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Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 7

    Ein Leben ohne Medikamente?

    Hallo ihr Lieben

    Bei mir wurde ja bereits in der Grundschule ADS diagnostiziert, seitdem nehme ich auch Medikamente. Ein Jahr lang haben wirs ohne Meds versucht, da wäre ich dann fast sitzengeblieben, es macht also einen enormen Unterschied. Ich will aber nicht mein ganzes Leben lang Medikamente nehmen müssen, zB. hat das Attentin das ich zurzeit nehme ja einige mögliche Nebenwirkungen wie plötzlichen Herztod (?!) denen ich mich nicht dauerhaft aussetzen möchte. Außerdem kommt von außen ja häufig der Vorwurf, sich durch die Medikamente einen Vorteil zu verschaffen, und auch die psychischen Nebenwirkungen will ich nicht ewig ertragen.

    Gibt es welche unter euch die es geschafft haben die Medikemente abzusetzen und die Leistung trotzdem beizubehalten? Oder gibt es homöopathische Mittel mit ähnlicher Wirkung?

    Dank und Gruß
    Adoria

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.410

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Liebe Adoria,

    wenn du Diabetikerin wärst und dein Körper nicht ausreichend Insulin herstellen könnte, würdest du doch auch lieber dein Leben lang deine Ernährung entsprechend anpassen und zusätzlich Insulin spritzen als an den Folgen zu sterben, oder?

    Unsere Gehirne haben ein Problem mit der Reizweiterleitung und Reizfilterung dadurch, dass nicht genügend Noradrenalin und Dopamin an den Synapsen aufgenommen werden kann. Das ist angeboren. Bei jedem ist die Ausprägung anders. Von daher gibt es Menschen mit ADHS. die durch Training von Kindheit an das Gehirn so weiter entwickelt haben, dass gewisse fehlende Strukturen sich verändert haben oder aber man genügend Strategien entwickelt hat, um sich der Problematik ständig bewußt zu sein und damit leben zu können. Leider funktioniert das nicht bei jedem identisch gut oder schlecht, so dass man da keine allgemeinen Ratschläge oder Hinweise geben kann. Wichtig ist, dass man lernt, sich selbst zu beobachten und weiss, was man kann und wo man Hilfe braucht und sei die Hilfe nur durch ein Medikament, damit es einem normal geht. Denn nichts anderes passiert bei der medikamentösen Behandlung: Das Gehirn wird auf die Leistungsfähigkeit eines durchschnittlichen Menschen gebracht. Klar verändert sich das Gehirn lebenslang, ansonsten würde VT und Ergo oder Neurofeedback nichts bringen. Und wenn sich durch diese zusätzlichenTherapien etwas verbessert hat, wirst du vermutlich merken, dass du überdosiert bist. Aber bis dahin solltest du dir selbst den Gefallen tun und dich an deinen Erfolgen mit MPH messen.

    Ich habe meine Ärztin letztes Jahr gefragt, ob sie Erfahrungswerte hat, ob man jemals ein normales Arbeitsleben führen kann, wenn die wirklichen Problem erst im Arbeitsleben aufgetaucht sind. Sie druckste lange rum und sagte dann, dass sie einen Patienten hat, der nach 7 Jahren Medikamenten frei lebt und damit bisher klarkommt. Das heißt für mich im Umkehrschluss, dass ich erstmal MPH ohne Auslassversuch nehmen werde, denn es erleichtert mir meinen Alltag ungemein. Zumal ich es finanziell nicht immer hin bekomme, mir rechtzeitig das neu Rezept zu holen...da merke ich dann gewaltig den Unterschied mit und ohne MPH.

    Weißt du, ich bin dankbar, dass ich das MPH bekomme, denn ansonsten hätte ich meinen Beruf komplett aufgeben müssen. So habe ich aber die Chance, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und so zu gestalten, wie ich es möchte, denn leider muss mir mein Beruf Spass machen, ich kann nicht arbeiten, um nur Geld zu verdienen, dass geht nicht lange gut. Allerdings muss er auch soviel abwerfen, dass ich davon leben kann, zwar ohne jeglichen Luxus, aber immerhin leben und das geht nur mit MPH.

    Ab und an nehme ich mal ein Ernährungsergänzungspräpara t mit Omega 3- und Omega 6-Fettsäurn sowie Zink und Magnesium. Da habe ich den subjektiven EIndruck, dass das ein bischen was bringt.

    Was Homöopatisches ist mir nicht bekannt.

    Und zum Beipackzettel: Der ist in erster Linie ein Haftungsausschluss für die Pharmafirmen. Wenn jemand an Herzversagen stirbt und auch MPH genommen hat, muss nicht geprüft werden, ob das MPH am Tod schuld ist, denn im Beipackzettel stand ja schon, kann in weniger als 1 von 10.000 Fällen passieren. Steht es im Beipackzettel, haftet der der Hersteller nicht. Ist jetzt eine Testperson gestorben und man weiss nicht genau woran, wird das auf jeden Fall aufgenommen, weil dann die eventuelle Haftung weg ist, falls tatsächlich mal jkemand stribt, weil er das Medikament nicht verträgt, eventuelle Vorschäden des Verstorbenen der Packungsbeilage werden dabei - glaub ich mich erinnern zu können - nicht berücksichtigt.

    Eigentlich kann der plötzliche Herztod nicht vorkommen, weil man ja langsam an das Medikament gewöhnt wird und vor der aller ersten Einnahme ein EKG vorliegen muss, das in Ordnung ist.

    Wenn du noch Fragen hast, immer raus damit, ich bin allerdings erst Freitag wieder online.

    LG Trine

  3. #3
    ADHD-Squirrel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 437

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Einen Vorteil verschafft man sich sicher nicht, ich denke man kann eher mit den Normalos mithalten als sonst. So ein Vorwurf ist schon der Hammer.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    @Fluttershy:
    Natürlich ist der Vorwurf heftig... aber die meisten haben eben keine Ahnung was ADS ist und denken das wär nur eine Ausrede für Faulheit oder Unlust.

    @Trine:
    Danke für deine ausführliche Antwort.
    Das mit dem Haftungsausschuss wusste ich zum Beispiel nicht, ich dachte das beruhe auf Statistiken und Berechnungen.^^
    Geprüft wurde bei mir vor der Verschreibung jedenfalls nichts, meine Ärztin meinte es gäbe da ein neues Medikament, ob ich das mal würde ausprobieren wollen.

    Klar bin ich auch dankbar dafür dass ich die Medikamente habe, ansonsten hätte ichs niemals bis zum Abi geschafft. Ich will ja auch nicht einen auf stark machen, nach dem Motto: ''ich brauch keine Drogen um gut zu sein!''. Mit bin ich eben einfach besser.
    Aber mein Leben lang immer wieder zum Arzt zu dackeln um mir meine Rezepte zu holen... du hast wohl Recht, es ist etwas wie Diabetes. Ich werd mal mit meiner Ärztin reden, vielleicht gibts da ja Neuigkeiten auf dem ADS-Markt. *lach

    Jedenfalls vielen Dank und liebe Grüße
    Adoria

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 172

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Hm, ich sehe das sehr ähnlich wie Trine und finde, sie hat das sehr gut zusammengefasst...

    Was mir zusätzlich noch einfällt ist, dass in diesem Zusammenhang wichtig ist, den Entwicklungscharakter von ADHS zu beachten- d.h. sich zu erinnern, dass ADHS ja eine quantitative,chronische Verzögerung der Gehirnreifung im Bezug auf die Selbststeuerung darstellt.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, könnte es also bis zum Alter von ca. 35 durch die fortschreitende Gehirnreifung noch zu Verbesserungen kommen, sodass im Einzelfall dann weniger Medikamente nötig sein könnten...
    Geändert von Addler86 (25.10.2012 um 22:07 Uhr)

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Hallo Adoria,

    ich denke man merkt irgendwann wenn man auf das Medikament verzichten kann, man hat ein Gefühl dafür.
    Ich setze es jedes Wochenende ab und probiere auch mal einzelne Arbeitstage ohne, aber solange ich so gravierende Unterschieds mit und ohne merke und nicht unter Nebenwirkungen leider werde ich es dauerhaft weiternehmen, egal wer was dazu sagt. Und mein Arzt bestätigt mich in meiner Vorgehensweise.

    ich stelle mir deine Fragen aber auch immer mal wieder, da ich das Ritalin LA nun auch schon mehrere Jahre nehme und das urspr. nicht so geplant hatte...Mache auch immer jährliche Auslassversuche von 1-2 Wochen im Urlaub. Und erreiche dann schnell wieder meinen alten Stresslevel.

    Ich sage mir immer ich habe früher einfach alles schon probiert, Therapien, Homöopathie etc.- deswegen bin ich mir dann doch wieder sicher, das die dauerhafte Medikamenteneinnahme für mich einfach passt.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 157

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Hallo,

    bei mir kommt das wellenweise. Je nach Lebenssituation brauche ich wieder MPH. Dann gibt es aber Phasen, in denen ich völlig ohne auskomme und die waren teilweise mehrere Jahre lang. Meine erste Ärztin, die sich aus eigener Betroffenheit sehr gut auskannte, sagte mal, "Ihr kommt alle wieder".

    Absetzen war für mich nie ein Problem, das hat von einem Tag auf den anderen geklappt. Meist war ich dann in einer Situation, in der ich stark gefordert war und dadurch wurde die Hypoaktivität in den Hintergrund gedrängt. Kommt dann wieder die Routine und treten Stressfaktoren auf, muss ich wieder zu MPH greifen.

    Mir hat mal jemand gesagt, ich sei in der Lage, alle möglichen Situationen mit allen Verästelungen gleichzeitig durchzudenken (typisch ADS). Was ist wenn, was passiert dann und was passiert danach, usw.? Irgendwann ist die Netzstruktur so groß, dass das mein Kopf einfach nicht mehr mitmacht. Und dann kommt ja noch dazu, wenn ich hinter jeder Situation oder jeder Mimik Gefahr wittere, hypersensibel bin. Das Grübeln setzt ein. Dann ist wieder Zeit für MPH.

    Mein Fazit ist also, wenn ich spüre, es geht ohne, dann lasse ich es einfach weg, habe aber gelernt, es geht eben nicht auf Dauer. Dann ist es gut, einen Vorrat im Schrank zu haben, bis der Termin bei Doc steht.

    LG

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Hallo

    Erstmal vielen Dank für eure Antworten. Das Weglassen ist ja auch bei mir kein Problem, ich merke nur dass ich mehr esse, mehr Geld ausgebe, mir weniger Gedanken um die Schule mache... und plötzlich krieg ich Noten präsentiert, die ich nie haben wollte.Bei mir läuft das schleichend.

    Meine Ärztin meint ich könnte durchaus versuchen die Meds nach dem Abi wegzulassen, allerdings sollte ich mir keinen Stress machen. Nachdem was ich von euch so lese denke ich inzwischen eher umgekehrt... ich sollte die Medikemente weiternehmen und kanns ab und zu mal ohne probieren. Durch Magie wird das ADS ja auch nicht verschwinden.

    @Addler86:
    Das ist ja interessant. Nach dem was ich gehört habe entscheidet sich in den frühen 20ern ob man das ADS loswird oder nicht. 35 klingt natürlich viel besser.

    Lieben Gruß
    Adoria

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 109

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Hallo Adoria,
    ich habe zum Glück mein Leben lang keine Medikamente nehmen müssen.
    Als ich zur Schule ging war der Druck noch nicht so groß, der auf Schülern lastet.
    Ich habe hier noch nicht viel lesen können, aber es scheint mir, daß es wichtig ist das eine alternative Therapie früh genug begonnen wird.
    Du hattest eine frühe Diagnose, und wurdest direkt auf Medikamente gesetzt, oder wurden noch andere Wege eingeschlagen?
    Was ist denn heute der übliche Weg?

    Al

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose seit Kindheit
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 81

    AW: Ein Leben ohne Medikamente?

    Hallo Adoria!

    Ein sehr interesantes Thema hast du da angefangen. Ich nehme seit ca.1997 MPH (immer wieder mit ein paar jahren unterbrechung) das ging bei mir aber nur dann wenn ich feste Strukturen um mich rum hatte. Seit ich arbeite 3,5 Jahre nehme ich durchgehend Medis. Allerdings nehme ich mir die Freiheit sie wenn ich Urlaub habe oder wenn am WE nichts ist (ich nicht klamotten einkaufen oder in andere große Läden muss) keine Medis zu nehmen. Ich merke den Unterschied deutlich, aber in diesen Zeiten ist es für mich ok. Für mich fahre ich damit ganz gut, ich nehme sie wirklich nur wenn ich sie brauche und habe dadurch auch die möglichkeit zu merken ob ich auch mit weniger hinkomme.
    Für mich ist es gerade sehr spannend, da ich gerade dabei bin meine Medis runter zu fahren. Da ich gerne Kinder haben möchte, geht kein Weg daran vorbei wenn ich Organschäden etc. vermeiden möchte. Leider muss man das machen bevor man schwanger wird, da Organe in den ersten drei Wochen angelegt werden und man da meistens noch nicht weiß das man schwanger ist.
    Wir (mein Mann und ich) haben uns überlegt, das Thema Familienzuwachs nächstes Jahr in angriff zu nehmen und ich habe mir darum zum Ziel gesetzt zum 01.01.2013 ohne medis zu sein. Das ist für mich gerade der volle Anreiz alles zu machen und zu tun um mein Leben so zu gestalten, dass es auch ohne funktioniert. Ich gehe jetzt alle 3 Wochen 10mg runter und muss sagen, dass ichs bisher ganz gut schaffe.
    Bitte drückt mir die Daumen, dass es ab Donnerstag weiter so gut läuft (da geh ich dann von 50mg auf 40mg runter).

    @Adler86: Das Gehirn ist immer in der Lage zu lernen, egal in welchem Alter. Man kann die Dosis auch durch Struktur, Sport, etc. runter bekommen. Bzw. Wenn man es geschickt löst und sein Leben im "Pipi Langstrumpfsysthem" ums ADS baut, kann es auch ohne gehen. Der Weg dahin ist halt weit, steinig und holprig. Aber man kann vieles kompensieren habe ich so festgestellt. Außerdem wer legt denn fest was normal ist. Ich find mich völlig normal! Ich mag mich so wie ich bin!

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