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Diskutiere im Thema massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Ich denke, wenn man es regelmäßig/täglich nimmt, bleibt der WOW Effekt auch aus.

    Ich nehme ab und zu Ritalin. Wenn ich "off" bin. Entweder viel zu viel Input, viel zu müde, usw... einfach so, dass ich als ADHSlerin kaum klar denken kann, Zwangsgedanken bekommen, in Gedankenschleifen hänge usw... das ist sehr unangehem für mich. Dann nehme ich meist 2x 5mg - zeitlich versetzt. Manchmal auch 1-2 Tage lang. Unretardiertes Ritalin.

    Ich bin Responder und das sehr gut. Leider auch mit einer realtiv kurzen Wirkungsdauer. Ich würde sagen ca. 2 Stunden nach der Einnahme merke ich den Abbau und ca. 3 Stunden später bin ich im Rebound, was sich bei mir in Müdigkeit äußert.

    Da ich es selten einnehme, habe ich nicht viel Übung in der Dosierung. 5mg reichen mir. Wann ich die zweite Dosis nehmen soll ist immer schwierig bei mir. ich versuche nicht später als 2,5 Stunden nach der ersten Einnahme etwas zu nehmen.

    Ich habe übrigens einen WOW Effekt. Vielleicht weil ich den so selten habe. Fokus wird deutlich besser, ich bekomme Abstand zur Wortmaschine in meinem Kopf, mehr Antrieb, werde klarer. Und das deutlich. Meine Hypersensiblität nimmt auch etwas ab. Ich wundere mich dann einfach, über was ich mich vorher so impulsiv ärgern konnte.

    Ich werde mir mal wieder Ritalin LA verschreiben lassen. Ich habe 30mg zuhause, die ich nicht nehme. Die sind mir viel zu stark. Wenn 5mg bei mir schon so eine Wirkung haben. Ich werde mit meiner Ärztin sprechen und sie fragen ob sie 10mg befürwortet. Dann habe ich vielleicht mal für 4-5 Stunden Ruhe und muss nicht ständig überlegen wann ich die nächste nehme.

  2. #12
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    @ Junie, du hast bestimmt mit 10 mg LA eine gute Wirkung. Wirkt bei mir ca. 7-8 h und ich komme damit viel besser klar als mit den unretardieren, die man nachdosieren muss; die nehme ich nur noch im Notfall abends zur Verlängerung der Tageswirkung.

    Ich kenne den "Wow"-Effekt auch, immer nach einer längeren Pause, sonst merke ich eigentlich nur, dass ich ohne Störungen meinen Kram erledigt kriege. Und was die Stimmung angeht: Ritalin verstärkt bei mir die Grundstimmung; sowohl negativ wie positiv, je nachdem wie ich drauf bin fühle ich das klarer, was ziemlich unangenehm ist wenn man mies drauf ist

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 32

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    @Junie,
    Das MPH nur mehr gelegentlich bei Bedarf zu nehmen, ist eine interessante Anregung für mich. Ständig möchte ich das Zeugs nämlich nicht nehmen, schon gar nicht unretardiertes Ritalin.

  4. #14
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Eigentlich ist das gelegentliche nehmen von MPH ohne Absprache mit dem Arzt nicht Sinn der Übung.

    Gut wenn du dir über deine Gefühle klar wirst, da haperte nämlich oft (z. B. bei mir). Jetzt ist aber nicht MPH Aussetzen angesagt sondern mit Gefühlen Auseinandersetzen und lernen mit den Gefühlen umzugehen, gerade mit den Negativen. Weglaufen zählt nicht.

    Das kann man kaum ohne Hilfe. Da hilft eine Psychotherapie.

    ---
    Zwischen Angel und Tür: Per Telefon und Tapatalk.

  5. #15
    Lieserl

    Gast

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Hi,

    Danke für die vielen Info´s!!

    Ich habe das unretardierte eigentlich nur bekommen, weil ich zuerst gegen eine Einnahme von Medikamenten war. Es sollte eher einem Versuch dienen und falls es nicht klappt oder ich es nicht möchte, ist der Wirkstoff nach ein paar Stunden draußen.

    Aber vielleicht ist es wirklich so, dass die depressiven Zustände mit dem unretardierten MPH verstärkt werden. ich werde es auf jeden Fall bei meinem nächsten Arztbesuch ansprechen.

    Nachdem ihr geschrieben habt, das MPH eure Grundstimmung verstärkt, habe ich mich selber etwas genauer beobachtet und es ist bei mir genau so. Ich bin ein wenig erleichtert, dass die depressiven Zustände nicht vom MPH kommen, meine Grundstimmung kann ich selber doch einigermaßen gut bearbeiten.

    Was hätte es für Nachteile, wenn man MPH nur gelegentlich nimmt? Nachdem kein Spiegel aufgebaut werden muss und eigentlich ab der 1. Tablette wirken sollte, müsste es egal sein, wenn man es nur gelegentlich nimmt....oder? Ich überlege eher, ob es nicht praktisch wäre, manchmal eine Einnahme auszulassen. Vor allem am WE braucht man ja nicht so konzentriert zu sein. Hat wer Erfahrungen damit?

    LG

  6. #16
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Hallo Lieserl,

    meine Erfahrung ist: Am Anfang war es ca. 1 Jahr gut täglich MPH (retardiert, weil gleichmäßigere Wirkung) zu nehmen um zu merken was es generell mit meinem Leben anstellt,wo die Unterschiede zu vorher sind, was sich verändert etc.

    Nach mehreren Jahren habe ich nun festgestellt, dass ich es nicht unbedingt brauche wenn kaum Anforderungen von aussen auf mich eintrudeln (WE, Feiertage,Krankheit) und lasse es weg. Ich habe allerdings auch mehrere Jahre Therapie parallel gemacht und habe einige Techniken parat.
    Die versagen aber weiterhin wenn ich im (Berufs-) Alltag mitsamt Reizüberflutung, Verantwortung etc. funktionieren muss. Also nehme ich es dann regelmäßig.

    Wie schon geschrieben; ich kann es problemlos an-u.absetzen,aber da reagiert jeder anders.

    Und es ist klar, man muss die Gesamtstrategie mit seinem Arzt abstimmen.

  7. #17
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 129

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    @Eiselein!

    Hallo!

    Ich bin auch neu hier. Auch wenn Du vielleicht schon genervt bist, trau ich mich trotzdem zu fragen... Ich nehme jetzt seit einer Woche 2x 10 mg retardiert Medikinet. Vorher 1 Woche 5mg nicht retardiert.

    Ich hab ne chron. Depression. Allerdings waren vor der Diagnose ADS alle Behandlungen mit ADs ohne Erfolg. Hatte es dann abgesetzt.
    Bei dem unretardierten Zeug ging es mir auch was die Depri anging besser. Doch jetzt ist die Depri wieder voll da.

    Ich hatte heute einen Horrortag und bin kurz davor, morgen statt Medikinet mir wieder ADs einzufahren.

    Natürlich möchte ich mit nem Doc reden. Dooferweise habe ich 2 Fachärzte. Der, der ADS anhand einem Screening diagnostiziert hat und sich allerdings mit meiner PTBS nicht auskennt (bin da auch nur wegen der Diagnostik hin) und einem anderen, den ich erst einmal gesehen hab, der mir aber nen guten Eindruck macht (aber da hab ich schon viel falsch gelegen), mir aber bei der ganzen Traumageschichte weiterhelfen kann und mich unterstützt. Der wollte mich wegen ADS weitervermitteln an die Diagnostik in der Uniklinik, aber ich war ja inzwischen schon bei dem anderen.

    Du hattest da weiter oben geschrieben, dass sich auch die ADS-Ärzte mit der ganzen Problematik wegen der Verstärkung der Depression und den Physiologe. Zusammenhänge nicht auskennen. Auch wenn die ganze Thematik für mich neu ist, so habe ich doch schon viel mit Fehlbehandlung und Inkompetenz erlebt. Wie kriege ich denn raus, welcher Arzt fit ist?

    Und wie ist das überhaupt: Der Traumata fing schon an, die Krankenkasse würde keine Doppelbehandlung mitmachen... was Quatsch ist. Die kriegen das gar nicht mit. Geht ihm wohl eher darum, dass er dann nicht arbeiten kann/will... Ist jetzt alles saublöd für mich. War mir auch nicht bewußt, dass mit MPH es noch ne Zeit braucht, bis alles drumrum eingestellt ist.

    Also zusätzliche Medikamente. Der ADS-Arzt hat nicht mal gefragt, was ich nehme.. Kann auch ein Facharzt, der die Diagnostik nicht gemacht hat, die Behandlung übernehmen, mit einstellen und allem??

    Freu mich über eine Antwort.

    Liebe Grüße,

    Artischocke

  8. #18
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Hallo Artischocke!

    Artischocke schreibt:
    Freu mich über eine Antwort.
    Hoffentlich akzeptierst Du nicht nur Antworten von Eiselein.

    Dieses Ärzte-Chaos macht einen zusätzlich kirre.

    Generell haben mir bei Krankheiten drei Grundsätze geholfen:

    - traue keinem Arzt. Der Arzt muss Dir beweisen, dass er mit seiner Diagnose Recht hat.

    - informiere Dich selbst über Deine Probleme (das machst Du ja, sonst wärst Du nicht hier), dass Du dem Arzt ggf. widersprechen kannst.

    - das Wichtigste: suche Dir nur einen Arzt. Falls Du weitere Ärzte brauchst, dann nur über Überweisung oder der Arzt Deines Vertrauens soll sich die jeweiligen Befunde holen.

    lgtt

  9. #19
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Ich hatte heute einen deftigen Rebound.


    Eiselein schreibt:
    Das Thema haben wir in diesem Forum ungefähr schon 170.000 mal besprochen.
    Ich würde es aber gern zum 170001. Mal bereden wollen. Ich finde man sollte nett sein, und ständig die gleiche Fragen beantworten (ich hasse Foren, in denen die Standardsätze ist: "gehe zu Google" oder "Schau im Archiv nach", sind.)


    Jawohl, Mph kann depressiv machen (vor allem im Rebound).
    Wobei ich jetzt hier nicht von Depression sprechen würde (ich hasse das Wort Depression und ich versuche es aus meinem Wortschatz zu entfernen). Melachonie, Schwermut, Trouble. Das sind m.E. schönere Worte. Depression hört sich so nach Psychopharmarka an, nach Pharmakonzern - Gewinne, Qualitätssicherung, Entlassungen - , süßen Pharmareferentinnen, GMP etc.


    [3 Gründe genannt]
    Ich habe Deine Grüpnde mit Interesse gelesen. Bei mir ist es der Reboundtyp, dass immer noch in der Suppe hocke, wie vor n Jahren und dass ich nicht schnell genug mein Leben verändern kann. Ich bin zwar fokussiert und weiß, was ich will, aber ich kann es nicht schnell genug realisieren. Mein altes Leben ist strukturiert, obwohl es mich ankotzt. Das neue Leben verspricht Zufriedenheit, birgt aber doch Gefahren, die ich nicht kenne. Vor allem hat es noch keine Rückzugsstellen und Gewohnheitsrituale.

    Ich werde dann doch die dritte Pille nehmen, auch auf die Gefahr hin, nicht schlafen zu können. Am Wochenende probiere ich es mal aus.

  10. #20
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: massive Probleme mit Rebound und Einschleichen von MPH

    Die Losung lautet nicht Mph ODER, sondern Mph UND AD. Eine Gewähr, dass die Kombi funktioniert gibt es aber nicht.

    Deine zweite Frage ist, wie erkenne ich, ob ein Psychiater eine Ahnung hat oder nicht?

    Das ist leider nur schwer zur erkennen, da Psychiater ihre Defizite sehr gut verstecken können. Einem Laien ist die Unterscheidung, ob der Arzt was taugt oder nicht nahezu unmöglich. Selbst einem Profi wie mir, der seit 15 Jahren nichts anderes macht, als sich mit Psychiatern zu beschäftigen, ist das nahezu unmöglich. Denn leider gibt es keinen TÜV für Psychiater, wie es ihn für Autos oder Werkstätten gibt.

    Deshalb plädiere ich schon seit langen dafür, dass Suizide veröffentlicht werden müssen. Damit man wenigstens etwas objektive Kontrolle hat, wie viele Patienten der jeweilige Psychiater oder die jeweilige Klinik bereits um die Ecke gebracht haben.

    Ein Beipiel: Während meines ersten Klinikaufenthaltes, der ca. drei Monate dauerte, gab es in dieser Klinik KEINEN Selbstmordversuch. In meiner zweiten Klinik, etwa 5 bis 6 mal kleiner als die erste, gab es binnen 5 Wochen 4 Selbstmordversuche, davon einer gelungen. Dies lässt Rückschläge auf die Qualität der Ärzte zu.

    Bei unserem ADHS-Lieblingsarzt web4health beispielsweise kann ich auch nicht sagen, ob er über ADHS nicht nur gut reden und schreiben, sondern es auch behandeln kann. Zweifelos kann er es diagnostizieren. Sicherlich hat er Erfolge vorzuweisen und verfügt über zweifellos einen sehr guten Ruf, d.h. die meisten Leute, die bei ihm waren, wissen nur Gutes zu berichten. Er arbeitet allerdings auch nicht in einer Psychiaterie, sondern einer Reha-Klinik, das ist ungefähr ein Unterschied wie zwischen Schlachtbank und Kurhotel, banal ausgedrückt: er hat es nur mit leichten Fällen zu tun. Deshalb helfen bei ihm auch grundsätzlich die leichten Dosen.

    Ein anderes Beispiel: Ein Psychiater sagte mir mal: Glauben Sie mir, ich hatte in meiner ganzen psychiatrischen Karriere nur drei hoffnungslose Fälle. Und Sie sind einer davon. Damals war ich vollkommen davon überzeugt, dass ich es mit einem Dilettanten zu tun haben. Und bin zu einem anderern Psychiater gewechselt. Dass auch ich keinen blassen Schimmer davon habe, wie sich feststellen lässt, ob man es mit einem Dilettanten oder nicht zu tun hat, kannst Du schon dadurch sehen, dass ich einfach das Telefonbuch aufgeschlagen habe und den Psychiater angerufen habe, dessen Name mir am besten gefiel, das war ein Dr. Rausch. Ich dachte, wenn einer Rausch heisst, könnte er vielleicht ein paar Pillen verschreiben, die etwas bewirken, freilich bewirkten sie nichts. Danach ging ich zu einem Dr. M. Der war mir empfohlen worden. Er machte auch einen sehr kompetenten Eindruck. Wollte als erstes Wissen, wo ich vorher Behandlung gewesen bin. Da ich die Episode mit Dr. Rausch unerwähnt lassen wollte, erwähnte ich Dr. K. Wir erinnern uns, das war derjenigen, der in mir einen hoffnungslosen Fall sa. Dr. M. schnaubte laut und brummelte so etwas wie "Ausgerechnet der!" vor sich hin. Im Laufe der Behandlung kam heraus, dass sich eine ganze Division von hoffnungslosen Fällen (also nicht bloß drei) aus den Fängen von Dr. K. in die Praxisräume von Dr. M. gerettet haben. Mit der Aussage "Ausgerechnet der!" meinte dieser, dass er bei den Ex-Patienten von Dr. K. immer erst ein halbes Jahr brauche, sie von dessen sinnlosen bis gemeingefährlichen Medikamentenkombinationen zu befreien. Und erst wenn sie solchermaßen clean seien könnte er mit der eigentlichen medikamentösen Therapie erst beginnen. Überflüssig zu erwähnen, dass aber Dr. M. nur nutzlose Pillen verschrieb und noch nutzlosere Vorschläge machten, z.B. "Wie wär´s mit einer Psychotherapie..." Da mir der Satz bereits aus meiner intensiven Beschäftigung mit Psychiatern geläufig war, weil er immer an dem Punkt vorgebracht wird, an dem sich herausstellt, dass ihre Therapie bislang völlig für den Arsch gewesen ist, vervollständigte ich ihn von mir aus: "...denn wissen Sie, Medikamente alleine bringen nichts." Er war ganz verduzt, dass ich seine Meinung wie aus der Pistole geschossen vervollständigen konnte. Mein Antwort war: "Mit mir nicht mehr, suchen Sie sich einen anderen Idioten." Dann wollte er noch wissen, was ich gegen Psychotherapie einzuwenden hätte, ich sagte dann: "Wenn sie sich jede Woche eine Stunde lang beleidigen lassen wollen, bitte, ich lasse ihnen den Vortritt." Er reagierte ganz beleidigt. (Das tun Psychiater immer dann, wenn man ihnen auf die Schliche kommt, dass sie mit ihrem Gefasel gerade versuchen ihre Ratlosigkeit zu kaschieren.) Ich versuchte den armen Mann wieder aufzurichten, indem ich sagte: Also gut, Herr Dr., wir machen einen Kompromiss, sie nennen mir einen Psychologen in dieser Stadt, der kein offensichtlicher Dilettant ist, und ich mache eine Psychotherapie?" Da er zu der Sorte Psychiater gehörte, die keine Fotos von ihren Reit- und/oder Golfsporthobbys in ihrer Praxis hängen hatte, also zu den geistig Normaleren gehörte, antwortet er GAR NICHTS. Ihm war klar geworden, dass es sich bei mir um einen erfahrenen Psychiatristen handelt, dem man nicht so leicht irgendwas aufschwätzen kann. Da ich so gut wie er wusste, dass es in der Stadt keinen zurechnungsfähigen Psychologen gab, verstummte er. Das war wieder so ein Indiz, wo er mich sagte, der Typ ist vielleicht doch kein so großer Dilettant, wie es auf den ersten Blick scheint. Das war im übrigen zu der Zeit, als ich durch einen Bekannten aufgestachelt, den Eigenverdacht ADHS zu entwickeln begann. Kühn wie ich damals war (heute würde ich keinem normalem 08/15-Psychiater gegenüber das Wort ADHS auchnur erwähnen), sprach ich meinen Dr. gleich darauf an: "Wissen sie was, ich glaube es ist ADS, wir probieren mal Mph. Seine Antwort enttäuschte mich zwar etwas, rückblickend betrachtet, war sie aber gar nicht so schlecht gewesen. Es lief ungefähr so ab. Er sagte: "Das gibt es bei mir nicht." Ich fragte, was: ADHS oder Mph. "Er sagte, ADHS gibt es schon. Aber Mph gibt es nicht." Er gehörte also zu den 2 % aller Psychiater, die immerhin schonmal was von ADHS gehört hatten. Begründung war: "Die Behandlung von ADHS ist in Deutschland politisch nicht erwünscht. Und so lange wird das von mir auch nicht behandelt." OK., fair deal, ein Mann muss eine Meinung haben. ich blieb noch eine Weile bei ihm, weil ich dachte, so blöd ist der gar nicht. Als er dann aber eines Tages aus der FDP austrat, in die Piratenpartei eintrat, sich einen Bart anklebte und wild mit einem grauen Plastikschwert um sich fuchtelnd vor dem Rathaus auf und abgelaufen ist, wobei ihn ein Pressefotograph sichtete, spästestens da war mir wieder einmal klar geworden, dass ich es mir wieder mal eine ganze Weile lang schöngeredet hatte, dass ich es mit einem totalen Irren zu tun gehabt habe. Was ich damit sagen wollte, trotz meiner großen Erfahrung habe ich es beim besten Willen nicht einschätzen können, dass dieser Mann kurz davor war, total überzuschnappen, im wortwörtlichen Sinne.

    Man könnte sicherlich endlos weiterschreiben zum Thema Psychiater und ihre enge Verwandtschaft zum Dilettantismus. Problem daran ist: Es würde einem keine Sau glauben. Aus dem einfachen Grund, weil es niemand für möglich halten würde.

    Fazit aus meiner 15 Jahre ununterbrochen währenden intensiven Verbundenheit mit Psychiatern, muss ich sagen, die meisten Dilettanten befinden sich unter den Spezialisten, ob es sich um einen Schizophrenie-Spezialisten, Depressions-Spezialisten, ADHS-Spezialisten, Trauma-Spezialisten oder Sonstwie-Spezialisten handelt, meisst findet man hier die krassesten Dilettanten, weil diese Leute in aller Regel den Wald nicht mehr vor lauter Bäumen sehen, d.h. sie haben sich so auf ihr Thema versteift, dass sie im Laufe der Jahre bei allen anderen Themen überhaupt keinen Durchblick mehr entwickeln.

    Die wenigen psychiatrischen Profis, die es gibt, arbeiten symptombezogen. Während Dir die meisten Psychiater weiszumachen versuchen, dass die richtige Diagnose die Grundvoraussetzung für eine richtige Behandlung sei (währe gar nicht so schlecht der Gedanke, wenn sie eine richtige Diagnose stellen könnten, was aber, wie gesagt, in meisten Fällen nicht der Fall ist, von der richtigen Behandlung erst ganz zu schweigen), erkennt man tatsächliche Profis daran, dass sie auf Diagnosen scheißen und symptombezogen arbeiten. Also mit der Frage, was steht im Vordergrund? Dann kommen sie zum Beispiel zu dem Schluß: eine schwere Depression mit suizidalen Neigungen. Dann behandeln sie die Depression mit den suizidalen Neigungen. Ob dabei eine Schizophrenie vorliegt, ein ADHS, ein Asperger, ein PTBS, ein Borderline usw. geht wie gesagt erst einmal am Arsch vorbei. Eine der wenigen ernst zu nehmenden Psychiater in Europa ist beispielsweise: Prof. Brigitte Woggon in Zürich. Die Frage, ob ein Depressiver ADHS hat oder nicht, ist ihr ersteinmal wurscht, sie behandelt bei therapieresistenten Depressionen grundsätzlich mit Stimulanzien, Diagnosen, für die es keine konkrete Anleitung gibt, wie diese medikamentös zu behandeln seien, beispielsweise Borderline, stellt sie erst gar nicht, Neuroleptika setzt sie grundsätzlich nur bei Schizophrenen mit Plussymptomatik ein, Diagnosen wie schizoide Persönlichkeitsstörung oder sonstige Schizophrenie-Diagnosen ohne Plussymptomatik behandelt sie erst gar nicht. Weil wie gesagt die Symptome im Vordegrund stehen, die Kernsymptome eines Zustandes des Sich-Beschissen-Fühlens sind unabhängig wie gesagt dessen, welche psychische Störung zugrunde liegt, immer dieselben: 1. Depression, da gibt es die Grundtypen: antriebslos oder agitiert, 2. Angst, wobei auch die ganzen Angst-Diagnosen bei ihr nichts zählen, weil diese in den meisten Fällen agitierte Depressionen sind und 3. Schlaflosigkeit. Da die Schlaflosigkeit das quälendste Symptom ist, versucht sie dieses als allererstes in den Griff zu bekommen. Ob die Schlaflosigkeit wie gesagt da ist wegen einem Trauma oder einem ADHS oder der Depression oder der Angst oder usw. ist ihr völlig wurscht.

    Seriöse Psychiater wie beispielsweise web4health würden gerade eine solche Vorgehensweise als baren Dilettantismus bezeichnen. Ich wette sogar 50 Euro, dass web4health schon bei der Erwähnung des Wortesd "Zürich", wie ein Fuchs, dem man grad den Schweif rasiert hat, im Dreieck springen würde.

    Ich bin aber im Laufe der Jahre zu der Überzeugung gekommen, dass man an dieser symptombezogenen Arbeit eines Psychiaters letztlich durchaus die Spreu vom Weizen trennen kann. Die meisten Dilettanten gehen wie gesagt umgekehrt vor. Sie stellen eine Diagnose, die sie für unerschütterlich halten. Arbeiten dann die Therapiemöglichkeiten bei dieser Diagnose ab. Bringt das dann alles nichts, wird grundsätzlich allerdings nicht die Diagnose in Frage gestellt, sondern die Compliance des Patienten. Einige ganz große Spezialisten, geht beispielsweise die ADHS-Behandlung in die Hose, bringen es in ihrem Blog dann sogar zu einer Feststellung wie, wusstet ihr nicht, dass 50% aller ADHS-Fälle gar nicht auf Stimulanzien ansprechen. Das könnte man auch als vorauseilenden Dilettantismus bezeichnen. Solche Aussagen gibt es natürlich bei allen Diagnosen, bei der Schizophrenie z.B. heisst bei etwa einem Drittel ist Hopfen und Malz verloren. Würde man also diesem Schweizer Hobbypsychologen und seinem ADHS-Blog folgen, dann wäre die Behandlung von Schizophrenie wesentlich leichter als die von ADHS. Nur dass man mal sieht, mit was für Behauptungen es Leute zum ADHS-Spezialisten bringen, ohne dass das irgendjemanden auffallen würde, dass da etwas nicht recht stimmen kann.

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