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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    normalität und medikation

    hallo liebes forum,

    ich habe mich letzte woche vorgestellt. Heute würde ich gerne ein paar meiner gedanken posten.


    "ist das also die normalität"
    die definition von normalität ist, so denke ich, eine recht subjektives sache.
    vielleicht kennt aber jemand die konflikte die auftreten, wenn man selber denkt, dass man in den bereich des normalen gekommen ist. Im besonderen im Bezug auf eine neue gut anschlagende Medikation.

    daher schreibe ich diesen thread, in der hoffnung auf ein paar interessante Denkanstöße


    meine adhs diagnose ist recht jung.
    aber unglaublich hilfreich und zutreffend.
    seit 2 Wochen ist meine medikation eingestellt.
    ich denke, ich fühle mich nun manchmal "normal".
    diese normalität, dieser gefühlsfrieden habe ich mein leben lang gesucht.

    an sich eine sehr angenehme sache aber
    ich bin ziemlich verunsichert.

    ich frage mich:


    • ob diese normalität bleiben wird. Ob die Medikamente weiterhin ihren dienst tuen werden.... siehe: substanzwirksamkeitsglaube vs. eigenwirksamkeit

    ich würde ja gerne ein orakel fragen was jetzt aus mir wird.
    ich hatte die hoffnung aufgegeben, dass ich noch mal in die pötte komme.
    Nun scheint es wirklich, dass ich eine hilfreiche diagnose bekommen habe.

    • was ist dieses adhs ? ist es ein teil von mir, eine krankheit, eine stoffwechselschwierigkeit.

    ist adhs eine diagnose, eine interpretation meiner realität, ein medizinisches hilfskonstrukt, ein idealtypus wie ich ihn aus meinem geschichtstudium kenne.


    • ob dieser eindruck, nicht mehr auf einer emotionalen autobahn zu sein, von den medikamenten kommt oder Frucht meines jahrelangen suchens nach frieden ist incl. verschiedenster Methoden im Leben klar zu kommen. ( autogenes training etc.) Und die Medikamente einen neuen Zugang zu dem geschaffen haben was da ist.



    • was von den medikamenten bewirkt wird und was nicht



    • wo ich nun ansetzen kann auf meinem weiteren weg:

    die letzten 2 jahre habe ich mich mit fehldiagnosen, fehlmedikationen und falschen Therapieansätzen herumgeschlagen. habe einen krassen sturtzflug vom hochbegabten erfolgreichen studenten zum höhlenmenschen gemacht.

    und jetzt ist also alles gut. das verunsichert mich. kann doch nicht sein. mein gehirn kommt da nicht nach. ist es also diese kleine tablette die mir mein leben lang gefehlt hat. uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuaaaaaa aaaaaaaaaahhhhhhhhh das ist nicht fair


    alles gute
    blau

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.316

    AW: normalität und medikation

    Hallo Blau,

    das was du beschreibst kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Für mich ist MPH eine Hilfe, aber mir wird dann immer wieder bewusst, wenn die Wirkung des Medis nachlässt, wie mein Zustand ohne Medis wäre.

    Das macht mich dann oft sehr traurig und führt mir die Auswirkungen meines ADHS jeden Abend vor Augen.

    Manchmal finde ich es fast erschreckend, dass ich mit MPH fast wie ein normaler Mensch funktioniere, obwohl da im innersten ein hochsensibler Mensch ist, der während der Mediwirkung für eine Zeit geschützt ist.

    Aber ich Frage mich schon.
    Bin ich denn so krank, dass ich dauerhaft Medis einnehmen muss, nur um irgendwie in unserer Gesellschaft mitzuhalten?

    Irgendwie sind viele Frage bei mir noch offen.

    LG Nicci

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: normalität und medikation

    Liebe Nicci,
    danke für deine Antwort.
    Ja MPH zeigt mir, dass ich ADHS habe. Bei Menschen ohne ADHS wäre MPH eine starke aufputschende Droge, bei mir führt es zur ruhe.
    Hmmm inwiefern MPH ein Mittel ist um sozial kompatibel zu sein...

    ADHS und soziale Kompatibilität
    ich denke, dass hängt auch von mir ab und in welcher Gesellschaft und bei was ich mithalten will. heutzutage ist es, so denke ich, viel leichter mir den ort auszusuchen wo ich meinen platz finden möchte. in deutschland muss niemand hungern und ich könnte rein theoretisch den ganzen tag nix machen oder meinen Hobbys nachgehen ohne zu verhungern oder zu erfrieren. ich denke da ist unser zeitalter schon einzigartig. Ob ich damit glücklich werde ist ein andere frage.

    Die Gesellschaft ist wie sie ist. Ich kann mich ändern und ich kann auf sie einfluss nehmen. umkrempeln, revolutionieren kann ich aber nur mich
    In den letzten 2 Jahren habe ich mich krankheitsbedingt aus "meiner" Gesellschaft herausgeklinkt. diese gesellschaft in der ich mich befunden habe hat wohl auch seinen teil zu meinem krankheitsverlauf beigetragen.... Hochbegabten Studentenwerk, Uni und die Prof denen es zu imponieren galt... ein teil der gesellschaft also die sich über leistung definiert.

    Besser ging es mir in der zeit in der ich diese Gesellschaft nicht hatte nicht.
    selbstwirksamkeit ist da für mich das motto. Realismus und annahme meiner grenzen um IN der Gesellschaft das zu machen was ich für richtig halte.



    ADHS und Evolution

    mein psychater sagte mir einmal, dass er einen artikel gelesen hat in der adhs evolutionär erklärt wurde.

    jäger, krieger, späher sind durch die natur mit dieser stoffwechselbesonderheit ausgestattet. adhs ermöglicht es zu "hyperfocusieren" dh. seine ganze konzentration auf eine sache zu lenken oder extrem offen für viele reize zu sein. das war damals überlebenswichtig.

    ich könnte mir auch vorstellen damals ein "guter" Jäger oder Krieger gewesen zu sein. nur heute ziehe ich es vor, aus moralischen gründen, pazifist zu sein ....

    psychatrischer krankheitsbegriff und ADHS
    ein niedriger dopaminspiegel muss, so denke ich, nicht zwangsläufig zur krankheit führen. psychatrische krankheiten zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass sie ein "zuviel" sind.
    Dh. der mensch der es schafft sein ADHS zu integrieren ist nicht "krank". sobald der leidensdruckzu gross ist, das soziale leben (freunde familie) und der Beruf unter der symptomatik leiden wird eine disposition krankhaft.
    so habe ich jedenfalls den psychatrischen krankheitsbegriff verstanden....

    nun gut bei mir trifft das zu ... das will ich annehmen

    ich versuche mph wie ein blutdruckmedikament zu sehen. es wäre nicht sinnvoll es nicht zu nehmen.

    so das waren meine assoziationen zu deinem thread. wie ich sehe kommst du aus der schweiz. von meinem urlaub im vale habe ich die erinnerung, dass die menschen dort extrem ruhig und "langsam" in ihrer art waren... als mensch mit adhs keine leichte sache ?
    gruss blau

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.316

    AW: normalität und medikation

    Hallo Blau,

    also wo genau dieses Vale liegt, weiss ich nicht einmal.
    Aber auf alle Fälle ist dieses Dorf nicht repräsentativ für die Schweiz.

    Ich wohne im Schweizer Mittelland, und hier herrscht Stress und Hektik pur.
    Es gibt immer mehr Menschen hier, alles wird enger und überfüllter und es wird gebaut, gebaut und nochmals gebaut.
    Und die Menschen kaufen, kaufen und kaufen, so als gäbe es nur noch dieses Jahr etwas zu kaufen.
    Und es wird produziert und importiert. Immer noch mehr, noch mehr und noch günstiger....
    Wenn man dem zuschaut, da beginnt man sich schon zu Fragen ab dem unikum Mensch.

    Ich glaube auch, dass ADHS keine Krankheit an und für sich ist.
    Das Problem sind meiner Ansicht nach die Komorbiditäten, die sich bei Nichterkennen eines ADHS entwickeln können.
    Ohne MPH muss ein ADHSler ganz genau wissen, nach welchen Kriterien er sein Leben gestalten muss, damit er nicht in Stress kommt und nicht im Chaos versinkt.
    Auch muss er einen Beruf wählen, der seine Stärken fördert, bei dem aber die Schwächen nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.

    Ich möchte es gerne irgendwann ohne Medis schaffen, aber ich bin einfach noch nicht soweit, dass ich genug Boden unter den Füssen habe, um dies zu wagen.

    Wünsch dir ein schönes Wochenende

    LG Nicci

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: normalität und medikation

    Liebe Nicci,

    danke für deine antwort.
    ich habe die antwort auf diesen thread viel begrübelt und würde gerne ein paar gedanken dazu schreiben:

    ich denke die Vorstellung durch äußeres innerlich glücklich zu werden ist alt wie die menschheit. aristoteles hat diese paradoxe konstellation beschrieben und aufgedeckt: durch äusseres kann ich innerlich nicht glücklich werden. ich kann durch inneres ( bei ihm das gute handeln) glücklich werden. das äussere ist viel zu flüchtig um darauf bauen zu können.


    "Auch muss er einen Beruf wählen, der seine Stärken fördert, bei dem aber die Schwächen nicht allzu sehr ins Gewicht fallen."

    ja das ist im moment meine grosse frage... bis dato wollte ich lehrer werden ....

    nun gut ich wünsche dir alles gute


    blau

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