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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 301

    Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Hallo,

    vor dem Eintritt in die Behandlung mit MPH wurde mir 100mg Modafinil verschrieben, weil sich durch eine Lebensänderung Konzentrationsdefizite zeigten
    und Schlafattacken litt, die stark in die Richtung einer Narkolepsie gingen, wenn Räume nicht ideal gelüftet waren und sich darin mehrere Personen aufhielten.
    Es machte mich wach, ich konnte mich sehr gut auf alles konzentrieren, drückte mich sehr klar aus und konnte mich phantastisch effektiv auf meine Arbeit
    fokussieren, war darin total versunken so, dass ich mich von meiner Arbeit nicht lösen wollte, auch wenn ich durstig wurde oder die Blase drückte.
    Modafinil setzte ich aber bereits nach fünfmaliger morgendlicher Einnahme wieder ab. Ich "schlief" abends/nachts zwar schnell ein, war 4h später bereits wieder
    hellwach, obwohl ich eigentlich ein Morgenmuffel bin und 1-2h brauche um wieder in die Gänge zu kommen. Nach 4 Tagen hatte ich zum ersten mal in meinem
    Leben trotz früherer Erfahrungen mit Substanzen sowie mehrfach durchgemachten Nächten wirkliche Augenringe – tief dunkel, direkt geschwollen.
    Im nach hinein bin ich davon überzeugt, dass das morgendliche Modafinil zwar nicht den nächtlichen Schlaf, dafür aber die Tiefschlafphase verhindert hat.

    Parallel dazu wurde mir ADS diagnostiziert und ich habe bis zur endgültigen Diagnose Elontril eingenommen, was mich leider von Tag zu Tag müder machte
    und meine beim Sport leicht auftretenden Wadenkrämpfe verstärkte. Ich nehme seit über einem halben Jahr unretardiertes Methylphenidat was meinen
    allgemeinen Wachzustand deutlich verbessert hat, ich bin deutlich aufmerksamer geworden und komme auch mal mit etwas weniger Schlaf aus, den ich dann
    aber auch nachhole. Ich habe allgemein eine ausgeglichenere Stimmung, gehe nicht mehr so leicht in die Luft, bin nicht mehr so empfindlich und stecke Dinge
    weg, die ich in all den Jahren zuvor als Angriff empfunden hätte und habe absolut keinerlei Verlangen nach irgendwelchen Rauschzuständen.
    Ich nehme 10-5-5-5-5 mg ca. im 3h Takt ein. Ich vermisse am Methylphenidat im Vergleich zu der Kurzzeiterfahrung mit Modafinil mein Konzentrations- und Fokussierungspotential für ungeliebte Aufgaben. Ich kann mich trotz der Einnahme von Methylphenidat nicht motivieren "ungeliebtes" zu beginnen, es fällt mir
    wirklich sehr schwer und ich schiebe es ewig vor mir her. Ich bin schon immer ein superfokussierender Mensch, der einen irren Zeit- und Arbeitsaufwand
    in "geliebte Aufgaben" stecken kann. Ich habe ich mich in der Zeit seit MPH zum besseren Verständnis von AD(H)S durch alle möglichen Foren, auch nicht
    deutschsprachigen Foren gewühlt und bin dabei im Gegensatz zum dopaminhemmenden Methylphenidat auf die dopamin-ausschüttenden Amphetamin-Präperate
    gestossen, die wohl besonders in den USA in Form von Adderal zunehmend anstelle von Methylphenidat verschrieben werden und hier wohl als DL-Amphetamin-
    tropfen verbreitet sind.

    Ich habe meine Ärztin diese Woche darauf angesprochen, ob es möglich sei, dass ich das auch mal ausprobiere. Leider hat sie das abgelehnt, weil sie in ihren
    Patienten der Umgang damit nicht leicht fällt, es angeblich zu hart anflutet, zu starken Rebounds führt und sie darin ein zu hohes Missbrauchspotential sieht.
    Aber mal ehrlich: Theoretisch kann man alle möglichen Medikamente missbrauchen. Vielleicht habe ich mich und meinen Wunsch nach der Möglichkeit mich auf
    die "ungeliebten" Aufgaben, die einem Menschen mit ADS schwer fallen, einfach nur falsch verkauft oder muss man da hartnäckiger bleiben?
    Sieht man die Abgabe von DL-Amphetamin in Deutschland zu heikel? Ich kann ehrlich gesagt nicht einschätzen, wie weit oder ob es sich überhaupt von
    "Substanzen vom Bahnhof" unterscheidet.

    Ich stehe kurz davor in einer anderen Praxis einen Termin auszumachen, habe aber Bedenken, dass ich dann eine weitere ADS-Diagnose machen muss…

    … ich wünsche mir einfach mehr Konzentration und Motivation auch für "ungeliebte Dinge" und dass diese mir endlich leichter fallen.

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 222

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Fokussierungspotential für ungeliebte Aufgaben
    Ich habe dieselbe Erfahrung unter Methylphenidat gemacht. Auch mit dem Medikament habe ich mich lieber mit interessanten Themen beschäftigt.

    Ich glaube nicht, dass dafür die Art des Stimulanz verantwortlich ist, sondern dass es einfach ein eingefahrenes Verhaltensmuster ist. Ohne MPH war meine "Lust" irgendwas zu tun handlungsleitend. Dieser Orientierungsrahmen besteht ja weiterhin, auch unter MPH. Ich mutmaße mal, dass das sogar noch verstärkt wird, weil man ja nun die eh schon interessanten Aufgaben noch schneller/leichter erledigt. Das hat natürlich einen großen Belohnungseffekt. Und was uns "belohnt" wiederholen wir öfter. Wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, kann also MPH erstmal die Sitation mit den ungeliebten Aufgaben verschlechtern.

    Hier kommt wahrscheinlich die Verhaltenstherapie ins Spiel, um zu lernen nicht nach dem "Lustprinzip" zu handeln, sondern nach Notwendigkeit.
    Geändert von sorryforthat (28.06.2014 um 09:41 Uhr)

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Ich glaube auch, das der Ansatz, das du Motivation für ungeliebte Aufgaben bekommst, eher bei der Psychotherapie zu suchen ist, als bei den Medikamenten. Dieser Wunsch ist auch für Amphetaminpräparate einfach ein bisschen zu hoch gegriffen. Auch Nicht-ADHSler haben dieses "Phänomen"...

  4. #4
    cruelmoth

    Gast

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Hallo,

    gerade was Prokrastination betrifft wirkt bei mir Methylphenidat besser als Dexamphetamin. Das ist auch sicher eine Frage der optimalen Dosis.

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5.009

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Ich schließe mich da den Schreibern vor mir an. Ein Medi welches mich die ungeliebten Aufgaben “gern“ machen lässt, hab ich noch nicht gefunden...leider!

    Ich kenne User, die Amphetaminsaft verschrieben bekamen, aber es wäre mir neu, wenn es die Wirkung bei ihnen hätte, die Du Dir wünscht.

    Mir hat nur jahrelange Therapie und immer wieder Einüben von Verhaltensänderungen geholfen.
    Bis ich dann verinnerlichte, dass die Belohnung beim Erledigen von ungeliebten Aufgaben schlicht ist, dass sie anschließend nicht mehr gemacht werden müssen und nicht mehr den Kopf belasten.

    Das ist keine zeitnah spürbare Belohnung und daher fällt es einfach schwer diese Projekte zu beginnen. Es muss “Klick“ im Kopf machen. MPH hilft mir dann, dran zu bleiben u es abzuarbeiten, aber den Beginn, den muss ich beschließen!

    LG Emely

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5.009

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Achja, ich weiß nicht, ob Du Dich nur verschrieben hattest, aber MPH ist kein Dopaminhemmer sondern ein Dopamin-Wiederaufnahmehemmer.

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 301

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    Klar geht es mir grundsätzlich auch um die einfache Bewältigung der "ungeliebten Aufgaben". Ich bin aber auch bzgl des Modafinil oder Vigil
    in die Sphären des internationalen Internets eingetaucht, habe mich neben ADS auch sehr viel mit Depression und Narkolepsie auseinander
    gesetzt, um einen tieferen Einblick in die Welt der Neurotransmitter zu bekommen. Was mich hierbei irritierte, dass die Funktionsweise des
    Modafinil wohl noch nicht bekannt ist, man weiss nur was es bewirkt, aber nicht was es im Gehirn macht. Ich hab Anfangs in diesem Forum mal
    von einem "Neurotransmitter-Erlebnis" berichtet, das ich in Kombination von Modafinil und Elontril hatte, was damals zu einem grossen Aufschrei
    führte. Da Elontril ein NDRI ist gehe ich davon aus, dass das Modafinil also in irgendeiner Art und Weise ausschüttend wirkt, weil es nichts anderes
    als eine grosse Neurotransmitterflutung mit kombinierter Wiederaufnahmehemmung war.

    Das Modafinil war in meinen Augen bezüglich der Konzentration und Focussierung auf das wesentliche dem MPH deutlich überlegen, wenn da eben
    nicht die Nebenwirkung der Schlaflosigkeit und von mir subjektiv empfundenen fehlenden Tiefschlafphase wäre. Das Modafinil erzeugte eine Art
    totaler gestiger Klarheit von konvergenter Gedankenstruktur, das MPH macht mir dagegen eher eine Art MPH-Fleischmütze auf den Kopf, meine
    Gedanken tendieren eher in Richtung divergent und ich empfinden medikamentösen Zustand auch wenn er mir hilft als unnatürlich. Ich hoffe das
    kommt nicht von dem Wissen um die Wiederaufnahmehemmung des Dopamin, ich bin aber davon überzeugt, dass eine Unterstützung der Ausschüttung
    von Dopamin und möglicherweise von Noradrenalin zielführender wäre, weil das das Defizit ausgleichen würde, anstatt die Schleusen zu schliessen.

    Mein Wunsch und auch sicherlich der vieler anderer, die irgendwelche Stimulanzien nehmen müssen geht dahin, nicht irgendwelche Schleusen zu
    schliessen, sondern den natürlichen Fluss zu fördern, weshalb ich aus meinem Verständnis einfach mal die Therapie mit Amphetaminen ausprobieren.
    In der Medikamenteneinstellung sehe ich kein Problem, damit komme ich sehr gut zu recht, einen BTM-Medikamentenausweis trage ich sowieso schon
    täglich bei mir. Ich verstehe einfach nicht, warum mir meine Ärztin dazu nicht die Möglichkeit einräumt, gerade wenn man im US-Internet liest, dass die
    Amphetaminpräperate mittlerweile bevorzugt gegeben werden. Ich verstehe das alles lediglich als einen anderen Therapieansatz oder klinge ich nach
    jemandem der sich auf die Beschaffung von Mitteln zum Missbrauch begibt?

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 222

    AW: Methylphenidat -> Wechsel -> Amphetamin?

    oder klinge ich nach jemandem der sich auf die Beschaffung von Mitteln zum Missbrauch begibt?
    Nein. Aber du klingst wie jemand, der die Langzeit-Wirkung mit der anfänglichen Wirkung eines Medikaments vergleicht. Ich kenne den Aha-Effekt auch durch Methylphenidat und es war beeindruckend. Sicherlich eine grenzverschiebende Erfahrung. Ganz natürlich stellt sich dann die Frage ein, was denn sonst noch alles möglich sein kann, wenn gleich das erste Medikament diese Wirkung erzielt. Aber das kann natürlich nicht die Langzeitwirkung sein, da natürlich ein Gewöhnungseffekt eintritt und auch die Begeisterung nachlässt. (Und Nebenwirkungen deutlicher werden) Ich bin dann wieder in alte Verhaltensmuster gefallen trotz MPH.

    Es gibt hier eine Reihe an Leuten, die eine ganze Palette an Medikamenten durchprobiert haben, teilweise in Kombination. Ich glaube nicht daran, dass mich das irgendwie weiterbringen würde. Für meinen Teil, lehen ich es auch ab Monate und Jahre damit zu verschwenden immer neue Medikamente einzustellen beziehungsweise wieder auszuschleichen. Sondern nehme lieber ein akzeptables Medikament, dass in seiner Wirkung vielleicht begrenzt ist, aber auch in seinen Nebenwirkungen.

    Im Moment nehme ich keine Methylphendiat (wg. Schwangerschaft), aber im Nachhinein kann ich erkennen, wo die Stärken von MPH sind. Du kannst damit Routinen entwickeln und Verhaltensmuster angewöhnen, die übrigens auch nach dem Absetzen weiter wirken. Ein vielleicht einfaches, aber plakatives Beispiel: ich habe 30 Jahre lang Fingernägel gekaut und konnte es mir beim besten Willen nicht abgewöhnen. Unter MPH brauchte es einen Entschluss + zwei Wochen ersatzweise Bonbons lutschen. Und es hält seit über einem Jahr und sogar ohne Medikation. Der "Drang" ist zwar nicht völlig weg...aber ich habe gelernt, dem nicht nachzugeben. Das ist das Potential einer Medikamentierung...nicht mehr aber auch nicht weniger.

    Die Frage ist, was willst du langfristig erreichen? Eine echte Verhaltensänderung oder nur das Maximum deiner geistigen Fähigkeiten rauskitzeln? Du kannst mit einem weniger potenten Medikament, dass dich aber ausreichend therapiefähig macht mehr erreichen, als mit dem ständigen Switchen von Medikamenten, auch wenn sie vielleicht mehr Potential haben.

    Wenn ich nächstes Jahr wieder mit MPH beginne, dann definitiv in Begleitung mit einer Verhaltenstherapie, um mir die Wirkung von MPH auch wirklich voll auszuschöpfen.

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