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Diskutiere im Thema Kein Methylphenidat wegen Drogenkonsum und Psychose im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    Kein Methylphenidat wegen Drogenkonsum und Psychose

    Hallo,

    ich bin am verzweifeln. Ich weiß echt nicht mehr wo ich anfangen soll. Wegen eines halbjjährigen starken Cannabiskonsums im Jahre 2005 und einer daraus resultierenden Psychose bleibt mir eine Medikation mit den üblichen Stimulazien verwehrt. Ich bin so sehr schnell reizüberflutet, dass ich oft ausdauernde Tätigkeiten nicht ausführen kann. Ich bin seit etwa 1,5 Jahren arbeitslos, habe meine Ausbildung abgebrochen und auch länger als 10 Monate konnte ich es bis jetzt noch auf keiner Arbeitsstelle aushalten. Ich habe ein enormes Bedürfnis mich in der Gesellschaft zu integrieren, komme aber auf keinen grünen Zweig.
    Es dauert nicht mehr lange und ich lande in der Klappse. Im frühling versuchte ich es mit dem AD Elontril, doch es brachte keine Wirkung. Was zum Henker muss ich tun, damit es wieder bergauf geht??

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Kein Methylphenidat wegen Drogenkonsum und Psychose

    Ich kenne das Problem auch... allerdings war es bei mir von 2006 - 2009 Speedkonsum.

    Allerdings sehen das wirklich nicht alle Ärzte gleich. Ich bin aufgrund einer ziemlich krassen Aussage von dem Arzt der meine Diagnose gemacht hat deswegen weggegangen. Ich muss mich nicht für Fehler aus der Vergangenheit verurteilen lassen.

    Wenn man mit den Drogen wirklich fertig ist bin ich der Meinung ist das kein grund keine Medikamente verordnet zu bekommen.

    Such Dir einen anderen Arzt und erläutere Deine Probleme, aber sei weiterhin aufrichtig und steh dazu, dass Du früher mal ein Problem hattest. Alles andere finde ich sinnfrei, denn man sollte dazu stehen und stolz sein, dass man dieses Problem überwunden hat.

    LG

    Rose

  3. #3


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.803
    Blog-Einträge: 40

    AW: Kein Methylphenidat wegen Drogenkonsum und Psychose

    Naja,

    das Problem dürfte hier nicht der halbjährige Cannabis-Konsum sein (dann dürften sehr viele Erwachsene mit einer ADHS keine Stimulanzien verordnet bekommen), sondern die Psychose in der Anamnese.

    Ein Cannabis-Missbrauch ist ein Missbrauch eines "Downers", also quasi sowas wie das Gegenteil von Stimulanzien.

    Nach einer Psychose ist Methylphenidat in der Tat aber kontraindiziert, da in dem Fall mit einem erhöhten Risiko für das erneute Auftreten einer Psychose gerechnet werden muss.

    Hierbei ist - nebenbei bemerkt - auch Elontril schon ziemliches Öl ins Feuer.

    @ vakuum:

    Ich kann dir nur dringend raten, deine ärztliche Verdachtsdiagnose auf AD(H)S überprüfen zu lassen.

    Speziell im Fall einer voran gegangenen Psychose kann es sich auch sehr gut um eine Residualsymptomatik der Psychose oder um eine Negativsymptomatik handeln.

    Beides ist ohne gründliche Anamnese der Symptomatik in der Kindheit und Jugend und weiterführenden Tests nur schwer von einer ADS zu unterscheiden, aber eine Medikation mit MPH wäre dann tatsächlich pures Gift.

    Dass das Elontril bei dir offenbar keinerlei Wirkung gezeigt hat, spricht im Übrigen auch für diese These, denn dann wäre von den Medikamenten her gesehen ein atypisches Neuroleptikum (Seroquel, Zyprexa, Leponex, usw. ) das Mittel der Wahl.



    LG,
    Alex

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: Kein Methylphenidat wegen Drogenkonsum und Psychose

    @Alex
    Dass ich vor meiner Psychose schon als Kind an einer Reizfilterschwäche und der daraus resultierenden Unkonzentriertheit litt und meine Probleme als hypoaktives Kind in mich reingefressen habe und sie nicht nach außen tragen konnte, ist in der Anamnese deutlich geworden und dürfte deutlich als reine ADS-Symptomatik gedeutet werden.
    Die Psychose hat sicherlich dazu beigetragen, dass sich zusätzlich eine Residualsymptomatik eingschlischen hatte, doch die alleinige Ursache ist sie definitv nicht, dazu sprechen wie gesagt zu viele Gereimtheiten mit der introvertierten Variante eines ADS-Kindes in meiner Kindheit.

    Die akute Phase der Psychose ist nun seit ein paar Jahren vorbei. Dies gelang mit der Unterstützung von dem atypischen Neuroleptikum Zyprexa.

    Kannst Du mir genauer erleutern, weshalb Du deine These, dass ich wohl eher an den Folgen der Psychose leiden könnte, mit dem Mediakamnt Elontril stützt?
    Es hat mir weder Flashbacks noch Angstzustände bereitet, und ein Nichtwirken ist lange kein Indiz für das Nichtvorhanden sein einer ADS (gerade bei Elontril), vonhingegen MPH bei dem weitausgrößeren Teil der Betroffenen hilft.

    Wenn eine Psychose durch Drogenkonsum ausbricht, wird das sicherlich durch einen deutlichen Überschuss von Neurotransmittern geschehen. Wohingegen eine Medikation strengstens darauf ausgerichtet ist, das richtige Maß zu finden.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: Kein Methylphenidat wegen Drogenkonsum und Psychose

    Ich habe einen überaus interessanten Kommentar von Dr. Martin Winkler gefunden, über den ich mich sehr gefreut habe.
    Wäre da nicht diese Unmut an einen solchen ADS-Spezialisten zu gelangen...


    Re: cannabisinduzierte Psychose und ADHS - @Martin Winkler

    von Martin Winkler - am 27.10.2003 12:41


    Huiiii, was soll ich dazu schreiben ????

    Das ist ein ganz ganz ganz schwieriges Gebiet. Aber ungemein wichtig. Ich versuche es mal ein wenig zu unterteilen.

    1. Wie wirken Neuroleptika auf ADHSler?

    Gute Frage. Dazu gibt es z.B. eine ganz interessanten Bericht von meinem früheren Chef Prof. *******, der das Neuroleptikum Nipolept bei einem ADHS-Erwachsenen mit Erfolg eingesetzt hat. Das war so um 1988 in den Vor-Urzeiten von ADHS. Sie haben erst erfolglos mit Stimulanzien versucht (aber nicht richtig titriert, dann sich für Nipolept entschlossen). Dies dürfte ein durchaus auch heute noch gängiges Verfahren in der Psychiatrie sein, d.h. ADHSler werden wahrscheinlich noch sehr häufig unbewusst mit (atypischen) Neuroleptika fehlbehandelt. Aber es muss ihnen nicht immer schaden. Bisweilen hilft die Reduktion der Reizfilterschwelle durch die Neuroleptika sogar gut.
    Nun gibt es aber andererseits Hinweise darauf, dass gerade typische Nebenwirkungen von den klassischen Neurleptika bei einer ADHS-Konstititution extrem häufig und schwer wiegend auftreten (Dyskinesien). Ich habe dazu einige interessante Artikel gefunden, so dass man vielleicht sogar behaupten könnte, dass dies diagnostisch richtungsweisend sein könnte. Aber dazu gibt es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen...

    2. Gibt es einen Zusammenhang von ADHS und Psychosen ?
    Dies ist das heikelste Thema überhaupt. Sowas darf man noch nicht einmal denken, geschweige denn laut aussprechen. In den 70er und 80er Jahren gab es einen Schizophrenie-Experten, der eine ADD-Psychosis beschrieben hat (Belak). Hierzu gibt es faszinierende Artikel von ihm, die aber irgendwie von der gesammten Fachwelt nicht zu Kenntnis genommen werden. Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sind ja auch wieder nur ein Spektum von Erkrankungen. Dabei mag es eine klassische Psychose im Sinne der typischen Schizophrenie geben, aber durchaus eben auch eher eine Psychose aus dem ADHS-Spektrum... Nun hat man dies früher sogar mehr oder weniger unbewusst ausgenutzt, indem man zum Screening Patienten entweder typsiche Neuroleptika oder aber Stimulantien (Amphetamin) gegeben hat. Überraschend ist, dass ein grosser Teil der Patienten positiv auf die Stimulantien reagierte und die Psychose weniger wurde. Diesen Patienten hat man Imipramin und kein Neuroleptikum gegegeben. Dieser Amphetamin-Belastungstest war früher sehr verbreitet, ist aber heute völlig vergessen (übrigens auch bei manischen Psychosen wirksam).

    Ich selber habe einige Patienten gehabt, die von unseren Uni-Experten in Studien als "schizophren" galten, die aber sicher keine Schizophrenie sondern eine ADHS-Konstitution hatten. Ich schätze den Anteil auf ca 5-30 Prozent aller "schizophrenen Psychosen", wenn man besonders die sog. "therapieresistenten" bzw. Problemfälle sich anschaut eben eher die höhere Prozentzahl.

    Dies heisst aber nicht (zwangsläufig), dass man daraus sofort Rückschlüsse über die einzuleitende Therapie machen muss oder darf.

    3. Cannabis und Psychose
    Hierzu könnte man auch ganze Bücher schreiben. Überwiegende Meinung ist heute, dass Cannabis eine vorhandene Veranlagung für Psychosen früher zum Ausbruch bringt als ohne Cannabis. D.h. ein vulnerables Hirn wird unter Drogeneinfluss eher mit einer schizophrenen Psychose reagieren. Spezielle Untersuchungen zur cannabisinduzierten Psychose und ADHS sind mir nicht bekannt. Ich hatte aber grosse Interesse, sowas anzuleiern. (Ich habe Dr. Kordon von der Unipsychiatrie in Lübeck mal auf einem Abendessen darauf angesetzt, vielleicht tut sich da ja mal was...).

    4. Cannabis und ADHS
    Ich bin der subjektiven Meinung, dass Cannabis für viele ADHSler Gift ist. (siehe Suchfunktion hier im Forum zu diesem Thema). Ob nun die Kombination von ADHS und Cannabis ein Risikofaktor für eine Cannabis-induzierte Psychose ist, weiss ich nicht. Grundsätzlich könnte es sein, dass
    - es ein zufälliger Zusammenhang ist
    - ADHS die Symptomatik einer Cannabis-induzierten Psychose nicht beeinflusst
    - ADHS als biologische Veranlagung quasi die Symptomatik "katalysiert", d.h. in der Symptomatik schlimmer und wechselhafter gestaltet und damit eine andere Behandlung erforderlich machen würde...
    - ADHS die Ursache für die Psychose ist, Cannabis quasi nur das Streichholz an der Lunte war...

    Egal wie... Ich kenne viele Patienten, die das betrifft. Wirklich viele. Meistens war es so, dass ich die nicht weiter behandeln durfte. Sie profitierten zwar kurzzeitig von einer Stimulantientherapie, wurden dann aber spätestens beim Übergang in die Tagesklinik wieder auf Neuroleptika eingestellt.

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich verstehe diese Zusammenhänge NICHT. Ich kann dazu keine Therapieempfehlungen geben. Ich habe nur Hypothesen, die sich aus klinischer Erfahrung ergeben. Im Einzelfall würde ich einen "Psychotiker" mit ADHS-Anamnese eher mit Stimulantien (und Begleitmedikation) als mit Neuroleptika behandeln. Im Einzelfall...

    Leider ist aber andererseits ein fortgesetzter Cannabiskonsum genau der Grund, warum ich das dann nicht tun würde oder kann... Mal ganz davon abgesehen, dass ich derzeit nicht in einer Klinik arbeite...

    So, jetzt habe ich mir sicher wieder irgendwie die Finger verbrannt... Geht damit nicht unbedingt zur nächsten Psychiatrie und behauptet, der Winkler hat wieder so einen Quatsch getippt...

    cannabisinduzierte Psychose und ADHS - @Martin Winkler - ADHS ADS Selbsthilfe

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