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Diskutiere im Thema Habe Angst vor Folgen im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 594

    Habe Angst vor Folgen

    huhu!

    Ich nehme nun seit fast 17 Jahren Ritalin und ich habe große Schwierigkeiten seit ich junger Erwachsener bin mich mit zufrieden zu geben.
    Die größte Angst gilt dabei den gesundheitlichen Folgen der Langzeittherapie mit Ritalin.
    In einem Experment( habe zwei Jahre ohne Ritalin gelebt) habe ich bereits mit 19 die ersten Folgen gespürt.
    Ich habe durch das Ritalin nie gelernt meine eigenen Gefühle zu steuern. Ritalin tut es ja für mich.
    Mein Wachstum wurde sehr gebremst durch MPH.Das nächste ist, dass ich as erste Mal in meinem Leben ohne Ritalin, dass gefühl hatte 100% ich zu sein ohne von Medikamenten gesteuert zu werden.
    Ok, sozial wie auch Beruflich ging es Berg ab.....
    Heute fällt mir folgendes unter Ritalin auf:
    Kopfschmerzen, Müdigkeit, schnellere Herzschlag, Appettit- und durstlosigkeit, vermehrtes Schwitzen....das sind so die groben alltäglichen normalen Nebenwirkungen von Mph.
    Was mir aber sehr zu schaffen macht sind weniger die körperlichen Nebenwirkungen.
    Viel mehr ist es die psychischen. Ich habe Angst vor unbekannten Folgeschäden( da Novatris mögliche Folgen entweder verschweigt oder verharmlost und es keine offiziellen Langzeit Studien gibt)
    Fakt ist ich will ich-sein und das ohne mich wie ein Junkie zu fühlen und von Medikamenten gesteuert zu werden.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Habe Angst vor Folgen

    Ich weiß nicht wie es sich anfühlet wenn man 17 Jahre lang Methylphenidat genommen hat, aber ich weiss wie es sich anfühlt wenn man über 40 Jahre lang kein Methylphendat genommen hat.

    Ich habe durch das Ritalin nie gelernt meine eigenen Gefühle zu steuern. Ritalin tut es ja für mich.
    Ich glaube nicht dass du deine Gefühle nicht steuern kannst weil das Medikament das für dich macht, ich glaube eher dass du deine Gefühle nicht steuern kannst weil du ADHS hast. Dieses "Gefühle steuern", das "überhaupt erst mal merken was man fühlt" ist ein wesentlichere Brocken in meine Psychotherapie. Ich bin komplett unbehandelt und habe es auch ohne Medikament nicht gelernt. 1967 hiess es, als Valium und Belleragal nicht nutzten, lapidar " das wächst sich aus".

    Du machst doch Therapie, oder?

    Meine Meinung dazu ist inzwischen ganz klar: Ohne Therapie hilft MPH gut - aber nur vorübergehend. Die Therapie hilft langfristig. MPH und Therapie verstärken und bedingen sich teilweise wechselseitig.

    Es ist tatsächlich so dass du nicht gelernt hast deine Gefühle zu steuern aber nicht weil du MPH genommen hast. Sondern dann weil du verpasst hats es unter dem Einfluss von MPH zu üben.

    Die positive Nachricht: man ist nie zu alt das zu lernen.

    Mein Wachstum wurde sehr gebremst durch MPH.
    Das kannst du nicht sagen. ADHSler wachsen anders als "normale" und die These dass Kinder unter MPH kleiner bleiben ist inzwischen vom Tisch - auch wenn das noch im Beipackzettel steht. Allerdings gibt es Menschen denen es dermaßen en Appetit verschlägt dass sie wegen Nahrungsmangel weniger wachsen - dann ist der Fall klar: absetzen!

    Das nächste ist, dass ich as erste Mal in meinem Leben ohne Ritalin, dass gefühl hatte 100% ich zu sein ohne von Medikamenten gesteuert zu werden.
    Komisch, mit geht es grad anders rum. Ich bin endlich so kontrolliert wie ich es schon immer sein wollte ... nicht "Roboterhaft" sondern so dass ich mich immer wieder über das wundere was ich gerade eben gesagt habe.

    Kopfschmerzen, Müdigkeit, schnellere Herzschlag, Appettit- und durstlosigkeit, vermehrtes Schwitzen....das sind so die groben alltäglichen normalen Nebenwirkungen von Mph.
    Das sind massive Nebenwirkungen und zwar die Sorte die man bei zu hoher Dosis bekommt.

    Viel mehr ist es die psychischen.
    Ich habe Angst vor unbekannten Folgeschäden( da Novatris mögliche Folgen entweder verschweigt oder verharmlost und es keine offiziellen Langzeit Studien gibt)
    Fakt ist ich will ich-sein und das ohne mich wie ein Junkie zu fühlen und von Medikamenten gesteuert zu werden.
    Angst vor BigPharma ist keine Nebenwirkung sonder mangelndes Vertrauen.

    Ich bin mir sicher dass es keine geheimen Studien gibt, ich glaube nicht an die Pharma-Veschwörung. Klar wollen die Geld verdienen aber die wollen auch niemanden vergiften. Ich kenne genug die im Pharmabereich arbeiten - das sind auch nur Menschen.
    Geld verdient die Branche übrigens mit neuen Medikamenten und nicht mit uraltem Zeug ohne Patentschutz dass in Indien und China zusammengerührt und für einen Klicker und eine Knopf verkauft wird "Ritalin" ist in ungewöhnlich billiges Medikament. Was glaubst du ist einer der Gründe dass es keine Erwachsenenzulassugn hat? Und warum Medikinet eine Parallelzulassung ist und Erwachsene sich mit Medikamenten für Schüler rumplagen müssen? Einer der Gründe: Die Zulassung ist teuer. Lohnt nicht.

    Ausserdem: es gibt dermassen viele Studien über MPH, von allen möglichen sowohl unabhängigen Instituten als auch verscheidenen Firmen, da liegt alles auf dem Tisch. Auch danke der ideologischen Ritalinkritik bin ich sicher dass da nichts verborgen bleibt. Die wenigen Studien, die ein Langzeitrisiko vermuten, stellen ich bei näherer Betrachtung als Unsinn an der Grenze zur Fälschung heraus - etwa die fünf armen Göttinger Ratten.

    Ferner bin ich mir sicher dass häufigere Langzeitfolgen schon aufgefallen wären. Das Mittel ist lange genug auf dem Markt.

    Aber gute Güte ... wenn du dich wie ein Junkie fühlst weil du jeden Tag Tabletten nimmst, wenn du Herzrasen hast, keinen Hunger - lass sie um Gottes willen weg!

    Die Pillen sind ein Prothese, ohne humpelst du eben ein bisschen mehr, aber wenn die Protese am Stumpf mehr drückt als hilft - weg damit.

    Aber vernachlässige die Therapie nicht!

    Die ist nämlich wichtiger als das Medikament. Viel wichtiger. Sonst geht Job, Familie Privates wirklich den Bach runter.
    Geändert von Wildfang (13.09.2012 um 09:46 Uhr)

  3. #3
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 594

    AW: Habe Angst vor Folgen

    huhu!

    Ja, ich mache auch Therapie. Insgesamt denke ich, dass es bei mir ne Überdosierung ist.. aber das will ich bei der nächsten Sitzung mal ansprechen.....

    Wie gesagt, ich mache mir meine Gedanken man liest viel über Ritalin.. angebliches... es verwirrt mich.. ich meine ich bin jung....

    Es sind Gefühle mit denen man kämpft wenn man fast sein ganzes Leben lang Medikamente nimmt.

    Mir ist klar, wie hilfreich MPH in der richtigen Dosis ist und auch das sich diese ändern kann, was die aktuellen Nebenwirkungen erklärt.

    Trotzdem, ich meine die Angst die ich habe ist nicht unbegründet. Ich frage mich, welche Alternativen neben den medikamenten vorhanden sind.

    Es ist doch normal dass man sich sorgen macht... ok es gibt mehrere Verschwörungstheorien...aber nach wie vor sind Langzeitfolgen von Kindesalter bis ins hohe Alter unerforscht. Bis jetzt wurde MPH ja nicht bei Erwachsenen eingesetzt( wird es erst seit kurzen) dem zu Folge gibt es keine Studien über Folgen von 30- 50 Jahren Ritalin einahme das meinte ich.

    Mir kommt es komisch vor, das in den USA immer mehr klagen gegen Pharmafirmen kommen, wenn doch Ritalin bei ADHS so harmlos ist....

    Ich meine Ritalin fällt unter das BTM und das sicher nicht ohne Grund.

    Auf der anderen Seite, habe ich in den zwei Jahren ohne Ritalin gemerkt wie es sozial Berg ab ging...beruflich auch...

    Gut, das mit den Gefühlen mag sein...evtl. denk ich da so, weil ich es kaum ohne Ritalin kenne.
    Bei mir wirkt es sehr extrem. Wenn ich Ritalin genommen habe bin ich innerhalb 10 min ein anderer Mensch. Und das können einige hier im Forum sogar bestättigen

    Man darf nicht ausser acht lassen, das Ritalin bei jedem unterschiedlich wirken kann.

  4. #4
    Chaoten-Weib

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 2.544

    AW: Habe Angst vor Folgen

    Hi Lucky,

    dann besprich das doch mal mit deinem Arzt, ob du nicht etwas anderes als Ritalin bekommen kannst. Du hast dich ja auch verändert. Du nimmst Ritalin seit 17 Jahren. Jetzt bist du
    22 Jahre jung. Vielleicht benötigst du wirklich etwas anderes. Jedes Medikament wirkt bei jedem Menschen anders. Und dass du eine Therapie machst finde ich total gut.

    Und ja, wie Wildfang sagte, setz es ab das Ritalin, wenn du kein Vertrauen in das Medikament hast. Aber das alles, was Wildfang oben schrieb, stimmt total, in allen Punkten.
    Ich bewundere hier im Forum öfter, wie gut sich einige hier ausdrücken können *schäm*.

    Ich wünschte ich würde endlich Medis bekommen. Aber bei mir ist noch ein anderer Punkt nämlich meine Schilddrüse, die Werte machen es den Ärzten zur Zeit unmöglich, sich auf eine
    feste Diagnose ADS zu einigen. Ich war 3 Wochen in einer Psychiatrie und meine Hoffnung, endlich einmal Verständnis zu bekommen, wurde erst einmal vernichtet. Ich habe keinerlei Symptome einer Überfunktion....im Gegenteil....ich habe Symptome einer Unterfunktion. ALLE Symptome, die dort beobachtet wurden, können nicht NUR die Schilddrüse sein. Aber egal.
    Ich bin neidisch auf dich und auf alle anderen hier, die Medikamente bekommen. Weil man dann selber entscheiden kann, ob man sie nimmt. Oder etwas anderes ausprobiert, wenn es nicht
    so wirkt wie man es sich erhofft hat. Aber man hat selbst die Wahl. Genauso wie du.

    Ich wünsche mir manchmal, dass ich keinen Diabetes mehr hätte. ich habe ihn nun 41 Jahre in schwerster Form und ich möchte eine Stunde nur mal ohne Diabetes sein. Ich weiss nicht mehr, wie es sich anfühlt. Aber wenn ich mein Insulin weg lasse, dann werde ich früher oder später hopps gehen. Den Vorteil hast du, du gehst nicht hopps, wenn du dein Ritalin nicht mehr nehmen möchtest.
    Weisst du was ich dir damit sagen möchte? DU HAST DIE WAHL. Freu dich !

    lg

    Heike

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Habe Angst vor Folgen

    Wie gesagt, ich mache mir meine Gedanken man liest viel über Ritalin.. angebliches... es verwirrt mich.. ich meine ich bin jung....
    Ich will hier jetzt keine Gegenverschwörungstheorien lancieren aber man muss gerade bei der Ritalin-Debatte immer im Hinterkopf haben das es Leute und Gruppen gibt die sehr ideologisch und unsachlich gegen Psychiatrie, Psychopharmaka im allgemeinen und Methylphenidat im Besonderen sind. Zudem sind gerade Deutsche schon wegen ihrer Geschichte empfindliche gegen die Wortverbindung Kinder-Psychiatire und zddem sind wir noch besonders empfängliche für Pseudomedizin und irrationales, das geht zurück auf die Ideologie der 20 und 30 Jahre. Das trifft nicht nur ADHS, das aber besonders einfach weil es häufig ist - ey, wir sind im Medizinischen Sinne keine Exoten!

    Zu den kursierenden Meldungen: http://www.zentrales-adhs-netz.de/up...DHS_Mrz_01.pdf

    Trotzdem, ich meine die Angst die ich habe ist nicht unbegründet. Ich frage mich, welche Alternativen neben den medikamenten vorhanden sind.
    Was sehr vernünftig ist.

    aber nach wie vor sind Langzeitfolgen von Kindesalter bis ins hohe Alter unerforscht. Bis jetzt wurde MPH ja nicht bei Erwachsenen eingesetzt( wird es erst seit kurzen) dem zu Folge gibt es keine Studien über Folgen von 30- 50 Jahren Ritalin einahme das meinte ich.
    Es gibt sehr wohl einzelne Menschen die schon 20, 30 Jahre MPH nehmen aber es stimmt, es gibt keine guten Studien über einen so langen Zeitraum. Aber das gibt es bei keinem Medikament einfach weil das praktisch nicht durchführbar ist. Ich glaub man ist bisher auf 16 Jahre gekommen wenn ich mich nicht täusche - müsste ich raussuchen - und da bröckeln die Teilnehmerzahlen schon heftigst. Vergiss nicht, um eine wirklich gute Aussage über auch seltene Nebenwirkungen zu machen brauchst du nicht ein paar Dutzend sondern einige 10.000 Probanden.

    Mir kommt es komisch vor, das in den USA immer mehr klagen gegen Pharmafirmen kommen, wenn doch Ritalin bei ADHS so harmlos ist....
    Ist das so? Wär mir neu. Sind die Klagen begründet? Du weisst, die Amis sind klagewütig. Hatte eine Klage Erfolg? Du weisst, die Geschworenen-Gerichte in den USA sind sehr unabhänig und unberechenbar.

    Ich meine Ritalin fällt unter das BTM und das sicher nicht ohne Grund.
    Klar, und das ist auch gut so. Dafür gibt es zwei gute Gründe.
    1. Es gibt Idioten gibt die meinen, sie könnten sich mit MPH aufputschen oder abnehmen was dann bis 1972, als es unter das BTM gestellt wurde, regelmässig zu drastischen gesundheiltichen Probemen geführt hat. Kein Wunder wenn man sich 120mg und mehr reintut um die Nacht durchzutanzen oder um Abzunehmen. Das muss schief gehen.
    2. Man kann Drogen aus MPH synthetisieren. Es ist also ein Drofgengrundstoff.
    3. Bei sehr drastischer Fehlanwendng (siehe Punkt 1) kann MPH eine Sucht auslösen. Allerdings ist das schwer und selten - meine Ärztin dazu: "Ich kenn viele Kollegen und keinem ist das in den vergangenen 20 Jahren untergekommen".
    Ups, jetzt sind es drei Gründe.

    Bei mir wirkt es sehr extrem. Wenn ich Ritalin genommen habe bin ich innerhalb 10 min ein anderer Mensch. Und das können einige hier im Forum sogar bestättigen
    Bei mir dauert es 20 bis 25 Minuten. Klick. Und ich bin dann ich. Endlich. Hätt' ich das mal schon als Jugendlicher gehabt ... viele Probleme hätte ich nicht gehabt aber vielleicht würde ich mir dann heute deinen Schädel machen? Wer weiss?

    Geändert von Wildfang (13.09.2012 um 13:09 Uhr)

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 222

    AW: Habe Angst vor Folgen

    Auf der anderen Seite, habe ich in den zwei Jahren ohne Ritalin gemerkt wie es sozial Berg ab ging...beruflich auch...
    und die ursache siehst du darin, dass du nie gelernt hast ohne ritalin klarzukomen?

    ich würde wahrscheinlich auch meine ganze "ich"-entwicklung in frage stellen, wenn ich 17 jahre (vor allem während des erwachsen werdens) ritalin genommen habe. das ist schon eine recht schwierige frage, weil man mit/ohne ritalin ein stark verändertes verhalten aufweisen kann...wie hätte man sich entwickeln können, wenn man ohne ritalin aufgewachsen wäre? hätte man bewältigungsstrategien entwickelt, so dass man jetzt ohne auskommen würde?

    so gesehen haben alle, die erst im erwachsenenalter diagnostiziert werden "besser" - sie wissen, dass sie 'was sie sind' ohne mph geworden sind und sie haben über 5,10, 15+ jahre die erfahrung sammeln können, dass es keine alternative gibt. leider verliert man in dieser zeit zahlreiche freunde, jobs, geld, wohnungen, chancen und sammelt ängste, depressionen, unfälle, ungewollte schwangerschaften, ex-freunde, ex-ehen, streits, psychosomatische erkrankungen

    ich glaube du bist an einem punkt, an dem du gewissheit suchst, ob du es auch wirklich "brauchst". als kind haben deine eltern die entscheidung getroffen. eine phase ohne mph vielleicht ganz gut. aber wie lange soll die dauern? wie lange möchtest du versuchen, strategien zu entwickeln, mit der option, dass es möglicherweise nicht gelingt?

    persönlich habe ich 10 jahre meines erwachsenenlebens gebraucht, um das bewusstsein zu entwickeln, dass es kein persönliches fehlverhalten ist, sondern ein nicht-können. es wird wahrscheinlich nochmal 10 jahre brauchen, um die sozialen, finanziellen, gesundheitlichen folgen auszugleichen, sofern sie sich ausgleichen lassen.

    vielleicht kannst du ein kompromiss mit dir finden. z. B. dass du dir erlaubst in regelmäßgigen abständen einen neuen "ohne"-versuch zu starten (bis ca. 27 kann sich tatsächlich noch einiges verändern). aber sobald sich dein leben zu stark verschlechtet wieder zurückkehrst?

    wahrscheinlich hast du tatsächlich das gefühl "abhängig" zu sein von einem mittel. medikationsgegner stellen sich vor, dass der "freie wille" eingeschränkt wird und man gesellschaftskonform wird. näher an der wahrheit ist es wahrscheinlich, dass der "freie wille" überhaupt erst möglich wird.
    ja, man wird gesellschaftskonformer, weil sich die langfristigen wünsche eines adhsler's von anderen menschen im grunde nur wenig unterscheiden. jeder strebt nach freundschaft, sozialer teilhabe, geld, anerkennung/bestätigung. (manche adhs'ler entwerfen von sich das selbstbild eines einzelgänger's, super-kreativen, super-hochbegabten, um sich nicht mit der gesellschaftlichen mitte identifizieren zu müssen. für einen solchen inneren frieden braucht es aber auch jahre)

    vielleicht hilft dir das, um deine bisherige medikamentierung postiver zu sehen. und auch ein bisschen egoistischer zu denken. wieso solltest du jahre deines lebens verwenden, um herauszufinden, ob du auch ohne könntest? weil es in richtung "hirndoping" geht? auch so ein argument von mph-kritikern. leider mit falscher prämisse: sie setzen voraus das jeder mensch mit der gleichen intellektuellen leistungsfähigkeit, den gleichen sozialen und gesundheitlichen chancen auf die welt kommt. dem ist nicht nachweislich nicht so. jedem die gleichen zugang zum ausgleich von defiziten zu bieten, würde viel eher gerechtigkeit herstellen.

    das argument, dass man mit mph an eine leistungsgesellschaft "angepasst" wird ist nur pseudo-pro-adhs. gesetzt dem fall, alle können ohne arbeit existieren, müssten kein geld verdienen..selbst dann würde sich ein durchschnitt in den bereichen organisation, soziale fähigkeiten, arbeit usw. den eine vielzahl adhsler nicht erreichen könnten bzw. nur mit großer anstrengung. adhs ist kein gesellschaftliches problem - es ist ein individuelles, das unabhängig der umstände existiert.

    so gesehen sollte dein maßstab pro/contra mph dein persönliches, langfristiges "GLÜCK" sein.

    solange man sich frei entscheidet was-auch-immer zu konsumieren: sei es nikotin, alkohol, mph ect. ist es doch teil deiner person. mph ist wahrscheinlich auch schwierig zu akzeptieren, weil es nicht süchtig macht. bei alkohol und nikotin, wird dir diese entscheidung aufgrund des suchtverlangens vereinfacht. einen raucher würde man auch nie vorwerfen, er sei nicht "er-selbst", seine leistung wären nicht "seine" leistungen, obwohl nikotin auch dopaminerg wirkt.

  7. #7
    Chaoten-Weib

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 2.544

    AW: Habe Angst vor Folgen

    sorryforthat schreibt:

    so gesehen haben alle, die erst im erwachsenenalter diagnostiziert werden "besser" - sie wissen, dass sie 'was sie sind' ohne mph geworden sind und sie haben über 5,10, 15+ jahre die erfahrung sammeln können, dass es keine alternative gibt. leider verliert man in dieser zeit zahlreiche freunde, jobs, geld, wohnungen, chancen und sammelt ängste, depressionen, unfälle, ungewollte schwangerschaften, ex-freunde, ex-ehen, streits, psychosomatische erkrankungen

    .
    Du hast soooooo Recht sorryforthat.....so recht. Drück dich.....hab gerade fast geheult.

    lg

    Heike

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 594

    AW: Habe Angst vor Folgen

    huhu!

    Ich seh die Sache evtl. so, weil ich nicht weiß, wie es ist nicht als Kind diagnose zu bekommen und ewig mit Leben ohne zu wissen was mit mir ist.. das klingt verdammt hart...

    Ja, es stimmt ich habe es zwei Jahre ohne ausprobiert.. es war eine Katastrophe...ich fühlte mich zwar wohler, weil ich wircklich, das Gefühl hatte ich zu sein wie ich bin.. es war eine neue Erfahrung ohne Ritalin zu sein... aber ich bemerkte auch die Stimmungsschwankungen deutlich extremer....
    Naja der fakt spricht für sich, dass es damals nicht ohne ging... ich verlor meinen Job, sozial wurde ich abgestossen...ich wurde sogar am Ende depressiv....

    Ja mit der Gewissheit habt ihr Recht! Ich bin mir selbst sehr unsicher was die Medis angeht....dazu das ganze Krimskrams aus den Medien, wovon man net weiß, was stimmt und was net....

    Dann noch andere ADHSler mit denen man drüber redet, die dann meinen, dass es auch ohne geht und man sich gut fühlt....das verunsichert mich noch mehr.

    Über eins bin ich mir sogar zimlich Sicher: Ich muss mal die Dosis anpassen mit meinem arzt und der thera

    Ich danke euch für euere Beiträge!

    Ich denke, dass die Beiträge mir die Augen öffnen wie das Leben ohne Ritalin wäre.


    .

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 243

    AW: Habe Angst vor Folgen

    Hallo,

    es kann durchaus sein, dass Du mittlerweile viel weniger MPH brauchst, als früher. Es sind manchmal Spuren, die einem helfen in der Spur zu bleiben.

    Vielen Dank an den guten Beitrag mit dem vermasseltem Leben ohne MPH. Ich dachte, das ist doch mein verkorkster Lebensweg, von dem da gesprochen wurde.

    Dennoch ist es super gut verständlich, wenn man sich seiner noch so maroden Persönlichkeit nicht sicher ist, weil man immer durch ein Medikament von ihr ferngehalten und abgeschirmt wurde. Ich nehme Mph nun seit mehr als 10 Jahren und auch ich habe manchmal das Gefühl, dass alles nur ein Traum ist. Viel zu gut gehts mit MPH. Die 30 Jahre ohne, waren eine absolute Horrorfahrt. Ich hatte mein Leben komplett in den Sand gerammt und versuche seit der ersten Tablette Ritalin mit Aha-effekt nun meine tiefzerklüftete mit Bombenkratern verseuchte Lebenslandschaft zu bereinigen, neu zu gestalten und anzunehmen, was sicher das allerschwerste dabei ist.

    Die Selbstentfremdung hatte über all die Jahre ohne MPH stetig zugenommen, weil ich mein Handeln überhaupt nicht nachvollziehen und überhaupt nicht akzeptieren konnte. Sie ist leider noch immer da, weil ich eben mein Leben so gründlich in den Sand gesetzt habe, dass ich mich kaum noch mit den Restbeständen identifizieren kann. Und das macht oreintierungslos und depressiv. Noch so Folgen einer unbehandleten ADHS.

    So ist das leider, wenn man jahrelang völig kopflos und impulsiv in der Weltgeschichte rumgeflippt ist. Ich danke Gott, wenn es ihn irgendwo gibt, dass ich durch das MPH nicht in irgendeiner Klaps versauert bin...ich bin hier und nehme als normal denkender Mensch am allgemeinem Leben teil...und dafür bin ich gerne bereit ein Leben lang MPH zu nehmen.

    Es ist pure Lebensqualität, es ist Selbstschutz, es ist Fremdschutz, ich bin erst durch MPH lernfähig geworden und einsichtig in mein Fehlverhalten...das habe ich ohne MPH überhaupt nicht geblickt. Ich konnte den anderen Mitmenschen überhaupt nicht spüren, weil ich so mit meinem Überleben zu tun hatte. Welch grausames Dasein ich aushalten musste.

    Meine Gedankenzwänge hätten mich aufgefressen, meine Einsamkeit hätte mich in den Wahnsinn getrieben, meine Verzweiflung nicht zu können, wie ich wollte, hätte mich sonstwohin gebracht...DANKE DANKE für den Segen MPH zu bekommen und meiner nun konstanten Bereitschaft mich fortlaufend zu reflektieren und innerlich zurücknehmen zu lernen. Ich kann planen, bleibe an meinem Projekten dran, auch wenns unerträglich wird und ich alles aus dem Fenster schmeißen wollte, es ist alles leichter, alles erträglicher.

    Ich fühle mich endlich nüchtern und klar. Mein Leben war eine Schnapsfahrt auf weichen, faulen Eiern, obwohl ich selten Alkohol getrunken habe. Ich war besoffen von den mich überschwemmenden Außenreizen und meinem Zuvielmitkriegen...Nie, nie wieder!

    Setz Dich in Ruhe mit Dir auseinander. Es ist ein Prozess, ein lebenslanger Prozess. Wir sind anders und das müssen wir akzeptieren lernen...wir brauchen uns dafür weder zu schämen, noch zu rechtfertigen. Verstehen können das sowieso nur die, die selber betroffen sind. Also packs an, es lohnt sich!

    Liebe Grüße
    Rosenfee
    Geändert von Rosenfee (14.09.2012 um 00:13 Uhr)

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Habe Angst vor Folgen

    Lucky89 schreibt:
    huhu!

    Ich nehme nun seit fast 17 Jahren Ritalin und ich habe große Schwierigkeiten seit ich junger Erwachsener bin mich mit zufrieden zu geben.
    Die größte Angst gilt dabei den gesundheitlichen Folgen der Langzeittherapie mit Ritalin.
    In einem Experment( habe zwei Jahre ohne Ritalin gelebt) habe ich bereits mit 19 die ersten Folgen gespürt.
    Ich habe durch das Ritalin nie gelernt meine eigenen Gefühle zu steuern. Ritalin tut es ja für mich.
    Mein Wachstum wurde sehr gebremst durch MPH.Das nächste ist, dass ich as erste Mal in meinem Leben ohne Ritalin, dass gefühl hatte 100% ich zu sein ohne von Medikamenten gesteuert zu werden.
    Ok, sozial wie auch Beruflich ging es Berg ab.....
    Heute fällt mir folgendes unter Ritalin auf:
    Kopfschmerzen, Müdigkeit, schnellere Herzschlag, Appettit- und durstlosigkeit, vermehrtes Schwitzen....das sind so die groben alltäglichen normalen Nebenwirkungen von Mph.
    Was mir aber sehr zu schaffen macht sind weniger die körperlichen Nebenwirkungen.
    Viel mehr ist es die psychischen. Ich habe Angst vor unbekannten Folgeschäden( da Novatris mögliche Folgen entweder verschweigt oder verharmlost und es keine offiziellen Langzeit Studien gibt)
    Fakt ist ich will ich-sein und das ohne mich wie ein Junkie zu fühlen und von Medikamenten gesteuert zu werden.
    Nimm ein anderes Medikament wie zB. Methylphenidat (hab ich 5 Jahre genommen ohne Folgen)als Filmtablette oder das Medikinet Adult. Ich und meine Kinder konnten Ritalin nicht vertragen das führte unter anderem zu Wutausbrüchen und deiner beschriebenen Symtome.

    Gruß Ingo

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