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Diskutiere im Thema 12 Jahre Methylphenidat: Erfahrungen und Gedanken zur Verbesserung der Therapie im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 173

    12 Jahre Methylphenidat: Erfahrungen und Gedanken zur Verbesserung der Therapie

    Hallo!

    Ich dachte nach 12 Jahren eigener Erfahrung mit ADHS, Methylphenidat und anderen Psychopharmaka so wie der bipolaren Störung, schreibe ich meine wesentlichen Erkenntnisse hier knapp auf. Es sind in der Regel nicht nur meine Erfahrungen sondern auch von Freunden, Kollegen gemachte. Auch sind mir in meiner Arbeit im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie auch nützliche Einsichten gelungen.

    VERSTEHT ES BITTE ALS ERFAHRUNGSBERICHT. NICHTS DAVON MUSS AUF EUCH ZUTREFFEN ODER IRGENDEINE RELEVANZ HABEN. ICH KANN MICH IRREN ODER GETÄUSCHT HABEN. EURE FACHFRAGEN BESPRECHT IHR AM BESTEN MIT EUREM ARZT.

    - Die Einzeldosis und die Wirkdauer - insbesondere auch bei Retard-Präparaten - kann extrem unterschiedlich sein

    - Methylphenidat interagiert mit vielen anderen Psychopharmaka

    - Insbesondere Neuroleptika (atypische, niederpotente, hochpotente) können einen starken Einfluss auf die Wirkung, insbesondere Dosis, Wirkdauer und Nebenwirkungen

    - Von den atypischen Neuroleptika scheint Zyprexa die beste Kompatibilität mit ADHS zu haben, gefolgt von Risperdal und als neue Option möglicherweise Asenapin. Alle ADHSler die ich kenne und Abilify probierten haben damit äußerst negative Erfahrungen. Seroquel ist als "Gefühlsblocker" wohl eine gute Option bei ADHS und Borderline.

    - Methylphenidat scheint "soziales Lernen" erst wirklich möglich zu machen. Ohne ist meine Selbst- und Fremdwahrnehmung stark eingeschränkt, ich bin impulsiv, launisch, cholerisch, kann nur unter massivem Druck arbeiten, brauche Stress, fahre unaufmerksam Auto, kann schlecht zu hören, schlecht Probleme erkennen und sie aussprechen, ohne Methylphenidat bin ich sozial sehr ängstlich, Vermeidungsverhalten wird durchbrochen, soziale Ängste können überwunden werden, ich bin gelassener und erkenne besser die Bedürfnisse anderer Menschen, sehe noch die Details aber kann sie ignorieren um beim wesentlichen zu bleiben.

    - Schädliche Einflüsse auf die Wirkung von Methylphenidat sollten beseitigt werden. Dazu gehören vor allem Depressionen, Konsum von Cannabis (es blockiert einfach völlig die Lernmöglichkeiten = einfach nur schlecht), Konsum anderer Stimulanzien, Ermittlung der Interaktionen mit anderen Medikamenten (hier Antidepressiva aller Art (insb. Venlafaxine, Mirtazapine, Desipramine, Trimipramine, SSRi) und Antikonvulsiva (insb. Lamotrigin und Carbamazepin!)) so wie sonst vorhandene weitere psychische Erkrankung.

    - ADHS hat eine sehr hohe Komorbidität zu der bipolaren affektiven Störung. Laut Newsletter der Fachgesellschaft in Deutschland haben 20% aller ADHSler eine Störung aus dem Spektrum bei bipolaren Störungen. Andere Quellen nennen 17-23%. d.h. insbesondere bei starken Stmmungsschwankungen UND ODER nicht auf Antidepressiva ansprechender Depression mit einem SPEZIALISTEN die Option einer Lithiumtherapie prüfen.

    - Auch wenn die Wirkung von Methylphenidat nachgelassen hat oder schlecht wurde (ängstlich, traurig, unruhig, nervös, dysphorisch) kann nach Beseitigung der Störungen wieder eine gute Wirkung erzielt werden.

    - Eine Methylphenidattherapie kann sehr kompliziert werden und verlangt viel Erfahrung und Wissen vom Arzt. Er sollte über alles informiert werden was möglicherweise wichtig sein könnte, auch wenn ihr das nicht für wichtig haltet.

    - Eine gute Therapie mit Stimulanzien kann viel helfen und zuvor unmögliches möglich machen. Keine Angst dem Arzt über falsche, zu niedrige, oder zu hohe Dosierung zu berichten. Er lernt mit euch gemeinsam was die beste Behandlung ist.

    - Vor dem Arztgespräch die wichtigen Aussagen und Fragen aufschreiben.

    - Geduld und Gelassenheit üben. Unser Versorgungssystem scheint nicht über viele passende Schnittstellen zum ADHS zu verfügen aber es ist trotzdem besser als viele andere Versorgungssysteme.

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 89

    AW: 12 Jahre Methylphenidat: Erfahrungen und Gedanken zur Verbesserung der Thera

    super Zusammenfassung, Maverick!

    ...den für mich wichtigsten Satz möchte ich nochmal hervorheben:

    Maverick schreibt:
    ...Eine gute Therapie mit Stimulanzien kann viel helfen und zuvor unmögliches möglich machen. Keine Angst dem Arzt über falsche, zu niedrige, oder zu hohe Dosierung zu berichten. Er lernt mit euch gemeinsam was die beste Behandlung ist. ...
    Ärzte, die nicht auf die individuellen Bedürfnisse eingehen wollen oder diese gar ignorieren, sollte man am besten sofort wechseln - die richten den größten Schaden an.

    lg pocoloco

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