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  1. #1
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Mich würde mal interessieren, was genau der Unterschied zwischen einem Antidepressivum (SSRI, SSNRI etc.) und einem Phasenprophylaktikum ist (chem. Unterschied ist klar).

    Sprich wann setzt der Arzt welches Mittel ein, allerdings interessiert mich hier nur die Wahl bei einer unipolaren Depression und jeweils als alleinige Gabe und nicht als Augmentation untereinander.

    Welche Unterschiede gibt es in Bezug auf:

    -Stimmung
    - Antrieb
    - Schlaf
    - Wirkeinstieg
    - Nebenwirkungen
    - Kombi mit MPH ?



    Gruss c.
    Geändert von creatrice (29.06.2013 um 22:39 Uhr)

  2. #2


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
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    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Hallo.

    Naja, der grundlegende Unterschied ergibt sich ja schon aus den Begriffen "Phasenprophylaxe" und "Antidepressivum".

    Ein Antidepressivum dient der Behandlung einer bereits manifestierten Depression, während die Phasenprophylaxe eine solche bereits im Vorfeld verhindert oder zumindest den Grad der Ausprägung mildert und/oder die Dauer der Depression verkürzt.

    Eine Prophylaxe ist also dann sinnvoll, wenn es sich um eine immer wiederkehrende (rezidivierende) Depression handelt, die einen phasenhaften Verlauf zeigt.

    Sprich:

    Es gibt bzw. es gab in der Vergangenheit mehrere eindeutig als solche zu identifizierende Phasen, in denen eine Depression vorliegt bzw. vorlag und ebenso eindeutig zu identifizierende Phasen, in denen diese nicht vorlag.

    Die Länge solcher Phasen variiert zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten, wobei es auch (zum Glück seltene) Sonderformen mit sehr kurzen Phasen gibt (bis runter in den Bereich einiger Stunden) und hin und wieder treten auch sehr lange Phasen auf, die sich über Jahre ausdehnen können.

    Soweit nicht grundlegende Dinge dagegen sprechen, ist also damit zu rechnen, dass sich dieser "Rhythmus" fortsetzen wird und auch in Zukunft vergleichbare depressive Phasen auftreten werden.

    In dem Fall dann ist natürlich die Verhinderung der depressiven Phasen oder zumindest deren Abmilderung und/oder Verkürzung weitaus sinnvoller, als deren Behandlung oder die Behandlung wird zumindest kürzer und braucht weniger an antidepressiver Medikation.

    Was sich in den letzten Jahren - vermutlich aufgrund der einfacheren Durchführung - zunehmend eingebürgert hat, ist, statt einer Prophylaxe mit Phasenprophylaktika eine "Prophylaxe" durch eine Dauertherapie mit bestimmten Antidepressiva vorzunehmen, wobei man da über den Sinn streiten kann.

    Vergleichen kann man das in etwa damit, sich nicht mit Sonnencreme vor einem Sonnenbrand zu schützen, sondern statt dessen schon vor dem Sonnenbad reichlich Schmerzmittel einzunehmen, damit man den Sonnenbrand später nicht so sehr spürt.

    Mit Sonnencreme dagegen hätte man den Sonnenbrand gar nicht bekommen oder man wäre ihn schneller und mit - falls überhaupt - deutlich weniger an Schmerzmitteln wieder los geworden.

    Von den anderen, negativen Erscheinungen des Sonnenbrandes mal ganz abgesehen, denn auch eine adäquat behandelte Depression ist nicht das selbe, wie ein Zustand ohne Depression.

    Die Frage

    Welche Unterschiede gibt es in Bezug auf:

    -Stimmung
    - Antrieb
    - Schlaf
    - Wirkeinstieg
    - Nebenwirkungen
    kann man so pauschaliert nicht beantworten, da es sowohl Antidepressiva, wie auch Phasenprophylaktika mit negativer, wie auch mit positiver Wirkung oder auch mit gar keiner zu erwartenden Wirkung auf den Schlaf gibt, was dann ebenso auch für den Antrieb gilt.

    Nebenwirkungen sind bei allen Psychopharmaka und insbesondere bei Antidepressiva immer sehr individuell und zudem auch dosisabhängig und können - wenn überhaupt - nur sehr grob vorhergesagt werden.

    Die Kombination mit MPH ist bei den gängigen Phasenprophylaktika in aller Regel unkritisch, wobei es auch da individuelle Ausnahmen geben kann.

    Bei den Antidepressiva kommt es sehr auf den jeweiligen Wirkstoff an.

    Bewährt haben sich z. B Kombinationen von MPH mit Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (z.B Venlafaxin oder Duloxetin).

    Es kann auch sinnvoll sein, Bupropion einzusetzen und ggf. sogar auf das MPH zu verzichten, da Bupropion seine Wirkung über das Dopamin entfaltet.

    Ohne konkrete Fragen kann man leider nicht wirklich konkrete Aussagen treffen.



    LG,
    Alex

  3. #3
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    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Alex schreibt:
    Was sich in den letzten Jahren - vermutlich aufgrund der einfacheren Durchführung - zunehmend eingebürgert hat, ist, statt einer Prophylaxe mit Phasenprophylaktika eine "Prophylaxe" durch eine Dauertherapie mit bestimmten Antidepressiva vorzunehmen, wobei man da über den Sinn streiten kann.
    Genau das wurde bei mir jahrelang gemacht, deswegen habe ich den Unterschied nicht so richtig verstanden.


    Alex schreibt:
    Vergleichen kann man das in etwa damit, sich nicht mit Sonnencreme vor einem Sonnenbrand zu schützen, sondern statt dessen schon vor dem Sonnenbad reichlich Schmerzmittel einzunehmen, damit man den Sonnenbrand später nicht so sehr spürt.
    Super Metapher! Danke! Nimmt mir die Abneigung gegen Phasenprophylaktika, und zeigt die Wichtigkeit.

  4. #4
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    Forum-Beiträge: 340

    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Bei mir wurde die Phasenprophylaxe (Lamotrigin) jahrelang mit AD kombiniert.

    Dazu muss ich aber sagen, dass ich rezidivierende Schübe mittel- bis schwerer Depression habe. Dazwischen ist die Depression aber auch nicht vollkommen weg. Deshalb die Kombi.

    Muss aber auch ehrlich dazu sagen, dass ich trotz Phasenprophylaxe einen schweren Schub bekommen habe.

  5. #5
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    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Hmpf..... eine Kombi möchte ich eigentlich nicht. Glaube die ist bei mir auch nicht dauerhaft nötig, da ich zwischen den Phasen eigentlich relativ stabil bin. Nichts von dauerhaft dysthym oder so.

    Die AD haben zwar die Phasen kürzer und flacher gemacht (leicht bis mittel), dafür waren sie aber im Gegensatz zu "ohne" schneller aufeinanderfolgend. (So im Nachhinein betrachtet.)

    An Lamotrigin habe ich auch gedacht, glaube ich spreche den Doc mal drauf an.

    Trotz Phasenp. UND AD einen schweren Schub???? Oder nur Phasenprophylaxe?

  6. #6
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    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Leider trotz beidem.

    Das lässt sich aber natürlich nicht verallgemeinern.

    Außerdem ging es ca 2 Jahre ganz gut, vielleicht wäre der Einbruch ohne viel früher gekommen.

    Dann war es aber so schlimm, dass ich mittlerweile persönlich keinen Sinn mehr darin sehe, ein Phasenprophylaktikum zu nehmen.

    Meine Ärztin hat gesagt, dass es im Endeffekt Fälle (wie mich) gibt, bei denen eben kein Meikament eine schlimme Episode verhindern kann.

    Ich geb die Hoffnung trotzdem nicht auf.

  7. #7
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    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    @andicool: Das war aber doch zu einem Zeitpunkt, als das ADS noch gar nciht bekannt war und auch in der Behandlung noch gar keine Rolle spielte, oder?

  8. #8
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    AW: Antidepressivum vs Phasenprophylaxe

    Ja, das ist richtig.

    Jetzt haben wir da andere Voraussetzungen, da ja das AD mit mph kombiniert wird.

    Stimmungsmäßig würde ich sagen, dass mph nicht unbedingt positiv wirkt. Mal sehen, was die Zeit da so bringt.

    Wirklich entscheidend ist für mich, wie lange ich einigermaßen stabil bleibe. Da ist und bleibt meine größte Sorge, ob es zu einer erneuten schweren Depression kommt. Vielleicht klappt das in der Kombination, das wäre der größte Erfolg meines Lebens.

    Tue mich mit dem mph an sich ja etwas schwer, ist aber kein Vergleich zu vorher, vor allem was äußere Erfolge betrifft. Leider wirkt es bei mir überhaupt nicht auf den Antrieb oder das Aufschieben von Dingen, dafür gibt es mir eine gewisse Klarsicht u bringt mich weiter.

    Diese Tagesfühligkeit u auch Gedrücktheit empfinde ich nach der schlimmen Phase letztes Jahr eher als Feintuning.

    Geht die Frage Richtung echter Lebensqualität hoffe ich einfach auf "bessere" Medikamente.

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