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Diskutiere im Thema Dauer der Methylphenidat-Einnahme, Auslassversuche im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    Dauer der Methylphenidat-Einnahme, Auslassversuche

    Hallo zusammen,

    ich lese immer wieder etwas über Auslassversuche. Verstehe ich nicht ganz, da in der Regel AD(H)S ja nicht im eigentlichen Sinne heilbar sein soll.
    Bei einigen Kindern mag es sich durch die Gehirnplastizität 'auswachsen' und mit dem Alter mögen sich die Anzahl der DAT-Transporter verringern usw. Vielleicht mag man einige Verhaltensweisen unter Medis automatisiert haben und kommt sozial besser zurecht und hat in der Zeit grundlegend einige Fähigkeiten durch Automatisierung erworben, aber..... wenn ich mein Leben lang lernen möchte/muss und auch gewisse kognitive Fähigkeiten benötige, macht es doch keinen Sinn, es wegzulassen, wenn keiner der oben genannten Fälle aufgetreten ist?

    Viele Grüße
    Maulbeere

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Die Empfehlung ist ja eine multimodale Therapie. Bei manchen scheint dann eine gewisse Lebensumstellung oder bestimmte erlernte Skills auszureichen, um ein für sie qualitativ gutes/akzeptables Leben auch ohne Medikamente zu haben. Sind die Defizite der ADHS/Komorbiditäten zu hoch, oder ist eine Lebensumstellung etc. aus welchen Gründen auch immer nicht ausreichend oder möglich, dann macht es keinen Sinn, das stimmt.

    Ich glaube bei Erwachsenen nehmen es aber auch die Ärzte von Fall zu Fall nicht so streng mit den Auslassversuchen.

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 72

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Maulbeere, ich denke auch, dass das von Fall zu Fall unterschiedlich ist ob und wie das mit dem Auslassen sinnvoll ist. Ich denke allerdings auch, dass man mit dem Auslassen auch gut schauen kann, wie weit man vielleicht gekommen ist mit anderen Skills und Automatisierungen und ob diese dann vielleicht reichen. Ich denke, dass es genügend ADHSler gibt die irgendwann auch ohne Medis Lernen können und ihre kognitiven Fähigkeiten so einsetzen können wie sie es wollen. Das ist natürlich auch Kontext abhängig.

    Von mir selbst kann ich nur berichten, dass ich mir gerade auch noch kein Leben ohne vorstellen kann. Ich bin eh noch in einer Phase wo mir die Medikamente soviel neues erlauben, das ich sie ganz egoistisch nicht hergeben mag, weil es einfach so schön ist. Am schönsten ist für mich dabei, dass sie mir irgendwie erlauben meinen Rucksack mit ganz vielen tollen Sachen zu füllen, die mir Kraft und Wege geben wenn es nicht so gut läuft. So merke ich auch, dass ich auch immer besser mit der Zeit am Abend klarkomme in der die Medikamente nicht mehr wirken.

    Meine Ärztin hat das mit dem auslassen von Anfang an erwähnt, dass man das nach dem Eingewöhnen gerne mal ausprobieren kann, aber auch nicht muss wenn es dann doch nicht geht. Das finde ich eine gute Einstellung.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Hallo Maulbeere,

    die Antwort geht wohl einw enig in die Richtung "ja und nein" ...

    Im Grunde genommen hast Du Recht.
    Aber es ist dennoch ein wenig komplexer.

    Die genannten Auslassversuche in ihrem ursprünglichen Sinne sind Mumpitz.
    Damals dachte man, dass sich das alles wieder normalisiert und man dann die Medikamente weglassen könne, aber das hat sich nicht bewahrheitet.

    Die Annahme als solche war auch durchaus nicht abwegig, bedenkt man, dass das z.B. bei Depressionen ja tatsächlich so ist.
    Wenn sich die "Verdrahtungen" wieder normalisiert haben und durch die Depression abgestorbene Gehirnzellen sich wieder aufgebaut haben (das ist in der Tat so), dann haben die Medikamente ihren Job getan und können ausgeschlichen werden und werden nicht mehr weiter benötigt.
    Da liegt natürlich der Schluss nahe, dass das auch bei ADHS so sein könnte.

    Das hat sich aber nicht bestätigt, so dass man heute von solchen Auslassversuchen mehr und mehr Abstand nimmt, einfach weil sie nichts bringen.

    Dann gibt es ja auch die Auslasszeiten an Wochenenden und in den Ferien.
    Ebenfalls vollkommen unlogisch bei genauerer Betrachtung, denn die Kinder mögen dann zwar nicht mehr das schulerische Umfeld haben und lernen müssen, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht auch in der Freizeit lernen ... Menschen lernen immer, jederzeit.
    Und vor allem findet gerade in der Freizeit das Leben in der sozialen und zwischenmenschlichen Interaktions tatt und es wäre falsch, genau diesen Bereich dann eifnach der ADS zu überlassen und nicht auch hier die Medikation fortzuführen.
    Also geht auch hier die Fachwelt mehr und mehr dazu über, die Medikation durchgehend beizubehalten.

    Aber das alles wäre ja zu einfach und ADS ist alles, aber nix einfach

    Denn es gibt ja zum Einen, wie Du schon geschrieben hast, die Chance, dass sich die ADS tatsächlich auswächst.
    Sooo wenige Einzelfälle sind das auch gar nicht.
    Ich habe die genauen Zahlen nicht im Kopf, aber ich meine, das liegt so zwischen 25 und 35% in denen die ADS nicht bis ins Erwachsenenalter persistiert.

    In dem Zeitrahmen macht es also schon Sinn zu schauen, ob man zu denen gehört, bei denen das der Fall ist.
    Und das geht nur über den Auslassversuch, denn man kann derzeit keinerlei Prognosen stellen, welcher Betroffene keine ADHS mehr im Erwachsenenalter haben wird.

    Dann gibt es noch eine weitere Möglichkeit, die einen Auslassversuch rechtfertigt, bzw. sinnvoll macht:
    Wenn man ein gutes ADS-Management hat und ein Umfeld hat, in dem die ADS- typischen Beeinträchtigungen nicht so ins Gewicht fallen, bzw. sie von anderen Seiten (funktional) kompensiert werden, man also sozusagen seine Nische gefunden hat, dann kann es ebenfalls sehr gut sein, dass man ohne die Medikation gut zurecht kommt.
    Und es spricht nichts dagegen, dass dann auch zu tun, zumindest wüsste ich nichts.

    Sicher sollte man das nicht zu Beginn der Behandlung machen, sondern wenn man schon so etwas wie en "alter Hase" ist, sich mit sich selbst und der ADS und deren Beeinträchtigungen und Eigenschaften gut auskennt und auch in der Lage ist, das entsprechend wahzunehmen und einzuschätzen und auch Rückmeldung von Dritten bekommen kann.

    Dann kann das super funktionieren und warum sollte ich mir Medikamente zuführen, wenn es auch ohne funktioniert?

    Sollten sich die Umfeldvariablen ändern, kann ich jederzeit wieder auf die Medikation zurückgreifen.


    Damit sollte sie aber nicht zu einer Art "Bedarfsmedikation" werden, sondern dann erstmal wieder dauerhaft genommen werden.

    So in der Art schilderte mein Thera mir das mal.
    Er hat einen Bekannten mit ADS, der in der Regel auch gut ohne zurechtkommt.
    Aber er merkt auch, wenn es beginnt, nicht mehr zu funktionieren und dann ist die Medikation eben wieder anzusetzen.

    Es KANN also durchaus Sinn machen, ... wenn auch mit Einschränkungen auf die beschriebenen Fälle und immer mit der nötigen Wachsamkeit.

    Die Auslassversuche, wie man sie früher aber immer gemacht hat, waren und sind eher kontraproduktiv ...
    Auch wenn das Medikament ja keinen Wirkspiegel aufbaut, wie das bei Antidepressiva z.B. der Fall ist, so findet doch immer wieder eine Veränderung statt und ich selber merke das auch.
    Es macht deutlich mehr Sinn, sie durchgehend zu nehmen, statt "ab und zu mal zu versuchen, sie wegzulassen".

    Ich hab das mal in Absprache mit meinem Arzt und Thera (ist beides die gleiche Person) gemacht und ich kann sagen, das war wirklich nicht hilfreich.
    Aber ich wollte es halt wissen und musste das wohl erstmal in eigener Erfahrung erleben, aber er hatte recht, war sinnfei ...
    Das innere und äußere Chaos nahm dabei eher zu als alles andere.

    Was man nicht erwarten sollte ist, und da muss ich Bruchpilotin ein klein wenig widersprechen, ist dass sich Skills oder Automatisierungen unter der Medikation aufbauen ließen, die dann ohne Medikation weiter funktionieren.
    das ist ein Trugschluss.
    Die ADS-typischen Merkmale bleiben bestehen.
    Ich muss da mal wieder Russell Barkley zitieren, welcher das sinngemäß mal so erklärt hat:
    "Stellen sie Sich vor, dass man einem Rollstuhlfahrer in der Lobby der Schule eine Rampe aufbaut, damit er die Treppe hochkommt und zu seinem Klassenzimmer gelangen kann.
    Dann sagen Sie ihm:
    "So, Du kannst jetzt lernen, mit der Rampe die Treppe hochzukommen und nach drei Wochen bauen wir sie dann wieder testweise ab und sehen, ob Du es dann wieder so schaffst"
    ...

    Das ist ganz wichtig zu verstehen.
    Automatisierungen helfen dann schlicht nicht, denn wir reden da von Dingen, die sich gar nicht automatisieren lassen,
    In FMRT's konnte man erkennen, dass sozusagen der vordere Teil des Gehirnes vom hinteren regelrecht "getrennt" ist ... das beduetet, dass der Bereich, in dem das Wissen steckt (hinten) nichts an den Bereich übertragen kann, in dem die Motorik, die Ausführung steckt (vorne) (das sit antürlich jetzt etwas fatalistisch formuliert)

    Wie er auch immer wieder sagt:
    ADS ist keine Störung des Wissens, sondern eine Störung, das Wissen umsetzen zu können."
    Die Betroffenen wissen ja an sich, wie etwas funktioniert oder sein soll, können es aber nicht in die Tat umsetzen.
    Und das lässt sich nicht durch die Medikation herbeiführen und soweit automatisieren, dass es anschließend ohne weiter funktioniert.
    Die Brücke steht nur unter der Medikation, sonst nicht.

    Mit Skills ist das ohnehin so eine Sache ... auch hier kann man wieder Barkley zitieren:
    "Teaching Skills is a waste of time"

    Das hat er in einem Vortrag mal sehr schön und humorvoll anhand von Fallbeispielen von seinen Patienten erklärt, das würde aber den Rahmen hier sprengen...

    Wobei das allerdings auch nur begrenzt gilt und nicht gleich alles betrifft.
    Man muss nur sehen, dass man Skills findet, die auch funktional bei einem ADS'ler wirken, und nicht über kurz oder lang wieder von der Bildfläche verschwinden, weil sie sich in der Praxis nicht durchhalten lassen ...


    Viele Grüße
    Fliegerlein

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Ich vermute, dass man dabei zwischen ADS und ADHS unterscheiden muss. Bei ADS ist es meiner Meinung nach so, dass nur mit Medies die Leitung zwischen Langzeitgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis steht und ich auch dann nur lernen kann. Ohne kann ich ja nichts ins Langzeitgedächtnis befördern und somit auch nicht automatisieren. Bei ADS macht es für mich somit nur Sinn, wenn man sich nicht mehr wirklich weiterbilden möchte. Ich denke ja, dass im Gegensatz zu ADS, bei ADHS das Gedächtnis grundlegend funktioniert und die Lernprobleme an anderen Aspekten liegen.

  6. #6
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 72

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Fliegerlein schreibt:
    Was man nicht erwarten sollte ist, und da muss ich Bruchpilotin ein klein wenig widersprechen, ist dass sich Skills oder Automatisierungen unter der Medikation aufbauen ließen, die dann ohne Medikation weiter funktionieren.
    das ist ein Trugschluss.
    Die ADS-typischen Merkmale bleiben bestehen.
    Ich muss da mal wieder Russell Barkley zitieren, welcher das sinngemäß mal so erklärt hat:
    "Stellen sie Sich vor, dass man einem Rollstuhlfahrer in der Lobby der Schule eine Rampe aufbaut, damit er die Treppe hochkommt und zu seinem Klassenzimmer gelangen kann.
    Dann sagen Sie ihm:
    "So, Du kannst jetzt lernen, mit der Rampe die Treppe hochzukommen und nach drei Wochen bauen wir sie dann wieder testweise ab und sehen, ob Du es dann wieder so schaffst"
    ...

    Das ist ganz wichtig zu verstehen.
    Automatisierungen helfen dann schlicht nicht, denn wir reden da von Dingen, die sich gar nicht automatisieren lassen,
    In FMRT's konnte man erkennen, dass sozusagen der vordere Teil des Gehirnes vom hinteren regelrecht "getrennt" ist ... das beduetet, dass der Bereich, in dem das Wissen steckt (hinten) nichts an den Bereich übertragen kann, in dem die Motorik, die Ausführung steckt (vorne) (das sit antürlich jetzt etwas fatalistisch formuliert)

    Wie er auch immer wieder sagt:
    ADS ist keine Störung des Wissens, sondern eine Störung, das Wissen umsetzen zu können."
    Die Betroffenen wissen ja an sich, wie etwas funktioniert oder sein soll, können es aber nicht in die Tat umsetzen.
    Und das lässt sich nicht durch die Medikation herbeiführen und soweit automatisieren, dass es anschließend ohne weiter funktioniert.
    Die Brücke steht nur unter der Medikation, sonst nicht.

    Mit Skills ist das ohnehin so eine Sache ... auch hier kann man wieder Barkley zitieren:
    "Teaching Skills is a waste of time"

    Das hat er in einem Vortrag mal sehr schön und humorvoll anhand von Fallbeispielen von seinen Patienten erklärt, das würde aber den Rahmen hier sprengen...

    Wobei das allerdings auch nur begrenzt gilt und nicht gleich alles betrifft.
    Man muss nur sehen, dass man Skills findet, die auch funktional bei einem ADS'ler wirken, und nicht über kurz oder lang wieder von der Bildfläche verschwinden, weil sie sich in der Praxis nicht durchhalten lassen ...
    Hi Fliegerlein,

    da darfst du mir gerne widersprechen . Find ich gut! Denn ich sehe beim zweiten Blick, dass es wahrscheinlich eine Definitionsfrage ist, was man unter "Automatisierungen" und "Skills" versteht. Ich sehe die Punkte die Dr. Barkley macht und auch den Verweis zu den Studien was die Bedeutung von gestörter Frontal Lobe Funktion und Kommunikation angeht.

    Allerdings ist das schöne an Automatisierungen (wie gesagt, Definitionssache), dass sie z.T. ohne Frontal Lobe Steuerung auskommen. Desweiteren, weiß ich nicht was ich von seiner Rollstuhl Metapher (so eindrucksvoll sie auch ist) halten soll, denn: es ist ja nicht so, dass absolute keine Kommunikation im Hirn stattfindet bei ADHSlern, das was da oben abgeht ist zu kompliziert für so einen Vergleich, denn bei Gelähmten kommt in den Beinen gar nichts an. Außerdem sind wir mehr als unsere Frontal Lobes, z.B. sollte man nicht die Arbeit die Sub-kortikal passiert vergessen. Ich bin gespannt, was wir in den nächsten Jahrzehnten noch alles herausfinden was unser Gehirn betrifft.

    Zu sagen, dass Skills beizubringen eine Zeitverschwendung ist halte ich für sehr gefährlich! Wieder ist die Frage was man als Skill versteht und wie man ihn beibringt. Wie du schon sagst, es ist wichtig zu schauen, dass der Skill funktional beim ADHSler gut ansetzt und erhalten bleibt. Und Skill ist da definitiv nicht Skill. Da könnte man sonstwelche Abhandlungen drüber schreiben.

    Ich respektiere Dr. Barley sowie andere ADHS Spezialisten, die auf jeden Fall mehr Ahnung haben wie ich. Andererseits weiß ich wie schwierig das Fach ist, wie viele Lücken es gibt und wie viele Punkte wir heutzutage nur Philosophisch ergründen können bzw. immer noch kritisch beäugen sollten, dazu gehört z.B. auch medizinische Bildgebung und das Verbinden von Aktivität mit Funktion.

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Maulbeere schreibt:
    Ich vermute, dass man dabei zwischen ADS und ADHS unterscheiden muss.
    Nein, muss man nicht und sollte/ darf man auch nicht.
    Das sind beides die gleichen Störungen unterschiedlicher Ausprägung.
    Das ließe sich auch noch vertiefter erklären, aber das würde den Rahmen hier sprengen.
    Auch dazu gibt es wunderbare FMRT- Studien, die sehr schön zeigen, wie das alles zusammenhängt und wie z.B. bei hyperaktiven Kindern eben in der Kindheit die doppelte Arschkarte vorliegt, weil aufgrund der Entwicklungsverzögerung der exekutiven Funktionen sich der Bereich der Selbstkontrolle verzögert entwickelt, während aber im Bereich des motorischen Zentrums das gneue Gegenteil passiert ... dieser Bereich entwickelt sich zu schnell und das gepaart mit einer aktuell geringer ausgeprägten Selbstkontrolle ergibt einen hyperaktiven Betroffenen.

    Im Laufe der Entwicklung kommt es dann mehr und mehr zu einem "Ausgleich".
    Das motorische Zentrum entwickelt sich zunehmend langsamer und der Bereich der Selbstkontrolle holt langsam auf.

    Unter Anderem das hat mit zu dem Irrglauben geführt, dass sich die ADS mit dem Alter auswächst.
    Tatsächlich aber ist das nicht der Fall, denn was dann bleibt, ist die "innere Getriebenheit", die jeder, auch der hypoaktive ADS'ler kennt.
    Das bedeutet im Endeffekt, dass die Selbstkontrollfunktion sich soweit entwickelt hat, dass sie die Befehle des motorischen Zentrums unter Kontrolle halten kann, was aber einen immensen inneren Kampf und Energieaufwand bedeutet, der aber nach Außen hin nicht sichtbar ist.

    Es gibt jedoch weitere Vermutungen, was die Hypoaktiven betrifft, besonders die männlichen Betroffenen.
    Dort scheint die Möglichkeit zu bestehen, dass man es gar nicht mit ADS zu tun hat, sondern mit einer eigenen Störung.
    Im Moment steht da SCT (Slggish Cognitve Tempo) im Vordergrund.
    Diese Störung hat ähnliche Symptome, bzw. Symptomüberschneidungen zur ADS, zeigt ihre Beeinträchtigungen aber nahezu ausschließlich im schulischen Bereich.
    Die anderen Lebensbereiche sind davon nicht oder nur deutlich weniger betroffen.
    Die Studienlage dazu ist aber noch gering, da wird noch viel geforscht und untersucht.

    Speziell bei männlichen Hypoaktiven besteht auch oftmals die Vermutung, dass es sich dort weniger um ADS-Fälle handelt, sondern man in ganz andere Richtungen schauen solte.
    Auch das würde den Rahmen hier sprengen.
    Ich meine, dass Martin Winkler hierzu auch schon einiges im Forum geschrieben hat.


    Maulbeere schreibt:
    Bei ADS ist es meiner Meinung nach so, dass nur mit Medies die Leitung zwischen Langzeitgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis steht und ich auch dann nur lernen kann.
    Auch das ist meines Wissens so nicht korrekt.
    Es geht nicht um die Leitung zwischen Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis.
    Bei AD(H)S ist das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt, das ist ein Teil des Kurzzeitgedächtnisses.
    Wobei das Ganze noch um einiges komplizierter ist versteht sich.

    Maulbeere schreibt:
    Ohne kann ich ja nichts ins Langzeitgedächtnis befördern und somit auch nicht automatisieren. Bei ADS macht es für mich somit nur Sinn, wenn man sich nicht mehr wirklich weiterbilden möchte.
    Es geht dabei auch um alltägliche Dinge.
    Wir lernen ständig und im Gehirn findet auch ständig Umbau statt.


    Maulbeere schreibt:
    Ich denke ja, dass im Gegensatz zu ADS, bei ADHS das Gedächtnis grundlegend funktioniert und die Lernprobleme an anderen Aspekten liegen.
    Wie gesagt, das ist nicht der Fall.
    Das lässt sich mit nahezu allen aktuellen Forschungsergebnissen ausschließen.
    Anführen kann ich da auf Anhieb die Ergebnisse aus den Milwaukee - und UMASS -Studien, zwei der größten und umfangreichsten Langzeitstudien, die bislang gemacht wurden.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Bruchpilotin schreibt:
    Desweiteren, weiß ich nicht was ich von seiner Rollstuhl Metapher (so eindrucksvoll sie auch ist) halten soll, ...
    Alle solche Metaphern und Analogien hinken, das ist leider wahr.
    Daher muss man sie immer im Kontext mit diesem einen Beispiel sehen und da:

    Bruchpilotin schreibt:
    ... denn: es ist ja nicht so, dass absolute keine Kommunikation im Hirn stattfindet bei ADHSlern, das was da oben abgeht ist zu kompliziert für so einen Vergleich, denn bei Gelähmten kommt in den Beinen gar nichts an.
    ... ist genau DAS der Fall.
    Wie Barkley das so schön umschrieben hat:
    Die beiden regionen sind getrennt "like a meat cleaver" ... wie mit einem Fleischmesser ...
    Genau das war es, was die Forscher an den FMRT's gesehen haben.
    Klar, Du hast insofern natürlich recht, als es nicht so ist, dass es da gar keinen Austausch gibt.
    Aber es betrifft ja auch spezielle Beeinträchtigungen, in denen das der Fall ist.

    Nehmen wir das Zeitmanagement und die Aufschieberitis.
    Der Betroffene weiß, dass er jetzt aufhören sollte am Rechner zu daddeln und seine Hausarbeit zu machen, aber es passiert nicht.
    Er gibt sich auch selbst den Befehl, schaut auf die Uhr ... aber es passiert nichts.

    Deshalb genau ist dieser Vergleich mit dem Rollstuhlfahrer so passend:
    Wir wissen, dass wir es tun sollten, es ist uns vollkommen bewusst.
    Wir wissen auch wann und wie wir es tun sollten.

    Aber dennoch kommt der Befehl nicht an, wir stehen nicht auf, sondern bleiben sitzen und machen weiter, wir sind nicht in der Lage, trotz des intern klar vorhandenen und bewussten Befehls, die aktuelle Handlung zu unterbrechen und uns dem anderen zuzuwenden.
    Es ist genau wie im Fall des Rollstuhlfahrers:
    Der Befehl ist da, er wird auch gegeben, aber kommt nicht dort an, wo er ankommen soll um die Handlung auszuführen.

    Natürlich ist das anders als beim Rollstuhlfahrer, denn da werden überhaupt keine Befehle mehr übertragen, bei uns jedoch schon.
    Aber außerhalb einer für uns kontrollierbaren Art und Weise, die wir aber üblicherweise haben sollten.
    Es bedarf bestimmter Voraussetzungen, die wir nicht unter Kontrolle haben, damit das passiert.
    Stichwort:
    Interessantes können wir, Langweiliges nicht.

    Bruchpilotin schreibt:
    Außerdem sind wir mehr als unsere Frontal Lobes, z.B. sollte man nicht die Arbeit die Sub-kortikal passiert vergessen. Ich bin gespannt, was wir in den nächsten Jahrzehnten noch alles herausfinden was unser Gehirn betrifft.
    Das stimmt natürlich und auch jetzt schon hat man viel mehr Regionen entdeckt, die bei ADS-Betroffenen anders arbeiten als bei den Kontrollgruppen.
    Mehrere sogar.
    Allen voran die Amygdala, durch welche sozusagen bei vielen eine Art "Umleitung" erfolgt.
    Zum Einen konnte man in den Scans sehen, dass die Amygdala bei Belohnungsaufschub bei ADS'lern deutlich andere Aktivität hat, als bei den Kontrollgruppen.
    Sie erzeugt Angst.
    Deshalb können wir mit Belohnungsaufschub so schlecht umgehen, er macht und Angst.
    Genauso wird über das Angstzentrum auch die Motivation teilweise umgeleitet, damit wir überhaupt eine Funktionalität nach Außen bringen können.
    Denn auch Angst kann motivieren, sehr gut sogar.
    Nur ist sie nicht für den "Dauereinsatz" gedacht, was wiederum erklärt, warum sie bei so vielen ADS'lern aus dem Ruder läuft und Angststörungen so eine hohe Komorbidität haben.


    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 47

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Hy miteinand ,

    also ich stehe einem Auslassversuch auch skeptisch gegenüber.

    Denn wenn es eine Stoffwechselstörung im Gehirn ist - oder sein sollte -

    dann macht die Stoffwechselstörung am Wochenende oder im Urlaub keine Pause !

    Aus meiner persönlichen Sicht ist für mich der Diabetiker Vergleich immer noch am besten,
    auch wenn schon langsam ausgelutscht.

    Denn der Diabetiker macht ja auch keine Insulinpause am Wochenende oder im Urlaub ?

    Genau wie der Vorbehalt bei MPH bei Leuten die diesbezüglicher Drogen auffällig waren.

    Dem Diabetiker sagt man ja auch nicht :

    "Da haste wohl früher zuviel Kuchen gegessen und ein Schlückchen zuviel getrunken
    daher bekommst du keine Insulintherapie."



    Am besten wäre dann noch eine begleitende Psychotherapie und nach einem Jahr
    schleichen wir das Insulin ganz langsam aus neee ist klar !


    Ist jetzt sehr grob umschrieben - aber ich denke die Richtung in die ich will dürfte klar sein.



    hey do and cu on the way

    Spw

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Dauer der Medieinnahme

    Sehe ich ganz genauso, nur wie beim Insulin gibt es bestimmt auch bei uns Unterschiede, besonders in der Stärke der Symptome und der damit verbundenen Stärke der Beeinträchtigungen/Chance auf "Rehabilitation". Es gibt ja auch Diabetiker, die nach Umstellung ihrer Lebensführung (Gewichtabnahme, Ernährungsumstellung, Stressbewältigung etc etc) auf zusätzliches Insulin verzichten können. Sicherlich ist da einiges an Arbeit, Disziplin etc. notwendig, aber manchem gelingt es. Das scheint auch bei "uns" teils der Fall zu sein.

    Einen Auslassversuch würde ich nicht gänzlich verwerfen, eher von Fall zu Fall individuell mit dem Empfinden und Wünschen des Patienten entscheiden.

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