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  1. #41
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Dompteur schreibt:
    ok, ich wollte Dich nicht fehleinschätzen, es hat einfach so gewirkt, als ob Du Dich über diese Symptome wunderst, entschuldige.
    Ja, ich hab mich auch gewundert, das hast du schon richtig gesehen. Ich wunder mich halt jedes Mal wieder drüber bzw. erschreck ich mich drüber, weil ich diesen Zustand der "Fremdheit" vom letzten Mal wieder vergessen hab und nicht nachfühlen kann, dass es nur wieder dasselbe ist. Ich könnte rein rational meine Schlüsse ziehen (was wohl auch zu der von dir ebenso bemerkten hyperanalytischen Art passt), indem ich Symptome des letzten Mals mit aktuellen Symptomen vergleiche, aber weil die immer ganz leicht variieren, denk ich mir jedesmal, es sei was neues. So würd ich mir das erklären. Insofern ist es mir irgendwie eben NICHT möglich, meine Gefühle zuzuordnen, fernab von jeglicher Theorie.

    Ich hoffe, wir reden über das "gleiche" Dissoziieren? Ich meine damit Depersonalisation und Derealisation, eben das Gefühl, alles sei irgendwie leicht bis sehr verfremdet, fremdartig. Ich meine keine richtigen dissoziativen Aussetzer, sodass ich nicht mehr weiß, was passiert ist - sowas hab ich nicht, hatte ich nie.

    Hab heute übrigens noch fast gar nicht gelernt (vielleicht 10 min), konnte mich ohne MPH nicht konzentrieren und der Text ist auch noch so dermaßen bescheuert und überabstrakt abgehoben, dass man davon zwangsweise Derealisation bekommen muss (durch den fehlenden Realitätsbezug).

  2. #42
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 317

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Also, ich denke mal Du lernst für eine Prüfung. Ich denke, sie ist bald und Du stellst Dir diese Prüfung vor?

  3. #43
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Ich weiß noch nicht, wann genau die Prüfung ist, ich denke mal, Ende April und ich lerne jetzt schonmal, weil ich den Aufwand nicht genau einschätzen kann und dann ja auch noch der Termin so unklar ist. Und ja, ich stell mir manchmal vor, wie die Prüfungssituation sein könnte. Diese Vorstellung bereitet mir eigentlich nicht so viele Sorgen, weil ich die Prüfer kenne und ich ja inzwischen in Prüfungen auch recht souverän und kompetent bin (wegen des MPHs eben, direkt oder indirekt, wie auch immer). Aber die Terminabsprache klappt nicht ganz so reibungslos und das macht mich schon kirre. Ich hasse es, wenn ich nicht genau weiß, wann ein Termin ist und in welcher Form und welche Prüfungsinhalte auf mich zukommen werden - wenn ich mich halt nicht drauf vorbereiten kann, wie ich es will und kann.

    Doof, dass ich noch nicht freigeschaltet bin, sonst könnten wir PNs schreiben. Ich würd viel lieber hier im Thema irgendwas zum Thema beitragen, zB fand ich deinen Punkt mit der Kindlichkeit ziemlich interessant, weil ich das kindliche Verhalten auch an mir beobachten kann und mich - erst seit ganz kurzer Zeit - ein wenig erwachsener verhalten kann, indem ich zB merke, dass ich grad bockig und störrisch bin und dieses Verhalten unangemessen ist und ich auch mal nachgeben muss. Überhaupt sind jetzt mehr Kompromisse möglich, wo ich vorher keine andere Möglichkeit sah als das mich störende Element zu entfernen bzw. mich zu entfernen.

  4. #44
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Chamaeleon schreibt:
    Also irgendwie hab ich nun Bammel, dass MPH auf lange Sicht auch Schaden anrichten kann. Ich hatte nie diese Befürchtungen, aber seit neuestem hab ich so seltsame Wahrnehmungs-Veränderungen, sodass ich schon hier im Forum nach "Psychose" gesucht habe und herausgefunden habe, dass entsprechend veranlagte Menschen nach langer Einnahme von MPH eine Psychose entwickeln können.

    Ich hatte in letzter Zeit auch viel Stress, weswegen meine seltsamen Anwandlungen auch daher rühren könnten, aber weil ich die Ursache eben nicht einschätzen kann, lass ich das MPH erstmal weg. Vor einiger Zeit hab ich kurz vor dem Einschlafen Stimmen gehört, also wirklich von außen, obwohl da niemand war - ich hab dann nachgeforscht und kam drauf, dass das in Zeiten von großem Stress wohl mal auftreten kann und relativ normal ist. Naja, aber das ist ja nicht das einzige: Ich hab in letzter Zeit oft Derealisationen und Depersonalisationen und öfter das Gefühl, meine Gedanken seien irgendwie "fremd", nicht von mir. Diese Gedanken sind immer noch rational und ergeben Sinn, aber sie fühlen sich nicht als "meins" an.

    Gestern hab ich den ganzen Tag Texte für die Uni gelesen (oder hier im Forum welche geschrieben) und 1,5 Tabletten MPH über den Tag verteilt genommen (ergibt 15 mg) und irgendwann fing es dann an, dass mir meine Gedanken fremd vorkamen, außerdem wurde ich furchtbar müde und ich bekam diffuse Ängste (vor allen Dingen davor, verrückt zu werden). Konnte dann auch nicht einschlafen. Außerdem fühlte sich mein Körper irgendwie taub an. Nun könnte das ja alles auch vom Stress kommen, aber ist es wirklich so stressig, Texte zu lesen?! Das hatte ich früher nicht, eigentlich les ich sonst den ganzen Tag.

    Ein anderer Gedanke, den ich hatte: Vielleicht hab ich mich durch die ganzen positiven Effekte des MPH - mehr Selbststeuerung, mehr soziale Kompetenz (einem Gespräch besser folgen können und nicht mehr so viele dumme Antworten geben), ruhigeres Gefühlsleben - einfach überhoben, überfordert und in Stress reingeritten, für den ich gar nicht gemacht bin. Ich glaube nämlich, da liegt die Gefahr des MPH: Man merkt nicht mehr, wann man kompensiert und wann einem die Kompensation vom MPH abgenommen wird - das bedeutet, man glaubt, man könne nun ohne Anstrengung Dinge meistern wie "normale" Menschen, denn das gaukelt einem das MPH ja vor; ABER: man muss trotzdem immer noch kompensieren, man hat vielleicht bessere Bewältigungsstrategien, aber man wendet trotzdem noch Energie auf. Vielleicht mehr Energie als man eigentlich zur Verfügung hat.

    Irgendwie kommt mir dieser ganze "Erfolg", den ich in letzter Zeit hatte, verdächtig vor. Ich gehe äußerst ruhig, besonnen und sogar freundlich mit den Leuten um, ich mache deutliche Ansagen und red nicht mehr verpeilt drumherum, ich bekomme nur noch sehr gute Noten in der Uni (weil ich mich systematisch und rechtzeitig vorbereiten kann) und von überall Lob und meine Klamotten haben endlich einen durchgehenden Stil und sind nicht mehr nur wild durcheinander gemixt. Ich halte sogar mehr Ordnung in der Bude als früher.

    Ich kann mein Leben besser zusammenhalten und meine Persönlichkeit irgendwie auch, zumindest nach außen hin. Aber ich hab auch das Gefühl, dass das irgendwann wieder alles zusammenbrechen muss. Mir ist das irgendwie unheimlich, diese "Fassade", dieses feste, dieses "Funktionieren". Vielleicht komm ich mir deshalb so fremd vor und nicht wegen einer Psychose. Aber als ich das gestern gelesen hab, dass es da einen Zusammenhang zu MPH gibt, hab ich erstmal Angst bekommen. Ich laufe nämlich schon seit einigen Wochen mit dem Gedanken herum, ob ich nicht ganz leichte Anzeichen einer Psychose aufweise und dann auf einmal ergibt das irgendwie sogar Sinn...

    Ergibt mein Geschreibsel eigentlich Sinn?^^
    Vielleicht ist es mit dem MPH auch das komplette Gegenteil und ich müsste eigentlich viel mehr nehmen, damit mein Körper diesen ganzen Stress überhaupt erst bewältigen kann und ich bekomm die Depersonalisationen nur, weil ich zu wenig "Treibstoff" benutze und mich aufreibe...ich weiß auch nich.
    oh ja, dein Geschreibsel macht Sinn und du hast dabei , wenn es auch nur am Rand deines Textest mitschwingt - etwas in Worte fassen können, was ich auch fühle - dieses: das bin nicht ich und will ich dies, nicht mehr ich sein ?

  5. #45
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 317

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    ehrlich gesagt, lese ich den zweiten Teil Deines letzten Beitrags nach dem Kommentar von Wintertag und der Überwindung meines ADSler mässigen "sprunghaft-oberflächlichen Wahrnehmungsstils" auch erst jetzt genau durch und stelle fest, habe den vorher gar nicht zur Kenntnis genommen.

    Dein Problem scheint tatsächlich auch zu sein, dass Du Dich unter Medikation nicht wieder erkennst. Kommt mir so vor, wie nach einer Schönheitsoperation, die neue "Identität" macht erst mal Probleme, weil man sich fremd fühlt, aber eigentlich ist alles deutlich besser und das Medikament macht, was es soll, es hilft Dir Deine Vorhaben umzusetzen, Du bist überrascht, dass es so leicht geht, wie "von fremder Hand", trotzdem bis es Du, der das macht und nicht das Medikament. Du erlebst einfach nicht mehr diese Riesen-Widerstände, trifft es das? Das wäre dann allerdings schon ein kurzfristiger Effekt des MPH .

    Ich habe so lange unter den ADS Symptomen gelitten, dass ich diese Phase nicht so gut kenne, aber durchaus verstehen kann, dass Du an der alten "ADSler-Identität" hängst. Ich kenne viele, die zum Beispiel sagen, "dann bin ich ja "0-8-15" wie die Anderen". Ich kenne niemanden der allerdings dann auch "0-8-15" geworden wäre . Aber diesen Widerstand gegen das geordnete, strukturierte Leben kenne ich schon auch. Allerdings habe ich diese Art des Lebens selbst mit MPH nicht erreicht.

    So erlebst Du eigentlich beides, Phasen in denen Deine ADS-Symptome die Oberhand gewinnen und Phasen in denen Du alles super im Griff zu haben scheinst. Angst macht uns immer konfus, zumindest geht mir das so und MPH ändert das nicht, ich denke sogar, dass Angstsymptome mit MPH bewusster und dadurch auch stärker erlebt werden, aber da bin ich mir nicht sicher.
    Geändert von Dompteur (17.03.2014 um 01:18 Uhr)

  6. #46
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 1.910

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Elwirrwarr schreibt:
    ja, absolut ja - bei mir hat sich viel verändert.

    Die größte Veränderung war und ist, dass ich in der Lage bin mich und mein Verhalten tatsächtlich zu verändern .

    Kurz - MPH verändert die Art und Weise der Wahrnehmung - das macht es dir möglich deinen Umgang mit den Problemen des Alltags zu verändern.

    Z. B. fällt es mir mit MPH nicht schwer komplexe Arbeiten zu strukturieren und mich dann auch daran zu halten. Mit Mph bin ich nicht so ablenkbar.

    Ich muß mich mit Mph auch nicht über jeden "Scheiß" aufregen - ich bekomme mit, dass das eben "Scheiß" ist, kann aber bei mir bleiben und muß dann nicht die Welt retten.

    Natürlich bin ich auch bereit, neben der Medikamentation, andere Dinge anzupacken, zu hinterfragen und zu verändern, wenn es da Möglichkeiten gibt.

    Wie schon geschrieben - Mph verändert dich nicht - es verändert die Art und Weise der Wahrnehmung und die Gewichtung des Wahrgenommenen - Alles Andere mußt du dir selber (oder mit Hilfe eines Coatch) erarbeiten. Das Schöne ist jedoch, dass du es dir mit Mph auch erarbeiten kannst.

    bis denne Elwirrwarr
    *unterschreib* - Gretel

  7. #47
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.091

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Irgendwie kommt mir dieser ganze "Erfolg", den ich in letzter Zeit hatte, verdächtig vor. Ich gehe äußerst ruhig, besonnen und sogar freundlich mit den Leuten um, ich mache deutliche Ansagen und red nicht mehr verpeilt drumherum, ich bekomme nur noch sehr gute Noten in der Uni (weil ich mich systematisch und rechtzeitig vorbereiten kann) und von überall Lob und meine Klamotten haben endlich einen durchgehenden Stil und sind nicht mehr nur wild durcheinander gemixt. Ich halte sogar mehr Ordnung in der Bude als früher.

    Ich kann mein Leben besser zusammenhalten und meine Persönlichkeit irgendwie auch, zumindest nach außen hin. Aber ich hab auch das Gefühl, dass das irgendwann wieder alles zusammenbrechen muss. Mir ist das irgendwie unheimlich, diese "Fassade", dieses feste, dieses "Funktionieren". Vielleicht komm ich mir deshalb so fremd vor und nicht wegen einer Psychose. Aber als ich das gestern gelesen hab, dass es da einen Zusammenhang zu MPH gibt, hab ich erstmal Angst bekommen. Ich laufe nämlich schon seit einigen Wochen mit dem Gedanken herum, ob ich nicht ganz leichte Anzeichen einer Psychose aufweise und dann auf einmal ergibt das irgendwie sogar Sinn...
    Lieber Wintertag

    ich habe ca. 8 Jahre gebraucht, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich das auch bin - das der "Erfolg" wie du es beschreibst ich bin.

    Alles was du beschreibst kommt mir total bekannt vor und es hat mir lange Zeit Angst gemacht - Inzwischen mag ich mich so aber sehr gut.


    bis dann Elwirrwarr
    Geändert von Elwirrwarr (17.03.2014 um 11:47 Uhr)

  8. #48
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 317

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Chamaeleon schreibt:
    Doof, dass ich noch nicht freigeschaltet bin, sonst könnten wir PNs schreiben. Ich würd viel lieber hier im Thema irgendwas zum Thema beitragen, zB fand ich deinen Punkt mit der Kindlichkeit ziemlich interessant, weil ich das kindliche Verhalten auch an mir beobachten kann und mich - erst seit ganz kurzer Zeit - ein wenig erwachsener verhalten kann, indem ich zB merke, dass ich grad bockig und störrisch bin und dieses Verhalten unangemessen ist und ich auch mal nachgeben muss. Überhaupt sind jetzt mehr Kompromisse möglich, wo ich vorher keine andere Möglichkeit sah als das mich störende Element zu entfernen bzw. mich zu entfernen.
    Eben, das klingt eigentlich alles viel positiver als Dein erster Eintrag. Ich hoffe Du wirst bald freigeschaltet, vorgestellt hast Du Dich ja super . Ja dieses "kindliche" Verhalten wirkt eben nur kindlich und ist Ausdruck der Schwierigkeiten in der "Selbststeuerung" und "Selbstregulation" (Executivfunktionen) und ist nichts anderes als Folge des ADS. Ich habe das früher auch nicht wahrgenommen. Jetzt stehe ich manchmal neben mir und denke, "bin das ich, der das gerade gemacht hat?" und komme mir blöd vor, weil ich merke, wie wenig hilfreich mein Verhalten ist oder dass ich nur mich gesehen habe und die anderen völlig aus meiner Aufmerksamkeit verschwunden sind .... Ich schäme mich dann auch kräftig , hilft aber auch nicht wirklich. Man kann's nur korrigieren und für's nächste Mal "fotografieren" und mit MPH klappt es dann auch mit dem Abspeichern vom Bild, zumindest sagt die Theorie das, und in der Praxis klappt das bei mir auch ganz leidlich. Das ist etwas, dass ich immer wieder erfahre und so meine Entwicklung vorantreibt, also letztlich dann Langzeiteffekte erzeugt, die ich mir immer gewünscht habe, zB Sicherheit in sozialen Situationen usw. Aber es ist nicht so, dass ich mich da am Ende meiner Entwicklung wähne, sondern eher am Anfang.

  9. #49
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Dompteur schreibt:
    Du bist überrascht, dass es so leicht geht, wie "von fremder Hand", trotzdem bis es Du, der das macht und nicht das Medikament. Du erlebst einfach nicht mehr diese Riesen-Widerstände, trifft es das? Das wäre dann allerdings schon ein kurzfristiger Effekt des MPH .
    Hm, in einzelnen Lebensbereichen geht es leichter, aber es gibt immer noch genügend ADHS-Probleme. Ich glaube, im Laufe der Zeit haben sich einfach immer mehr Bereiche "dazugesellt", in denen ich nun weniger Probleme hab mit der Aufmerksamkeitsfokussierung. Als kurzfristigen Effekt des MPH würde ich meine Erlebnisse der Anfangszeit mit MPH beschreiben: Als ich zuerst nicht viel merkte direkt nach der Einnahme und dann innerhalb weniger Wochen der Effekt deutlich wurde, dass ich eloquenter wurde (im mündlichen). Das fand ich supertoll und da hatte ich überhaupt kein Problem mit dem Gefühl von "Fremdheit" - wahrscheinlich auch, weil ich deutlich merkte, dass ich das selbst steuerte, aber nur, weil ich nun endlich in der Lage dazu war, es selbst zu steuern!

    Diese Eloquenz war am Anfang die einzige Wirkung, die mir auffiel (gab sicher noch ein paar mehr Kleinigkeiten). Inzwischen kommen doch noch ein paar mehr Sachen dazu und weil es - irgendwie plötzlich - so viel auf einmal ist, erscheint es mir tatsächlich ein wenig "fremdgesteuert". Was mich grad aus der Bahn wirft, ist folgendes: Der Unterschied zwischen den verbesserten Fähigkeiten und den noch vorhandenen ADHS-Defiziten ist ziemlich groß, was dazu führt, dass ich beides irgendwie als "unnatürlich" empfinde und vielleicht auch ein wenig "innerlich zerrissen" bin. Der ADHS-Teil ist derjenige, der mich sabotiert und der erfolgreiche Teil ist künstlich - so fühlt es sich an und das macht beides nicht zufrieden.

    Es fehlt das Selbstverständnis: "so wie ich bin, ist es normal". Vor kurzem fühlte ich mich noch normal, weil ich noch nicht alles überblicken konnte: Vergangenheit mit ADHS und Zukunft mit ADHS. Es war normal, weil ich noch nicht sah, dass es trotz ADHS möglich ist, Leistungen zu erbringen und ZUGLEICH mir diese Leistungen nichts bringen, weil der ADHS-Teil noch immer da ist und die erbrachten Leistungen zunichte macht: die Leistungen sind immer noch nicht konstant und werden es wohl nie sein und wenn ich keine konstanten Leistungen erbringe, werde ich mir auch nie etwas aufbauen können. Ich werde mich immer durchwurschteln, wie ich es schon immer getan habe. Das macht mich sehr depressiv.

    Aber diesen Widerstand gegen das geordnete, strukturierte Leben kenne ich schon auch. Allerdings habe ich diese Art des Lebens selbst mit MPH nicht erreicht.
    Siehst du, man erreicht es nicht, kriegt es aber immer wieder unter die Nase gehalten: Ha, wenn du MPH schluckst und dich ein wenig anstrengst, kannst du ein strukturiertes Leben führen - denkste. Ich hab überhaupt nichts gegen ein strukturiertes Leben, IN MIR wird immer genug Chaos für ein spannendes Leben bleiben, aber ich wünsche mir so sehr einen Rahmen von außen...und dann scheint er zwischendurch immer wieder greifbar zu sein und schwupp isser wieder weg. Ich find´s eher gruselig, wenn meine Persönlichkeit auf einmal so leicht umgänglich wird, wenn ich soziale Umgangsformen beherrsche, Floskeln raushaue wie n Profi und ja, tatsächlich ist es mir sogar unheimlich, dass ich ruhig und freundlich zu Verkäufern und Beratern sein kann. *plemplem*
    Ich wollte GENAU DAS immer, aber nu isses mir unheimlich. Die haben genau das immer von mir erwartet und nun kann ich es erfüllen - muss ich es dann auch? Ich mein, ich hab geschrieben, dass IN MIR immer genug Chaos bleiben wird, aber eben genau dieses gewohnte innere Chaos und auch dieser innere Reichtum kann plötzlich überspielt werden mit Höflichkeitsformen - da kommt man sich doch falsch vor? Und ja, das macht auch Angst.

    Wenigstens ist dieser Text noch immer chaotisch, da bleib ich mir treu.^^
    Sorry, ich kann das auch noch nicht ganz überblicken, was da in mir passiert und es ist wahrscheinlich genauso widersprüchlich, wie es hier aussieht.
    Und sorry, dass dieser Beitrag so furchtbar depressiv klingt, ich komm halt grad nicht so auf mein neues Ich klar, das wird sich aber noch fügen, denk ich.

  10. #50
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Veränderungen auf lange Sicht durch MPH

    Dompteur schreibt:
    Eben, das klingt eigentlich alles viel positiver als Dein erster Eintrag. Ich hoffe Du wirst bald freigeschaltet, vorgestellt hast Du Dich ja super .
    Hm, meine Einträge schwanken zwischen alberner Sorglosigkeit und zynischem Verdruss, also hm...sei nicht enttäuscht.^^
    Ist beides übrigens ziemlich unreif, denk ich: einmal das alberne Kind und einmal das beleidigte, störrische Kind.

    Aber es ist nicht so, dass ich mich da am Ende meiner Entwicklung wähne, sondern eher am Anfang.
    Dito. Ach, dat wird schon.

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