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Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 181

    MPH "tröstlich"?

    Hallo Ihr,

    ich habe mein fachärztliche ADHS - Diagnose seit anfang des Monats und nehme seitdem auch MPH.
    Seit Jahren hab ich unter anderem Panikattacken, Depressionen und Ängste. Alles, was ich tue, mache ich in Hektik, aus Angst, es nicht zu schaffen. Ich seh in dem ganzen aber keinen Sinn, es fühlt sich also alles leer an, wie ein ewiges Wegrennen vor irgendetwas... eigentlich hab ich daran keinen Spaß und deshalb auch ganz oft keine "Lust mehr auf Leben", was mich schon in einige schlimme Situationen gebracht hat. Außerdem habe ich schlimmste Schlafstörungen deshalb.
    Nun mache ich erste Erfahrungen mit dem MPH und ich muss sagen, dass sie mich einerseits unglaublich beeindrucken und ich sie und ihre Wirkung auf meinen Kopf andererseits sehr gruselig finde.

    Es ist so, dass ich so ziemlich alles an Medis durch hatte: Antidepressiva, Tranquilizier, Neuroleptika, Seditiva und Benzos. Nichts hat geholfen, eher hatte ich paradoxe Wirkungen oder eben gar keine, mal abgesehen von Tavor (Lorazepam), was allerdings ja auch schon heftig ist und abhängig macht. Außerdem machts mich nur taub gegen alles und hilft damit nur auf die Art, wie Ohropax bei zu hoher Lautstärke wirken. Und jetzt das MPH... das scheint alles, aber auch wirklich alles rauszureißen. Dabei scheint jemand die Lautstärke so anzupassen, dass sie für mich angenehm wird.
    Genau 25 Minuten nach Einnahme (kann ich die Uhr nach stellen) setzt sich regelrecht sowas wie ein "Tröster" in meinen Kopf: Wenn ich vorher noch vor Angst gegen eine Wand hätte laufen wollen, bekomme ich plötzlich Gedanken rund um "Alles ist für den Moment in Ordnung, alles wird gut". Ich weiß, dass alles, wovor ich mich fürchte, noch da ist, aber ich habe Vertrauen in mich und meine Umwelt und bin daher zuversichtlich, dass ich damit umgehen kann. Ich werde außerdem sehr sanftmütig und liebevoll zu mir selbst, was unter anderem meiner Essstörung sehr entgegen kommt, aber auch SVV eindämmt und natürlich meine sozialen Kontakte verbessert. Ich kann (und sollte) sie sogar noch eine Stunde vorm Einschlafen nehmen, wie ich herausgefunden habe, denn dann brauche ich kein abhängig machendes und betäubendes Tavor mehr, sondern kann beruhigt einschlafen wie frühermal.

    Ich fühle mich mit MPH sortiert und friedlich, als ob mich jemand in den Arm genommen und beruhigt hätte wie ein weinendes Kind. Nicht euphorisch, aber irgendwie "geerdet" . Wenn ich dann so "rausgehe und lebe", habe ich das Gefühl, endlich ich selbst sein zu können, ohne eine Nebelwand aus Angst und Hektik oder Totenstarre und Traurigkeit.
    Andererseits ist es natürlich umso heftiger, wenn ich das Zeug nicht oder nicht rechtzeitig nehme: Scheinbar ist es jetzt, wo man mir gezeigt hat wie es sein kann, noch schwerer, mich in der welt zurechtzufinden mit meiner Angst und allem, was ich vorher 20 Jahre lang irgendwie ausgehalten hab...
    Es will aber noch immer nicht in meinen Kopf, dass ich tatsächlich (vielleicht ein Leben lang) alle paar Stunden Medikamente nehmen soll, weil ich sonst in mein tiefes Loch zurückfalle und irgendwann vielleicht gar nicht mehr herauskomme.
    Zumal es mich sehr stresst, dass das Zeug im Ewachsenenalter selbst mit Diagnose so schwer zu bekommen ist und dann eine Menge Geld kostet, denn drückende finanzielle Probleme habe ich ohnehin schon genug, weil ich mir seit Anfang des Jahres das Studium leiste, von dem ich immer geträumt habe. Bevor die ADS-Diagnostik begann war ich ganz kurz davor, dieses wieder hinschmeißen zu müssen, weil ich mit dem Leben nicht zurechtkam. Ich müsste schon Kraft reinstecken und wol immer wieder auf mein Recht auf das Medi bestehen, was ich aber nicht kann, solange ich mir nicht ganz sicher bin, dieses Recht auch zu haben.

    Hmmm, versteht ihr, was ich meine und beschreiben will? Ich kann es nur ganz schwer ausdrücken, merke ich gearde.
    Es kann doch einfach nicht sein, dass ich nur mit Medis ich selbst bin, oder? Und bin ich dann überhaupt ich selbst, wenn es nur mit MPH so sein kann? Ohne bin ich ein Monster und mit auf einmal liebenswert? Es fühlt sich wirklich an wie zwei verschiedene Welten und ich weiß nicht, welche die richtige für mich ist - die eine fühlt sich falsch an und die andere gibt es für mich nur unter MPH. Scmeiße ich gerade quasi Drogen (Amphetamine auf BTM-Rezept...) ein, und fühle mich nur deshalb endlich mal gut? Würde es jedem anderen genauso gehen, oder ist wirklich wirklich wirklich gerechtfertigt, was ich mit mache? Da ich ja nun die Diagnose habe, versuche ich die Tabletteneinnahme vor mir selbst zu rechtfertigen: "Diabetiker müssen auch immer wieder Insulin spritzen" usw...
    Aber es fällt mir verdammt schwer! Ich weiß nicht, ob richtig oder falsch ist, was ich da tue. Und weil ich so zweifle, kann ich mir auch jetzt irgendwie noch nicht erlauben richtig zu leben.

    Könnt ihr mir vielleicht eure ersten Erfahrungen mitteilen und wie ihr damit umgegangen seid? Ich glaube ich brauche ein bisschen Verständnis von Menschen, die (hoffentlich) verstehen können, was ich da erlebe und mir sagen können, ob das noch normal ist... Kommt es öfter vor, dass MPH so einen inneren Tröster aufweckt? Oder verrenne ich mich damit am Ende in noch mehr Probleme...?

    Ich wäre euch unendlich dankbar für ein paar Zeilen!

    Liebe Grüße,
    Marie

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 225
    liebe Marie,

    willkommen im Leben!!!

    Alle deine Erfahrungen und Sorgen kann ich zu 100% nachempfinden, denn es ging mir genauso!

    Plötzlich klar zu sehen, diese innere Ruhe und Zufriedenheit ist eigentlich der Normalzustand, so wie es sein sollte und so wie "Normalen" immer geht. Die Medis geben Dir ab jetzt die Fähigkeit, sozial, intellektuell und emotional mit "Normalen" auf Augenhöhe zu leben.

    Du bist dann nicht auf Drogen, sondern eben "normal", selbst wenn das Medi das Du nimmst, aus rechtlichen Gründen als Betäubungsmittel gilt. Für uns ist es nur ein Gehstock, eine Brille, die uns hilft und kein Rauschmittel, das schädigt, weil es irgendwelche unnatürlichen Zustände verursacht oder gar abhängig macht.

    Geniesse Dein neues Leben und schaue nach vorne! Dir steht die ganze Welt offen. Ich z.B. habe die Diagnose erst mit 30 bekommen, wo schon vieles verspielt, verpennt und verloren war.

    lg matz

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 14

    AW: MPH "tröstlich"?

    OHH MAAAN danke ich will auch... ich habe seit zwei Tagen medis sie wirken noch nicht. Ich stelle sie gerade mit meinem Therapeut ein. Aber das gibt mir wieder Hoffnung, dass ich irgendwann auch mal zur Ruhe komme DAANKE neuer Mut

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: MPH "tröstlich"?

    Liebe Marie
    ein eindrücklicher Bericht - weisst du, was mir so als erstes durch den Kopf schoss? "zum Glück hat sie ihre Diagnose schon mit 22..."

    Ich bin 54 Jahre alt und habe meine ADS Diagnose seit drei Wochen. Ich hatte erst eine Riesenwut auf den Psychiater, dass er das nicht schon viel früher in Betracht gezogen hat (ich bin seit einem dreiviertel Jahr bei ihm in Behandlung und er ist selbst ein ADHSler). Ich musste erst eine mittelschwere Depression und Stellenverlust erleben, bis ich mir Hilfe holte. Bis dahin habe ich mich einfach irgendwie durchs Leben gekämpft.

    Jetzt würde ich jedes Medikament nehmen, das mir hilft ein NORMALES Leben zu führen. Ich schlucke jetzt also täglich Ritalin und ich spüre die Veränderungen in mir. Ich glaube nun fest daran, dass ich alles(?) in Griff bekommen werde...

    ADS ist ja auch eine Krankheit, oder nicht? Darum darf sie ein Leben lang mit Medis behandelt werden.

    So viel von mir als Neuling
    Liebe Grüsse
    Dakhla

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: MPH "tröstlich"?

    Hallo Marie,

    mit MPH bist du auch "du selbst", es kommen nur andere Seiten zum Vorschein und einige der gewohnten Seiten werden sozusagen unterdrückt (so erkläre ich mir das).

    D.h. mit und ohne MPH ist man zwar dieselbe Person; aber die Veränderung der Körperchemie (durch MPH) erlaubt es einem eben anders auf Reize zu reagieren, anders mit ihnen umzugehen etc. Und dann erlebt man sich anders, andere erleben einen anders- das ist ungewohnt.
    Ist so meine Erklärung...

    Übrigens,was den Preis u. die häufige Einnahme angeht; sprich mit deinem Arzt mal über ein retardiertes Medikament (z.B.Medikinet Adult), das ist offiziell für Erwachsene mit ADHS-Diagnose genehmigt und man muss es nur 1-2x täglich einnehmen.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 181

    AW: MPH "tröstlich"?

    Vielen lieben Dank für eure ermutigenden Antworten!!

    ich gebe wirklich viel darauf, da ich - soweit ich das derzeit schon beurteilen kann - den Eindruck habe, dass leichtfertige Selbstdiagnosen in diesem Forum hier schnell herausgefiltert werden und ich Angst hatte, dass ich aufgrund meines Erlebens auf MPH evtl. in dieser Schublade landen könnte. Es ist eben schon sehr intensiv, der Unterschied. Ich hatte erwartet sowas zu hören wie "noch so eine, die spinnt ja...". Aber ich dachte mir, dann hätte ich wenigstens auch Bescheid gewusst.

    Es klingt allerdings eher so, als würde euren Erfahrungen nach die Wirkung des Medikamentes in mir meine Diagnose eher noch unterstützen, was wiederum meine Zweifel ein wenig mildert. Und die quälen mich derzeit so sehr . Besonders, weil es bei der Diagnosestellung die Schwierigkeit gab, dass meine Schulleistungen einfach nicht in die (überwiegend wohl) übliche Kategorie passten: Sie waren eher überdurchschnittlich und mein Abi habe ich mit 1.4 gemacht. Daher haben mir erstmal alle, die mich nicht schon länger kannten (ADHS-Fachärzte zB ) nen Vogel gezeigt, als ich das ADSyndrom auf den Tisch brachte... es war unglaublich hart, da das Gesicht zu wahren und zu vermitteln, dass ich meine Leistungen vor alem dank einer schnellen Auffassungsgabe bringen konnt,e denn lernen war mir nie länger als vllt eine halbe Stunde möglich. und dann war es auch eher ein "Drüberlesen" und danach glücklicherweise was behalten haben. Ich musste in der Schule immer noch zig Dinge nebenher machen, um überhaupt gedanklich im Klassenzimmer bleiben zu können. Mein Kopf war wie eine Autobahn mit mindestens vier Fahrspuren und alle ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Zudem hatte ich übergroße Angst, zu versagen und meinen Eltern dann gar nicht mehr gefallen zu können - das war mein Antrieb und hat den ADS-typischen Leistungsmangel wohl in Grenzen gehalten.
    Die diagnostizierende Ärztin hat auch erst sehr zweifelnd geschaut und ihre Meinung dann während der Durchsicht meiner Testunterlagen um fast 180° gedreht, als es zu Dingen wie Unruhe, Ungeduld, und sehr paradoxer Wirkung von Medis und Kaffee und sowas allem kam. Sie riet mir dann, einen Intelligenztest zu machen, ich wäre wohl überrascht... ich trau mich das nicht, weil ich Angst hab, dass alle zu hohe Erwartungen in meinen Kopf setzen . Und wegen dieses ganzen Hin-und Hers bin ich ziemlich durcheinander und will einfach keine Fehler machen (wie immer ^^) und mir am Ende selbst etwas einreden. Ich habe am Donnerstag einen Folgetermin zur Medikamenteneinstellung und werde dann auch dort nochmal berichten, was ich in Bezug auf MPH erlebe. Ich hoffe, dass ich gestärkt aus dem Gespräch herausgehen kann.

    Vom Medikinet weiß ich übrigens, allerdings scheint das auch nicht ganz einfach zu sein. Nicht jeder Arzt sol es verschreiben dürfen und außerdem soll die Krankenkasse sich erstmal zur Kostenübernahme bereiterklären. Ich hab wegen all der Zweifel bisher kaum die Kraft, mich da mal hinterzuklemmen . Ich hoffe also, dass die Zweifel sich bald legen und ich ganz und gar hinter dieser Krankheit stehen und ein friedlicheres Leben führen kann.
    Mit 22 hab ich dazu tatsächlich noch viele Jahe Zeit!

    Nochmals vielen vielen Dank!! =)

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 225
    liebe Marie,

    die Diagnose ist ja eigentlich nichts anderes, als die Anerkennung deines Besondersseins durch die Ärzte und der damit verbundenen Möglichkeiten, das Beste daraus zu machen und alle nötige Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

    Die Diagnose ist deswegen kein Stempel, sondern der Schlüssel zu einem erfüllten und lebenswerten Leben! Ausserdem kann es äusserst entlastend sein zu wissen, dass man für gewisse Schwächen nichts kann.

    Sehe die Medis als Brille, welche Du jederzeit bei Bedarf ablegen kannst und so nach Deinen Bedürfnissen verwenden darfst.

    ADHS ist kein Mangel, sondern eine besondere Art zu Leben, erleben, fühlen und denken.

    Deine Berufswahl scheint optimal zu sein, weil Deine Stärken da bestimmt gefragt sein werden und die Nachteile kaum ins Gewicht fallen dürften! Nur der Weg dahin über das Studium wird von Dir Leistungen verlangen, die einem ADHSler nicht liegen. Aber da hast Du ab jetzt ja wirksame Hilfe!

    Währrnd der ersten Woche mit MPH war ich aus Freude über die Wirkung total aus dem Häuschen. Danach hat mich die Depression, angefeuert durch mein funktionierendes Oberstübchen, welches sich nun endlich in der Lage befand so richtig gründlich Trübsal zu blasen, kalt erwischt. Riesige Selbstvorwürfe, Fragen über Fragen, wie was wäre wenn ich die Diagnose früher..., wo ich heute wäre, wenn... etc.

    Mein Arzt hat mich dann mit Benzos versorgt, bis das Cipralex wirkte, welches ich bis heute nehme. Bin dankbar für die Stabilisierung und die etwas dickere Haut, die es mir gibt.

    Aber bei Dir ist scheinbar bisher alles gut gegangen und noch stehen Dir alle Türen offen!

    Lass Dir Zeit und sei geduldig und nachsichtig mit Dir selber. Alles wird gut! Bestimmt!

    matz

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 30

    AW: MPH "tröstlich"?

    Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Glück und hoffe, dass du nun eine Aerztin gefunden hast, die dich begleitet. Mach doch diesen Test, es ist ja keine Prüfung! Je mehr du über dich erfährst, um so besser.

    Hast du dich schon mit der einschlägigen Literatur auseinandergesetzt? Ich verschlinge diese Bücher im Moment und nicke ständig mit dem Kopf

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 1.865

    AW: MPH "tröstlich"?

    Hallo Sayuri,

    ich freue mich für dich, dass Du deine Diagnose bekommen hast. (und für viele hier ist 22 tatsächlich früh )

    Ich kann dir nur den Rat geben, begleitend eine Therapie zu machen. Sei es ein Verhaltenstraining oder ein Coaching. Denn gerade diese Selbstzweifel und Befürchtungen die du jetzt hast sollten von einem Therapeuten aufgefangen werden.

    Sieh die Medikamenteneinnahme doch mal so... sie ist tatsächlich wie ein Krückstock, der dir helfen kann erstmal wieder vorwärts zu kommen. Du kannst sie also dafür nutzen, dein Ziel besser und schneller zu erreichen. MPH bereitet oft erst den Boden für eine erfolgreiche Therapie, denn vorher ist man ja oft mit den ganzen Komorbiditäten (bei dir ja unter anderem Angst) viel zu beschäftigt, um sich auf eine Verhaltensänderung einzulassen.

    Mein Ziel ist es z.B.: jetzt mit MPH mir Strukturen zu schaffen, damit ich meinen Alltag besser geregelt bekomme. Mit dem Ziel irgendwann ohne Medis auszukommen. Dabei habe ich mir aber keine zeitliche Begrenzung gesetzt... wenn ich irgendwann soweit bin, super! Wenn nicht, kann ich weiter auf die Medis zugreifen (zumindest bei Bedarf).

    Medikinet adult kann dir deine jetzige Fachärztin (von der du ja jetzt auch das MPH bekommst, oder?) eigentlich problemlos auf Kassenrezept verschreiben. Da die Zulassung etc. durch ist, gibt es da auch mit den Krankenkassen keine Probleme mehr (sollte es zumindest nicht). Ansonsten einfach kurz bei der Kasse anrufen, sagen das Du eine Übernahmebestätigung brauchst und sie dir die schicken sollen. Auch das sollte eigentlich kein Problem sein.

    Übrigens, wenn es dich tröstet. Es sind ganz viele Mitglieder hier (mich eingeschlossen) die gute Noten hatten und deswegen auch erstmal zu hören bekommen haben: "ADHS kann nicht sein, sie waren doch gut in der Schule..."
    Ich musste auch nie viel lernen, mir ist das quasi in den Schoß gefallen. Richtige Probleme kamen erst in der Ausbildung...
    Du bist also nicht allein...

    Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar von deinen Sorgen nehmen.. ich wünsche Dir alle Kraft der Welt für deinen weiteren Weg!

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: MPH "tröstlich"?

    Hallo Marie,

    was mir noch eingefallen ist zu deinem interessanten Text:

    Jemand mit unserem HIntergrund (und ich bin ungef. doppelt so alt wie du) hat gelernt, dass alles sehr schwer und anstrengend ist (Reizüberflutung, Gedankenchaos, emotionales Chaos) und kennt das ja nicht anders!
    Mit MPH ist plötzlich einiges geordneter, einfacher und wie du schreibst, ruhiger/tröstlicher.

    Das kommt einem gerade zu Beginn unheimlich und fremd vor,weil man sich so nicht kennt.
    Wie auch, ich kenne mich nur unter Spannung und mit höchstem Stress-level.
    Und ich bin mittlerweile einfach nur noch heilfroh,dass ich mir mit MPH Entlastung schaffen kann und auf dem Niveau von "Normalos" bin.

    Aber ich kann dich gut verstehen, ich hatte die Zweifel sehr lange ("Drogen" auf Rezept, und brauche ich wirklich diese Krücke, ist ja auch irgendwie ohne gegangen"....)-die Frage ist nur immer, was ist der Preis dafür!

    Ich habe mir übrigens schon lange vor dem Medikamentenbeginn Strukturen geschaffen und Therapien gemacht-die ADHS-Symptome kriege ich aber ausschließlich mit MPH oder Strattera in den Griff und deswegen habe ich für mich beschlossen (sofern ich`s vertrage): lebenslang. Und akzeptiere das mittlerweile auch ohne Zweifel.

    Berichte mal wie`s dir weiter so geht,
    liebe Grüße

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