisiert habe. Ich konnte zuhause wieder keine enge Kleidung ertragen und musste direkt Hausfrauenleggings besorgen...^^
Am interessantesten fand ich den Effekt auf meine Temperaturregulation: zusätzlich zur erschöpfungsbedingten Antriebslosigkeit konnte ich kaum was machen, weil ich immer gefroren habe. Da fiel mir erst auf, dass das seit Jahren Weg war... Genauso wie das Bedürfnis nach absoluter Abgeschiedenheit am Ende der Woche, um mich von der Reizüberflutung zu kurieren...

Concerta hat dann super angeschlagen und die ersten paar Tage bis in den Abend gewirkt. Mittlerweile erlebe ich die Wirkung aber als schwankend, erlebe zwischendurch so eine Art Gedankenabreißen ( bitte als Metapher verstehen, weniger als Fachbegriff) und falle bereits gegen 15.00 in einen Rebound der sich gewaschen hat.
Ich nehme 36 mg morgens zwischen 6 und 7.


Ich kann dann für ein bis zwei Stunden NICHTS mehr ertragen- könnte z.b. Weglaufen, wenn sich jemand im Supermarkt zu nah hinter mir anstellt und fühle mich ausgelaugt und schrecklich. Das lässt sich allerdings gut mit unretardiertem Mph anfangen.
ich frage mich nur, ob es okay ist, durch die Medikation wirklich den ganzen Tag abzudecken?! Beeinträchtigt dass langfristig die Wirksamkeit? Sind diese Rebounds nicht auch ungewöhnlich für Concerta? Hängt das evtl. mit der Neueinstellung zusammen?

Ich bin hier natürlich auch in Kontakt mit dem Arzt, denke aber, dass ich auch von persönlichen Erfahrungen profitieren könnte. Prinzipiell habe ich momentan das Gefühl, dass ich insgesamt eine noch höhere Dosis bräuchte, was mich total überrascht, da ich bisher (mit Elontril) immer nur wenig vertragen habe...
Ich war da allerdings nie so klar im Kopf wie jetzt, sondern konnte nie höher dosieren, weil damit die Nebenwirkungen zugenommen haben.

Ich schwanke insgesamt gerade zwischen der freudigen Hoffnung, dass sich ungeahnte Möglichkeiten auftun, wenn sich die positiven Effekte stabilisieren und halten lassen, der Beklemmung darüber, dass ich nun hohe Dosen brauche und vertrage und der Trauer über die Erkenntnis, dass ich wohl tatsächlich an einer Behinderung leide und Medikamente brauche, um so leben zu können, wie ich möchte. Gerade letzteres wirklich zu realisieren ist ein harter Brocken.

LG, Ennie