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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 86

    Unglücklich Ich-ohne vs. Ich-mit-Medikament

    Hallo zusamm´. Ich versuche es kurz zu machen:

    1) Ich mit Medikation:
    Alle 3 Std. 10mg MPH, etwa 5 Stück pro Tag, Ergebnis des "Ich-mit-Medikation: Ausgeglichener, weniger impulsiv, gleichzeitig aber getriebener, entschlossener und handlungsfähiger statt nur grübelnd. Zudem sozial leichter "adaptable", sicherer was zwischenmenschliches Verständnis anbelangt, selbstsicherer. Außerdem: toleranter, weniger "negativ" & schlecht-machend, weniger depressiv, aufgeschlossener, sortierter, perspektivischer sehend, weniger reizanfällig (Bsp: Man kann vom Bad in die Küche gehen OHNE zig Dinge unterwegs machen zu wollen oder zu müssen). Auch habe ich das Gefühl innerhalb der Medikation Dinge "klären zu wollen", Fehler einzusehen (oder alles als meine eigene Schuld einzugestehen, was auch immer!?), mich vertragen zu wollen mit irgendwem, total friedlich zu sein und zuvorkommend, extrem harmoniebedürftig zu werden!!?


    2) Ich-ohne-Medikation:
    Wenig tolerant, besserwisserisch, teils verbittert und sauer oder depressiv, perspektivlos, angsterfüllt, unsicher, überheblich statt selbstsicher, andere abwertend, reizanfällig, impulsiv, teils unkontrollierter (was mir unter Medikation wiederum leid tut), unkonzentriert, kann Gedanken nicht greifen also nicht mal über etwas nachdenken, weil ich naja, nicht an die Gedanken "ran komme", es verschwimmt und entwischt mir einfach. Außerdem genervt von vielem, fast allem, gestresst von Dingen wie Müll rausbringen müssen, System suchend, Bett abziehen verdrängend weil überfordert mit allem, Gefühl wie ausgebrannt, erschöpft, matschig, kaputt. Teils aggressiv, verzweifelt, Impulsen ausgeliefert, besonders Gedanken sexueller Natur sehr ausgeliefert und fixiert darauf.


    Das ICH unter Medikation ist irgendwie ein anderes ICH als das ICH ohne Medikation. Mein Therapeut sagte mal, ich solle wichtige Entscheidungen an für sich tendenziell eher unter Medikation treffen. Jetzt kann ich mich als ADS-ler ja bekanntermaßen nur sehr schlecht selbst einschätzen. An Wochenenden nehme ich die Tabletten teilweise gar nicht, nur, wenn ich weiß ich muss mich konzentrieren (Sport o.Ä.).
    Immens schlimm ist der Rebound-Effekt, bspw. jeden Abend dann, weil es die Symptome unter 2) nicht nur "zurück holt", sondern zudem verstärkt. Das ist die Hölle !!?

    Kennt ihr das auch? Geht es euch ähnlich? Was tut ihr??

    Vielen Dank und beste Grüße

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.650

    AW: Ich-ohne vs. Ich-mit-Medikament

    Hallo,

    mal ne Frage: Was ist wenn du ein retardiertes Medi nimmst und mit unretardiert spätnachm. abfederst (dann fällt der Rebound nicht so heftig aus)?

    So wie du "Ich ohne" schilderst spricht ja vieles dafür, dass du das Medi täglich nimmst?

    Bei mir ist es ähnlich, vllt. nicht ganz so heftig ausgeprägt.

    Ich nehme 1x retardiert, das während der Arbeitszeit wirkt, feder den Rebound später mit kurz hinlegen, dann Koffein, Essen u. Sport ab.
    Am WE lasse ich es ganz weg und habe die Symptome die du unter 2 schilderst mit entspr.Effekt auf mein Privatleben...

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Ich-ohne vs. Ich-mit-Medikament

    Hallo not_crazy, dein Beitrag gefällt mir außerordentlich gut. Nicht nur weil er mir größtenteils aus der Seele spricht, sondern weil du für jeden Angehörigen und Laien sehr schön darstellst, warum wir AD(H)Sler in einer für uns sehr feindlichen und unwirtlichen Welt leben- bis uns geholfen wird oder wir uns selbst helfen. Wir erkennen dann, dass es eigentlich gar nicht die Welt ist die so feindlich ist, sondern diese kleine Ungeheuer namens AD(H)S das so vieles schlechter, anstrengender und frustrierender macht.

    Der Rebound fällt bei mir recht mild aus. Ich spüre ihn, aber er belastet mich nicht übermäßig. Für gewöhnlich schwinge ich mich dann aufs Fahrrad und strample diese ganze Grübelei und Energie einfach ab.

    Ich persönlich setze meine Medikamente (obwohl ich sie erst seit ca. 4 Wochen nehme) regelmäßig ab, schon alleine weil meine engsten Freunde irgendwo ihren Frieden mit meinen Macken gemacht und oft genug ihre Freude mit diesem "begeisterungsfähigen und total durchgeknallten Spaßvogel" haben. Es wird aber schon deutlich, dass sich das freundschaftliche Verhältnis dank des MPH verbessert hat... Ich denke, mit der Zeit entwickelt jeder für sich selbst sein System, wie er mit seinem Störungsbild umgeht und wie er sich medikamentös versorgt.

    Wenn du ganz am Anfang der medikamentösen Behandlung stehst, kann ich dich beruhigen. Noch vor ein- zwei Wochen habe ich mich mit fiesen Nebenwirkungen herumgeschlagen, nun tendieren sie gegen 0. Körper und Seele brauchen nunmal Zeit zur Gewöhnung.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Ich-ohne vs. Ich-mit-Medikament

    Hallo ihr alle,

    es freut mich, dass ich nicht ganz allein stehe mit meinen Fragen.

    Ich habe die Diagnose schon mein Leben lang vermutet, gesichert ist sie erst seit etwa 9 Monaten oder so (könnten auch 7 sein oder 11, aber da ich kein Gedächtnis zu besitzen scheine außer für absolut hirnrissige Dinge, die kein Mensch sich merken muss oder brauch und es mir zu anstrengend ist darüber nachzudenken......... ).

    Seitdem habe ich auch das MPH. Ein retardiertes habe ich probiert (Medikinet adult), weil Kassenrezept. Leider nur 2 mal probiert und das war mir zu "plättend", da hätt ich ja auch genauso gut was rauchen können, so war das. Und eben Herzpoltern im rebound. Also wieder weg davon. Das Ritalin Langzeit-Ding hab ich draussen liegen, aber finde nicht den passenden Zeitpunkt das zu testen (im Job mir zu riskant und am WE kaum Zeit oder Lust bzw. Bedarf).
    Teilweise (aber nur teilweise!) stellt man wirklich nach und nach alles in Frage... Hoppla, war ich echt so? Ohje, was wenn die alle recht haben? Wenn ich echt so out of control war? Wenn nicht alle intolerant waren mit mir, sondern ich einfach teils unerträglich? Wie oft hab ich gehört "Halt doch jetzt endlich mal die Klappe" oder "Gehts noch?"?? Ist die Welt denn wirklich egoistisch? Oder sind es meine Depressionen aus der ADS raus, die mich alles so verbittert sehen lassen und hinter allem und jedem gleich einen Feind vermuten der mir nur böses will, der mich dazu zwingt mich profilieren zu wollen, nein nicht zu wollen - zu MÜSSEN, um meiner selbst Willen, um Sicherheit zu erfahren, einen Fokus, ein "ja, sehr gut" oder einfach nur ein Wort, dass da heißt "Bestätigung"?!

    Ich habe definitiv das Gefühl, dass es 2 versch. Personen sind. Irgendwie ist die Person mit Medikation nicht so anstrengend, und so viel friedfertiger, geregelter, "besser" möchte ich fast sagen. Ich mag sie mehr als die andere. Aber wer bin ich denn nun von den beiden wirklich?! Es kann doch nicht sein, dass das beides ich bin und sich die 2 Konkurrenten um die Stelle des Protagonisten duellieren?! Ich würde die Rolle gern dem MPH-geimpften geben. Werden die beiden vielleicht irgendwann mal heiraten und eins werden? Verschmilzen zu einem neuen, ja, besseren ICH ???

  5. #5
    tuk


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 30

    AW: Ich-ohne vs. Ich-mit-Medikament

    Hallo not_crazy,

    ich find´ das gut wie Du das mit den 2 verschiedenen ICHs beschrebst. Nach meien ADHS Diagnose und als dann MPH anszand habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen ob und wie und wieviel ich mich dann verändern werde.

    Ich hatte so die Befürchtung, dass meine Familie und Freunde, die mich immer "lustig" , spontan, vorlaut, und ein bisschen "daneben" kennen, und manchmal auch schätzen, mich dann ganz anders oder gar falsch warnehmen. So, dass ich nicht mehr ich wäre oder so.

    Jetzt nehme ich die 2. Woche Medikinet und meiner Faru sind schon sehr heftig die Unterschiede afgefallen, positiv. Ich kann immernoch spontan und vorlaut und Daneben sein - nur kann ich jetzt besser über den Zeitpunkt nachdenken und evtl. einen richtigen Moment abpassen...

    Unter MPH glaube ich, ist man immer noch der/dieselbe nur hat mehr Plan?

    Vieleicht ist es ein Versuch wert, "die beiden werden eins und heiraten"...

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.650

    AW: Ich-ohne vs. Ich-mit-Medikament

    Ich habe zumindest das Gefühl dass die 2 Ichs sich mit der Zeit etwas angleichen.
    Heisst ich habe auch mit MPH manchmal aggressive Tage wo alles schiefläuft (wenn auch viel seltener) und friedliche ohne MPH.

    Mein Ziel ist die Verschmelzung zu einem MPH-Ich aber ohne MPH! Mal sehn ob`s gelingt...

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