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Diskutiere im Thema ADS ohne Hyperaktivität + Medikation im Forum ADHS Erwachsene Medikamente
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADS / ADHS - Medikamente, wie Ritalin, Concerta, Medikinet, Equasym und Strattera, sowie Medikamente bei Komorbiditäten, wie Antidepressiva, Neuroleptika, Benzodiazepine, andere Psychopharmaka und sonstige Medikamente
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 32

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Hallo spezi,
    danke für deine ausführliche antwort!
    natürlich kann ich es verstehen, wenn es erstmal den eindruck macht als wolle ich einfach medikamente nehmen um mein leben leben zu können. es wäre schön wenn es so einfach ginge, aber so naiv bin ich nicht
    ich bin apothekerin und habe deshalb viel ahnung von medikamenten und bin mir durchaus bewusst was sie bewirken können und vorallem was nicht.
    Um ehrlich zu sein..ich wünsche mir nichts mehr als mit einer verhaltenstherapie erfolg zu haben. ich nehme nur sehr ungern arzneimittel ein (weil ich weiß was die anrichten). bloß fehlt mir eben momentan der glaube daran, dass mcih das aus meinem käfig rauslocken kann. klar liegt es größtenteils an mir selbst was zu ändern und ich bin zu allem bereit wenn mir der weg gezeigt wird. ich befinde mich derzeit auch schon in einer therapie, allerdings wegen einer völlig anderen sache.

    ich habe eben schon oft mitbekommen, dass ads bei erwachsenen nicht ernst genommen wird und erst recht nicht wenn man hypoaktiv ist. deshalb vielelicht meine plumpe frage wie die chance ist ein btm verschrieben zu bekommen.
    der gedanke zum arzt zu gehen besteht mittlerweile seit ca 6 jahren in meinem kopf, ich habe mich damit auseinander gesetzt und großeils keine großen erfolge gehört.
    ich weiß wie ich bin..ich kann nicht darum kämpfen..wenns nicht klappt mit ner therapie (sei es "nur" weil ich keinen arzt in meiner nähe finde)..bin ich sofort wieder in meiner alten haltung.
    wenn ich aber weiß, dass einige erfolg hatten und dass es auch qualifizierte ärzte gibt und ich ernst genommen werden könnte habe ich ein ziel vor augen und kann das ganze ein bisschen besser angehen.

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Evermind schreibt:
    Also nimm dich selbst ernst, und geh zum Arzt!
    Bestehe darauf, dass dir geholfen wird, und lass dir nichts von irgendwelchen Neunmalklugen einreden.
    Es liegt halt in der Natur des Menschen, dass er seine eigenen Probleme als gravierender wahrnimmt, und andere gerne als Jammerlappen sieht.
    Und gerade wir Hypos sind dann schnell dabei uns unterbuttern zu lassen und ziehen uns gleich zurück.

    Auch wenn es schon seltsam ist, dass das sogar hier im Forum passiert, wo man ja etwas mehr Verständnis erwarten würde.

    Hallo,

    ob und inwiefern Du Dich dabei auch auf mein Posting beziehst, weiß ich nicht, aber ich könnte es mir vorstellen, das es auch gemeint ist.

    Wer Fragen nicht wünscht, hinterfragen der eigenen Ansichten nicht ertragen kann, lieber in Illusionen verharren möchte, statt realistische Lösungen zu suchen, der geht natürlich ein Risiko ein, in diesem Forum zu posten. Ich gehe eigentlich immmer davon aus, dass Fragesteller sich ehrliche und konsruktive Antworten und Fragen wünschen.

    Ich hoffe, nach meinem zweiten Posting ist jetzt verständlicher, was meine Absicht ist, was die Hintergünde sind und was ich meine.
    Ich werde mich nicht auf die Ebene begeben, Illusionen zu nähren oder Vorstellungen nicht zu hintefragen, nur um empathisch zu wirken. Da finde ich eine kritisiche, aber ehrliche und fundierte Stellungnahme auch für den Adressaten weitaus hielfreicher. Auch damit muss man umgehen lernen...also warum nicht in diesem Forum anfangen? (Hier ist es weitaus "risikoärmer", als im "realen Leben".)

    Ich habe nicht die Absicht, jemanden "unterzubuttern". Ich sage nur, wie ich der Beitrag auf mich wirkt und was mir dazu durch den Kopf geht. Und nehme dabei für mich in Anspruch (auch wenn gegebenfalls nachfragend/hinterfragend-kritisch), immer konstruktiv zu sein.

    Ich antworte auch gern auf Fragen, erkläre, was ich wie gemeint habe und warum. Und bin auch bereit, meine Sichtweise zu verändern, wenn ich weitere Informationen bekomme, die das Bild verändern. Und das ist ja nun durch die weiteren Beiträge des Threaderöffners geschehen, er hat auf mein Posting reagiert - und so kann ich schon anders darauf eingehen.

    Trotzdem bleiben für mich Fragen offen - und die habe ich im zweiten Posting angesprochen. Wenn man sich einem konstruktiven Dialog wünscht, muss man aber auch bereit sein, sich diesen Fragen, sich einem solchen Prozess zu stellen.

    Viele Grüße
    Spezi

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Hallo Hypo,

    freut mich, dass etwaige Missverstännisse anscheinend nun geklärt sind.

    Hab jetzt leider keine Zeit mehr auf Dein letztes Posting näher einzugehen, muss jetzt leider weg...falls mir dazu noch was einfällt, melde ich mich irgendwann später noch mal.

    LG
    Spezi

    Edit: eine Bitte habe ich noch: Mir fällt es schwer Texte zu lesen, die nur klein geschrieben sind...wäre es Dir möglich, Groß- und Kleinschreibung zu beachten (wir hatten das hier im Forum schon mal an anderer Stelle besprochen...)? Das würde mir die Lesbarkeit deutlich erleichtern und wäre sehr nett, danke!
    Geändert von Spezi ( 6.08.2011 um 18:20 Uhr)

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Spezi schreibt:
    Hallo,

    ob und inwiefern Du Dich dabei auch auf mein Posting beziehst, weiß ich nicht, aber ich könnte es mir vorstellen, das es auch gemeint ist.
    Ja, das war vor allem auf dein Posting bezogen...
    Du hast ja selbst zugegeben, dass es "provokativ" war, und ich weiß nicht, warum das sein muss, wenn man um Rat gebeten wird.
    Mittlerweile hat sich ja aber jeder noch mal genauer erklärt, und es ist gut...

    Zu den Ärzten will ich aber noch was sagen:
    Früher habe ich auch immer versucht bloß nicht die Gefühle der Ärzte zu verletzen, und sie ja die Diagnose selbst stellen lassen, und sie dann ganz viel loben und sich brav bedanken.
    Was habe ich dafür gekriegt?
    Ich bin munter fehlbehandelt worden, und man hat sich teilweise sogar lustig über mich gemacht.

    Warum soll man nicht zum Arzt gehen und ihm sagen: "Ich denke ich habe ADS (oder eine Blinddarmentzündung, egal was), behandeln Sie mich bitte!"
    Ich bin jemand, der sich selbst immer gut informiert, und so habe ich oft feststellen müssen, dass ich teils mehr wusste als die Ärzte.
    Der Arzt ist schließlich ein Dienstleister, es ist sein Job, und er wird gut dafür bezahlt. Von daher sehe ich nicht ein, warum ich ihm von vornherein mit unterwürfiger Dankbarkeit begegnen sollte.

    Vor einigen Jahren war ich bein einem Orthopäden, der mich dumm grinsend fehlbehandelt hat, und ich habe mich auch noch bedankt, obwohl ich es damals schon besser wusste.
    Den Schaden habe aber ich davon getragen.
    In Zukunft werde ich, wenn ich merke, dass ein Arzt inkompetent ist, oder mich nicht ernst nimmt, ihm das auch so sagen. Alles andere kann dann der Anwalt regeln.

  5. #15
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 167

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Ich habe ADHS ohne H und bekomme MPH. Aber wie schon eben oft gesagt sollte man als Erwachsener noch mehr Wert auf eine richtige Diagnose legen da viele Dinge die evtl wie AD(H)S aussehen auch durch andere Dinge verursacht werden können (Schilddrüse, Hashimoto). Du solltest einfach erstmal einen Termin bei einen guten ADHS Neurologen ausmachen und weiter sehen.

  6. #16
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    ADS-Hypo schreibt:
    ich habe eben schon oft mitbekommen, dass ads bei erwachsenen nicht ernst genommen wird und erst recht nicht wenn man hypoaktiv ist. deshalb vielleicht meine plumpe frage wie die chance ist ein btm verschrieben zu bekommen.
    der gedanke zum arzt zu gehen besteht mittlerweile seit ca 6 jahren in meinem kopf, ich habe mich damit auseinander gesetzt und großeils keine großen erfolge gehört.
    ich weiß wie ich bin..ich kann nicht darum kämpfen..wenns nicht klappt mit ner therapie (sei es "nur" weil ich keinen arzt in meiner nähe finde)..bin ich sofort wieder in meiner alten haltung.
    wenn ich aber weiß, dass einige erfolg hatten und dass es auch qualifizierte ärzte gibt und ich ernst genommen werden könnte habe ich ein ziel vor augen und kann das ganze ein bisschen besser angehen.
    Hallo ADS-Hypo,

    ja, es ist als Hypo gelegentlich schwerer, mit seinem Verdacht auf ADS erst genommen zu werden. Aber das tun nach meiner Erfahrung eigentlich ausschließlich Personen, die sich mit mit ADHD nicht wirklich auskennen. Daher: Wenn Dir sowas begegnet, dann wäre die Person für eine kompetende Diagnostik und Behandlung sowieso die falsche Adresse... Für mich ist das immer der erste Indikator, wie kompetent eine Person auf diesem Gebiet ist, auch und vor allem Ärzte und Therapeuten.

    Ja, es gibt sie, die bezüglich ADHS kompetenten Ärzte. Aber ich habe auch erst suchen müssen.
    Und wenn ein Arzt entsprechend fachlich kompetent ist, eine fundiertes Diagnoseverfahren macht, auf der Basis der etablierten Richtlinien, macht es keinen Unterschied, ob Du Hyper oder Hypo bist. Und ein Arzt, der Hypos nicht diagnostizieren kann, dessen ADHS-Diagnosen wären sowieso nichts wert - bei dem würde ich mich auch als Hyper nicht diagnostizieren lassen. Also?

    Aber mein Erfahrung ist auch, dass auch nicht alle Ärzte gleich ablehnend reagieren, auch wenn sie sich mit ADHS nicht auskennen. Ich habe auch Ärtzte/Therapeuten erlebt, die offen waren, aus der eigenen Inkompetenz bezüglich ADHS keinen Hel gemacht haben (davor habe ich große Achtung!) und mich an kompetente Kollegen/Einrichtungen weitervermittelt haben. Daher mein Tipp: Such doch erst mal den Arzt Deines Vertrauens auf...und gehe nicht gleich von der schlechtesten aller Möglichkeiten aus.

    Wenn es Dir schwer fällt, so einen Weg anzugehen und vor allem durchzuhalten, dann hole Dir Hilfe. Jemanden, der Dich unterstützt, begleitet. Eine Person Deines Vertrauens, eine Selbsthilfegruppe, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder eine Psychosoziale Beratungsstelle oder eine andere Beratungsstelle.

    Ich wünsche Dir, dass Du die Hilfe bekommst, die Du benötigst. Alles Gute!

    Spezi
    Geändert von Spezi ( 7.08.2011 um 00:23 Uhr)

  7. #17
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Evermind schreibt:
    Du hast ja selbst zugegeben, dass es "provokativ" war, und ich weiß nicht, warum das sein muss, wenn man um Rat gebeten wird.
    Wenn jemand um Rat fragt: "Wie komme ich am einfachten an MPH ran?" (und so wirkte das auf mich) , würde ich immer wieder so reagieren - und dazu stehe ich. Diese Haltung gehört einfach hinterfragt. Alles andere ist ja wohl geklärt.


    Warum soll man nicht zum Arzt gehen und ihm sagen: "Ich denke ich habe ADS (oder eine Blinddarmentzündung, egal was), behandeln Sie mich bitte!"
    Ich bin jemand, der sich selbst immer gut informiert, und so habe ich oft feststellen müssen, dass ich teils mehr wusste als die Ärzte.
    Der Arzt ist schließlich ein Dienstleister, es ist sein Job, und er wird gut dafür bezahlt. Von daher sehe ich nicht ein, warum ich ihm von vornherein mit unterwürfiger Dankbarkeit begegnen sollte.
    Natürlich. Hab ja auch geschrieben, dass ich den Eigenverdacht ansprechen würde.

    Wer allerdings zum Arzt geht und sagt "Ich weiß, dass ich ADS habe, bitte verschrieben sie mir MPH!", womöglich noch mit dem Zusatz: "Sie sind Dienstleister, bitte erfüllen Sie mir meine Wünsche" geht wohl nicht sehr zielführend vor.

    Ein fachlich und sozial/menschlich kompetenter Arzt wird meine Sichtweise und Wünsche berücksichtigen und dies als Kompetenz nutzen. Ich brauche da nichts "einklagen".

    Ärzte, die ich als kompetent ansehe, deren Meinung und Rat schätze ich. Ich wäre reichlich doof, wenn ich ihr Fachwissen nicht nutzen und ihren Rat nicht einholen würde. Ein wirklich kompetenter Arzt wird meine Sichtweise genauso achten und respektieren. Er wird mich als Partner behandeln, genauso wie ich ihn.
    Außerdem schätze ich die Ärzte meines Vertrauens als Menschen - und genauso behande ich sie auch. Weil sie mich respektvoll behandeln. Es beruht auf Gegenseitigkeit.

    Ein inkompetenter Arzt wir mich auch nicht gut behandeln, wenn ich ihn mit meiner vorgefertigten Meinung konfrontiere, auf meine "Ansprüche" auf eine bestimmte Behandlung poche oder diese gar mit einem Anwalt einzuklagen versuche.
    Ärzte, die mich nicht für voll nehmen, deren Äußerungen ich als unqualifiziert erlebe, von denen ich mich nicht verstanden fühle, die mich übergehen oder mir gar schaden, von denen lasse ich mich nicht behandeln.

    Es kommt darauf an, dies voneinander zu unterscheiden.

    Wer einem Arzt, den er noch gar nicht kennt, von vornherein mit der Annahme gegenübertritt, dass dieser sowieso inkompetent ist, falsch behandelt und man schon vorher selbst wissen muss, was die richtige Diagnose und Behandlung ist, darf sich dann nicht wundern, wenn sich seine Annahme anscheinend bestätigt.
    Ich begegne Ärzten zunächst mit der Annahme, dass sie kompetent sind und entsprechend ihres Faches gut behandeln. Und oft ist es ja so. Sollte sich das nicht bestätigen, merke ich das auch - und sage das dem Arzt.

    Spezi
    Geändert von Spezi ( 7.08.2011 um 01:30 Uhr)

  8. #18
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    ADS-Hypo schreibt:
    Nun meine Frage, hat jemand Erfahrung damit? Iregndwo ein ADS´ler ohne hyperaktivität, der BTM verschrieben bekommt?
    oder anders gesagt, lohnt sich der Aufwand das ganze anzugehen..??

    Liebe Grüße
    Ja, hier. Ich habe quasi keinerlei Hyperaktivitätssymptomatik, ich bin einer der verhältnismäßig selteneren, rein vorwiegend unaufmerksamen ADSler.

    Anzumerken ist, dass ich einen extrem kompetenten, sehr guten Arzt gefunden habe, was sehr wichtig ist. Ich kann das einigermaßen beurteilen wenn ich mit Ärzten spreche, da ich selbst im Studium auch viel im medizinischen Bereich gelernt habe. Mein Arzt ist im Übrigen auch Suchtspezialist, was mich erstmal skeptisch gemacht hat, da ich Angst hatte dass er durch seine Erfahrung mit Drogenabhängigen eventuell etwas voreingenommen sein könnte.
    Im Gegenteil - es hat sich als Vorteil erwiesen. Ich denke, er kann sehr gut einschätzen, inwieweit eine reale Suchtgefahr bei einem Patienten besteht. Ich habe ihm sogar offen und ehrlich über meine vergangenen Drogenerfahrungen berichtet. Wir sind da jedoch auf einer Wellenlänge was das angeht und teilen eine vergleichbare Einstellung zum Thema Drogen. Denn in Wirklichkeit sind nicht die Drogen an sich die Gefahr, sondern der Missbrauch von Drogen. Deswegen ist es auch am Wichtigsten, dass dein Arzt genau das merkt: Du hast ein Risikobewusstsein und besitzt eine realistische Einschätzung für Gefahren, die von Drogen ausgeht (oder von Medikamenten, die englische Sprache macht da nichteinmal einen Unterschied). Du bist dir bewusst, dass diese Medikamente Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringen und du kannst deutlich machen, dass es dir darum geht, dass du Probleme hast, bei denen dir Medikamente helfen könnten.

    Dein Arzt muss soweit ich weiß bestimmte Gegebenheiten sicherstellen, bevor er dir BTM für ADS verschreiben darf:

    -Er selbst muss Spezialist für das Fachgebiet sein, das heißt ein Hausarzt wird das nicht können, ein Psychiater der sich mit AD(H)S beschäftigt schon
    -Er muss nachweisen, dass deine Problematik seit einigen Jahren konstant auftritt und dass sie in der Kindheit schon auftrat.
    -Er muss sicherstellen, dass deine Problematik in mehreren Lebensbereichen für dich eine deutliche Einschränkung bedeutet
    -Er muss absichern, dass deine Symptomatik nicht aus anderen Gründen entsteht. Das schließt zum Beispiel Schilddrüsenfunktion oder depressive Erkrankungen ein, da sich die Symptomatik überschneidet.
    -Methylphenidat stellt Mittel zweiter Wahl dar, für eine Verschreibung muss dein Arzt nachweisen, dass zuvor andere Dinge getestet wurden. Dazu gehören alternative Medikamente (in meinem Falle Elontril) und psychotherapeutische Ansätze. Er muss nachweisen, dass diese Behandlungsoptionen keine deutliche Lösung deiner Probleme erbrachten (In meinem Fall geschehen durch erneutes Ausfüllen der Diagnosefragebögen).
    -Er muss natürlich auch das oben angesprochene Missbrauchspotential abschätzen. Einem Patienten, der es offensichtlich zur Leistungssteigerung in einem relativ problemfreien Leben verwenden möchte oder demonstriert, dass er es als Droge missbrauchen könnte kann er sowas selbstverständlich nicht verschreiben.

    -vor der Verschreibung muss sichergestellt werden, dass du nicht zu einer Risikogruppe gehörst. Das heißt, Herzkrankheiten und Ähnliches dürfen nicht vorhanden sein. Im Falle eine bipolaren Störung fällt MPH aufgrund der symptomverstärkenden Wirkung ebenfalls weg
    -während der Medikation muss er dich konstant bei der Einnahme begleiten (nein, nicht Händchen halten und zuschauen, nur die Auswirkungen regelmäßig überwachen). Ich soll zum Beispiel Blutdruckmessungen durchführen und mein Körpergewicht kontrollieren. Ich schreibe außerdem ein Arzneimitteltagebuch in dem ich Wirkungen beobachte und notiere.
    -er muss einen Wirkungsnachweis erbringen (und wieder die Fragebögen nach 14 Tagen...)
    -bei langfristiger Medikation damit müssen zwischenzeitig Pausen eingelegt werden, so in einem Jahr sollten zB mal zwei Wochen stattfinden in denen man sich selbst ohne Medikament beobachtet. Dann muss er nachweisen, dass immer noch ein Unterschied zwischen der Situation mit Medikament und ohne besteht. (Da bin ich noch nicht - aber vermutlich wieder die geliebten Fragebögen)


    Soviel dazu. Meine persönliche Erfahrung jetzt nach etwa 3 Wochen mit MPH ist, dass es mir sehr hilft. Das Elontril, das ich zuvor über 8 Wochen getestet habe brachte keine Besserung. Das MPH hilft sofort. Und meine Schwierigkeiten mit Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis sind sehr deutlich verbessert wenn ich das Medikament nehme. Als "Hypo" kann ich dir also nur dringend dazu raten, bei einem solchen Verdacht die entsprechenden Schritte einzuleiten, denn es könnte dein Leben enorm verbessern. Wie gesagt - such dir einen wirklich guten Arzt. In meinem Falle bin ich in einem anderen Forum über einen Moderator auf eine interne Arztliste aufmerksam gemacht worden. Mein Arzt ist ansässig in einem kleineren Ort und ich wäre ansonsten wohl kaum auf ihn aufmerksam geworden. Ich habe diesen gewählt, weil der Moderator mir mitteilte, dass ein Bekannter wegen Depressionen dort behandelt wird und sehr zufrieden war. Der Ratschlag war Gold wert, ich habe so nicht nur eine kürzere Wartezeit gehabt, sondern vielleicht auch einen besseren Arzt bekommen als dies in den großen Unikliniken der Fall gewesen wäre. Solch persönliche Erfahrungen sind sehr viel mehr wert als Titel oder Ähnliches - jemand der anderen vertrauenswürdig erscheint wird es höchstwahrscheinlich auch sein. Wenn du also die Chance hast dich von jemand Betroffenem beraten zu lassen, dann tu das. Die Qualität des Arztes wird mit darüber entscheiden, wie gut er dir helfen kann.

    Ich habe übrigens im November letzten Jahres die Überweisung meines Hausarztes bekommen. Alles in allem hat es also etwa 8 Monate gedauert, bis ich vom ersten Schritt bis zur bestehenden Diagnose und der Verschreibung von MPH gekommen bin. Und das ist verhältnismäßig kurz, denn an den großen Kliniken wartest du auch gerne mal ein halbes Jahr darauf überhaupt einen Termin zu bekommen.

    Der Weg mag ein bisschen steinig gewesen sein aber ich denke es hat sich definitiv gelohnt. Du solltest das auch ernsthaft in Erwägung ziehen, die Tatsache dass du Hyperaktivität nicht so stark zeigst schließt bei einem ordentlichen Arzt die Medikamentierung keinesfalls aus. Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg auf deinem Weg.

    *edit* Sehe gerade erst, dass du Apothekerin bist. Einige der Informationen hier hätte ich dir dann bestimmt garnicht mal geben müssen da du sie eh schon kennst Naja, ich hoffe dennoch etwas geholfen zu haben
    Geändert von hypocampus ( 7.08.2011 um 15:02 Uhr)

  9. #19
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Spezi schreibt:
    Wenn jemand um Rat fragt: "Wie komme ich am einfachten an MPH ran?" (und so wirkte das auf mich) , würde ich immer wieder so reagieren - und dazu stehe ich. Diese Haltung gehört einfach hinterfragt. Alles andere ist ja wohl geklärt.
    Bitte lies dir doch ihren Eingangspost noch mal durch. Auf mich hat es nicht gewirkt, als hätte sie es auf Drogen abgesehen um damit die Tour de France zu fahren o.ä.
    Aber es soll ja durchaus vorkommen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Wahrnehmungen haben.

    Außerdem ist es bei der Hypoaktivität ja ganz typisch, dass man seine Anliegen nicht angemessen präsentieren kann.
    "Still und zurückhaltend, mit impulsiven Ausbrüchen"
    Du sitzt monatelang grübelnd zu Hause, denkst über das ADS nach, bis du dich endlich dazu durchringst zum Arzt zu gehen...
    Wenn du dann da bist und ihm gegenüber sitzt, ist plötzlich alles weg was du sagen wolltest.
    Und ehe du dich versiehst hat der Arzt dir die Hände geschüttelt und dich hinaus hofiert, und du bist noch gedanklich bei der Begrüßung.

    Da bist du froh, wenn dir so ein impulsiver Ausbruch gelingt, weil es dir irgendwann zu viel wird, und du dann viel zu offen und direkt das ansprichst, was dir durch den Kopf geht.
    Mit einem Forenbeitrag kann es ähnlich sein.

    Ein fachlich und sozial/menschlich kompetenter Arzt wird meine Sichtweise und Wünsche berücksichtigen und dies als Kompetenz nutzen. Ich brauche da nichts "einklagen".

    Ärzte, die ich als kompetent ansehe, deren Meinung und Rat schätze ich. Ich wäre reichlich doof, wenn ich ihr Fachwissen nicht nutzen und ihren Rat nicht einholen würde. Ein wirklich kompetenter Arzt wird meine Sichtweise genauso achten und respektieren. Er wird mich als Partner behandeln, genauso wie ich ihn.
    Außerdem schätze ich die Ärzte meines Vertrauens als Menschen - und genauso behande ich sie auch. Weil sie mich respektvoll behandeln. Es beruht auf Gegenseitigkeit.
    Ganz meine Meinung: Jeder so wie er es verdient!

    Wer allerdings zum Arzt geht und sagt "Ich weiß, dass ich ADS habe, bitte verschrieben sie mir MPH!", womöglich noch mit dem Zusatz: "Sie sind Dienstleister, bitte erfüllen Sie mir meine Wünsche" geht wohl nicht sehr zielführend vor.
    Da schätzt du mich ganz falsch ein. Ich bin im Gegenteil immer sehr höflich und zu nett und zu zurückhaltend.
    Wenn ein Arzt mich respektvoll behandelt, dann bin ich ihm auch sehr dankbar!
    Aber das tun eben leider viele nicht. Gerade Ärzte (manche) sehen sich auch gerne mal als (Halb-)Gott...
    Durchaus verständlich wenn man den ganzen Tag von hilfesuchenden Menschen umgeben ist.

    Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen mir so etwas nicht mehr gefallen zu lassen.
    Aber du brauchst keine Angst um unsere Ärzte zu haben. Die können sich ganz gut wehren, genießen sie doch gewissermaßen Narrenfreiheit in Deutschland.
    Geändert von Evermind ( 7.08.2011 um 15:44 Uhr)

  10. #20
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: ADS ohne Hyperaktivität + Medikation

    Edit:
    Was mich so wütend macht ist in gewisser Weise auch die Hilflosigkeit... Die Hypoaktivität stört ja keinen, außer dich selbst.
    Wenn du dann vor so einem ******** Arzt sitzt, der dich im Prinzip nur auslacht - kann ich dir versichern, dass er froh sein kann wenn ich ihm nur mit dem Anwalt komme. Ich habe da auch schon ganz andere Gedanken gehabt.

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